Kinder der Ewigkeit

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2010
  • 5
Kinder der Ewigkeit
Kinder der Ewigkeit
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Carsten Kuhr
75°1001

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2009

Cyberpunk meets Space Opera

Die ferne Zukunft. Die Menschheit hat nicht nur in überlichtschnellen Raumschiffen und mittels Wurmlöchern das All erobert, dabei Aliens getroffen und ein interstellares Reich aufgebaut, sie hat auch einen Menschheitstraum wahr werden lassen. Mit Hilfe überlegener Nano- und Gentechnologie gelang es, das Altern aufzuhalten. Die körperliche Unsterblichkeit ist wahr geworden.

Doch wird dieses Geschenk nicht allen Menschen zuteil. Nur die Besten der Besten, die sich im Laufe ihres Lebens genügend Meriten verdient haben, kommen in den Genuss der Behandlung. Für alle wird gesorgt, keiner muss arbeiten, so er es nicht will. Doch wer den langen, steinigen Weg zur Unsterblichkeit beschreiten will, der muss dem Gemeinsinn etwas wertvolles zukommen lassen. So blüht die Forschung im Auftrag der Hohen und gesteuert und überwacht durch die Magister, allmächtige Maschinen. Nur den Bewohnern der Gemischten Gebiete ist es verwehrt, den Aufstieg zu einem Hohen anzustreben. Sie alleine müssen dem Tod permanent in die Augen schauen.

Esebian ist, nein besser war einer von ihnen. Dann beschloss er auf eigene Art zu Meriten zu kommen. Jahrzehntelang konnte man sich seiner Dienste versichern, so man denn bereit war, genügend Meriten dafür zu bezahlen. Dafür konnte man sicher sein, dass ein lästiger Konkurrent, ein verhasster Gegner nicht länger ein Problem darstellen würde. Esebian war der beste Profikiller der Menschheit. Vor Jahrzehnten aber hat er sich zu Ruhe gesetzt, seine entsprechende Persönlichkeit abgespeichert, und sich bemüht, als Forscher die letzten ihm fehlenden 50.000 Meriten zu verdienen.

Eines Tages bekommt er überraschend Besuch. Einer der Hohen, ein Unsterblicher sichert sich seine Dienste. Für das Versprechen, in den Rang eines Erlauchten aufzusteigen und unsterblich zu werden, soll er ein letztes Mal als Sniper agieren. Sein Ziel, der Vorsitzende der Unsterblichen selbst. Der Anschlag gelingt, doch dann wird Esebian selbst zum gejagten Wild. Sein Auftraggeber versucht ihn zu meucheln, nur dem Eingreifen einer jungen Frau aus den Gemischen Gebieten und ihren PSI-Gaben verdankt er sein Überleben. Nun beherrscht nur ein Gedanke sein Dasein - er will Rache. Verfolgt von Unsterblichen, geleitet von den Magistern muss er erkennen, dass er Zeit seines Lebens nur manipuliert und gesteuert wurde - doch was und wer verbirgt sich hinter all den Geheimnissen?

Die Zukunft nach Brandhorst - ein intelligentes Gedankenspiel

Andreas Brandhorst kann auf eine lange Reihe von Romanen zurückblicken. Für die innovative Heftserie "Die Terranauten" verfasste er diverse Titel, bei Corian kam sein "Netzparasit" heraus und in den letzten Jahren hat er sich neben seiner Tätigkeit als Übersetzer insbesondere der Scheibenwelt-Titel mit seinem "Kantaki-Zyklus" Meriten verdient. Mit "Äon" legte er dann einen packenden Thriller vor, bevor er mit vorliegendem Werk wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt.

Brandhorst erzählt uns von einer fernen Zukunft. Durch die Augen seines Protagonisten erleben wir eine Welt, in der es üblich ist, sich mittels künstlicher Aufrüstungen des Körpers Vorteile zu verschaffen, in der niemand arbeiten muss, jeder versorgt wird, in der aber auch ein ultimativer Anreiz dafür sorgt, dass so viel und intensiv geforscht wird wie nie zuvor.

In diese hochtechnisierte, fast kalt und steril wirkende Welt setzt er einen Mann, der von Gefühlen getrieben wird. Trauer, Verlust, Neid prägen seine Jugend, Rache und Neugier sein Alter. Das passt auf den ersten Blick kaum zusammen. Ein Profikiller, in einer Gesellschaft der erhabenen Unsterblichen und engagierten Forscher, das las sich zu Beginn ein wenig seltsam. Im Verlauf der abenteuerlichen Handlung aber hebt sich mit dem Schleier, der über die multiplen Persönlichkeiten, die sich in Esebians Körper tummeln, neben dem Killer auch eine verführerische Frau. Je mehr wir von seiner Historie erfahren, desto faszinierender wird die Gestalt.

Daneben setzt der Autor mit dem Anführer der Hohen und der PSI-Begabten aus den gemischten Gebieten weitere markante und geheimnisvolle Persönlichkeiten. Im Hintergrund lauerst ständig die Frage, ob es wirklich erstrebsam ist, unsterblich zu sein. Wird das Leben nicht langweilig, verliert man nicht seine Menschlichkeit, wird von den Erinnerungen erdrückt, von den Verlusten gequält? Ist dieser Preis die Flucht vor der letzten Grenze wert - Fragen, die dem Roman eine ungewöhnliche Dimension und Tiefe verleihen.

Stilistisch ansprechend kommt der Roman, nachdem man sich in den ersten Kapiteln in die zunächst kompliziert und verschaltend wirkende Handlung eingefunden hat, schnell in Fahrt, unterhält dabei spannend und abwechslungsreich.

Kinder der Ewigkeit

Andreas Brandhorst, Heyne

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