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Jochen König
Dracula eins mit der Rute übergezogen

Buch-Rezension von Jochen König Dez 2009

24 Jahre nach den höchst dramatischen Ereignissen um Graf Dracula und seinen vermeintlichen Tod, wird Quincey Harker auf rabiate Art und Weise mit seiner Familiengeschichte konfrontiert. Ist er doch der Sohn Mina und Jonathan Harkers, die beide auf ihre Weise gegen den "Prinzen der Finsternis" kämpften.

Doch diesmal geht die Bedrohung in erster Linie nicht vom transsilvanischen Grafen aus, sondern von einer entfernten Verwandten, der mitleidlosen und nahezu unbezwingbaren Vampirin Erzsébet Báthory, die neben ihrer Vorliebe für Bäder in Jungfrauenblut, von Rache getrieben, sowohl die Kämpfer des Lichts, wie ihren Cousin Dracula auslöschen möchte.

Junior Harker findet sich an der Seite des berühmten rumänischen Schauspielers Basarab plötzlich im Mittelpunkt eines Gefechts, dessen Ursachen und Regeln er unter Mühen und vor allem mentalen Schmerzen erst lernen muss.

Als Kombattanten treten gegen die liederliche Gräfin Bathory an: Dr. Jack (einmal auch John) Seward, Mina und Jonathan Harker, Arthur Holmwood, jetziger Lord Godalming, Abraham Van Helsing und Graf Dracula höchstselbst, allesamt entliehen dem berühmten Roman Bram Stokers, der leibhaftig selbst einige unvorteilhafte Kurzauftritte hat.

Komische und gleichzeitig tragische Figur am Rande ist der stoische und vorgeblich tölpelhafte Polizeiinspektor Cotford, der ebenfalls bereits bei Stoker Erwähnung fand, und jetzt seine eigenwilligen Schlüsse bezüglich eines berühmten Serienkillers zieht, der sich Ende des 19. Jahrhunderts ausnehmend unhöflich gegenüber diversen Prostituierten zeigte.

Es kommt zu Scharmützeln der libidinösen und blutigen Art, Fehleinschätzungen und -tritte werden harsch abgestraft. Am Ende, nach mehreren Showdowns, als kaum noch jemand auf den Beinen steht, wartet auf die Überlebenden, Halbtoten, Schein- und ganz Toten eine Schlusspointe.

Grober Unfug

Dracula - Die Wiederkehr kommt die zweifelhafte Ehre zuteil, ein schlechtes Buch in einer noch schlechteren Übersetzung zu sein. Welcher Teufel mag den Übersetzer wohl geritten haben, aus dem allseits bekannten Unhold Jack the Ripper, "Jack der Schlitzer" zu machen? Was nur der gröbste Unfug eines jämmerlichen Buches ist. Wobei die Autoren sich nicht hinter dem Übersetzer zu verstecken brauchen. Die verschiedenen Formen von "der alte Mann", in Verbindung mit Abraham van Helsing, gab es anscheinend als Meterware zu kaufen, und wenn Mina Harker zum x-ten Mal innerlich bebend über ihren "Prinzen der Finsternis" räsoniert , wird jeder Geduldsfaden auf das Einfältigste strapaziert.

Obwohl beide Autoren im Nachwort versichern, dass sie große Kenner und Verehrer des Original-Draculas sind, geht ihnen eins ab, was zu einer gelungenen Fortsetzung, ja selbst zu einer Parodie gehört: Respekt.

Stoker und Holt holen zwar eine Vielzahl der Figuren aus Dracula auf's Parkett, gehen aber sehr würdelos mit ihnen um. Im teilweise fortgeschrittenen Greisenalter wird den ehemaligen "Kämpfern des Lichts" übel mitgespielt. Fast jeder wird auf die Bühne gezerrt und darf Federn lassen; selbst vor Bram Stoker machen die Autoren nicht halt. So ehrerbietig beide im Nachwort klingen, so degoutant stellen sie Stoker als zweitklassigen Autoren, mäßigen Plagiator und peniblen Bürokraten vor das entgeisterte Publikum. Ob das der Realität entspricht, ist dabei völlig egal, denn Dracula - Die Wiederkehr stellt keine Biographie dar, sondern eine lasche Fiktion, die des Vorführens eines hilflosen Mannes nicht bedurft hätte.

Wrestling mit Vampiren

Geist- und sinnlos stoppeln die Autoren zusammen, was nicht zusammen gehört. Graf Dracula, der sich in schattenhaften Auftritten als vampirischer Gotteskrieger gegen die fürchterliche Bathory behaupten darf (und dabei ziemlich blass aussieht) bleibt profillos; die Bathory selbst ist mehr übersäuerter Hulk als femme fatale; Vampirismus wird als Mischung aus Krankheit und Steroidüberschuss gedeutet. Das Stoker und Holt Coppolas Deutung des Vampir-Mythos mit einbauen, sei ihnen unbenommen, dass sie nach Lust und Laune Regeln brechen (oder auch nicht) fällt schon schwerer ins Gewicht, zeugt es doch von einem Mangel an Struktur und eigenen Ideen.

Die Geschichte plätschert recht spannungslos dahin, ab und an gibt es kleine Ausbrüche von Erotik und Gewalt, doch werden diese entweder holperig präsentiert, oder derart langwierig vorbereitet, dass die Spannung bricht, bevor sie gebogen wurde. So wird schließlich völlig egal, ob die Vampire bei Tageslicht zerfallen oder nicht, das Kruzifixe nur bei gläubigen(!) Vampiren Wirkung zeigen, Dracula sich im Spiegel rasieren kann und Knoblauch, sowie spitze Holzpflöcke kaum eine Rolle spielen.

Nach vierhundert Seiten nimmt die Spannung dann endlich einmal zu, es gibt einen furiosen Showdown in einem Bahnhof, der Dracula zwar wiederholt als Jammergestalt zeichnet, in dem aber trotzdem die Fetzen fliegen. Das erinnert zwar fatal an die actionlastigen Zugszenen in Die Hard 3 und vor allem Hellboy, ist aber tatsächlich recht mitreißend geschrieben. Leider lassen es die Autoren nicht dabei bewenden, sondern klatschen noch weitere Schlusskämpfe hinten dran. Einer lächerlicher als der andere. Erinnert fatal an choreographierte Wrestling-Kloppereien, während derer sich überlebensgroße Figuren vorgeblich zu Klump hauen lassen, um dann wieder aufzustehen und Paroli zu bieten.

Wirkt in vorliegendem Buch leider völlig unglaubwürdig, weil Bathory zum Hulk Hogan der Vampire aufgebaut wird, und ihre Gegner allesamt als unterlegene Sparringspartner agieren müssen. Da trifft Mina Harkers Ausruf:"Ich bin Draculas ehebrecherische Hure" die Gräfin schon ins Mark, und Dracula, der Findige, hat vielleicht auch noch den ein oder anderen Trick auf Lager. Mehr Leben (oder Tode) als eine durchschnittliche Katze besitzt er auf jeden Fall. Und einen guten Draht nach oben, bezeichnet er sich doch voller Überzeugung und entgegen Bram Stokers Deutung, als "Gotteskrieger".

Hilflos durch die Nacht

Quincey Harker staunt und wundert sich den ganzen Roman über, kapiert wenig, tut noch weniger, auch wenn er irgendwann feststellt, dass er schneller laufen kann als Usain Bolt. Nutzt ihm nichts, er bleibt weitgehend Zuschauer mit offenen Mund, darf aber ab und an das renitente Böckchen spielen, Schauspieleleve, der er ist. Das Ende schließlich verweist Richtung Packeis und lässt einen wahrhaft grauenhaften Gedanken wachsen: hat Mary Shelley etwa eine unbegabte Urgroßnichte, die möglicherweise die Legende von Baron Frankenstein und seinem Monster im Angesicht Draculas fortsetzen möchte?

Gab's doch schon: Wer erinnert sich nicht an den legendären Filmkracher: Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein? DEN könnte ein zumindest namentlich wohl beleumdetes Trio oder Quartett immerhin in den Schatten stellen. Oder auch nicht...

Es gibt Bücher, die haben, auch bei einem Umfang von über fünfhundert Seiten, mit einem einzigen Satz verloren. Bei Dracula - Die Wiederkehr lautet dieser Satz: "Er konnte ihren kalten Atem auf seiner anschwellenden Rute spüren."
Die Rede ist nicht vom Nikolaus.

Einen mageren Spaß kann man sich daraus machen, all die Dracula-Darsteller der vergangenen Jahrzehnte zu finden, die im Buch kleine und größere Auftritte haben. Doch selbst diese minimale intellektuelle Herausforderung gönnen die beiden Autoren dem Leser nicht; erklären sie sich im Nachwort doch ausdrücklich. Und ausgerechnet der Darsteller, der, zwar missverstanden, den wohl größten Einfluss auf Draculas Wiederkehr hatte, findet keinen Eingang: Gary Oldman. Er darf es als Segen empfinden.

Kleines Gerücht zum Schluss: nachdem Jan de Bont bereits als Hauptverantwortlicher für die wahrscheinliche Verfilmung genannt wurde, sind mittlerweile derartige Pläne wohl auf Eis gelegt. Da können sie gerne bleiben. Zusammen mit der möglichen literarischen Fortsetzung.

Dracula - Die Wiederkehr

Dracula - Die Wiederkehr

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Letzte Kommentare:
08.01.2020 14:18:01
Blackfairy71

Zunächst mal: Die teilweise schlechten Kritiken kann ich nicht nachvollziehen. Für mich ist das Buch eine würdige und gelungene Fortsetzung von Bram Stokers „Dracula“. Blutsbande verpflichten eben.
Und war für mich wie ein Wiedersehen mit alten Freunden, die man lange vermisst hat: Mina Harker, Jonathan Harker, John Seward, Arthur Holmwood, Abraham Van Helsing und natürlich Dracula selbst.

25 Jahre sind vergangen seit den Ereignissen in Transsilvanien und die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Jonathan und Mina sind nach wie vor verheiratet, aber Jonathan konnte seiner Frau nie verzeihen, dass sie ihn mit Dracula betrogen und beinah für ihn verlassen hätte. Und Mina sieht noch genau so jung aus, wie damals, was sie dem Vampirblut in ihren Adern zu verdanken hat. Noch etwas, dass Jonathan nicht ertragen kann und ihn ständig an ihren Verrat erinnert. Mina hingegen schwört, dass sie nur ihren Mann liebt und nichts mehr für ihren dunklen Prinzen empfindet, der damals in Transsilvanien starb.
Ihr gemeinsamer Sohn Quincey (benannt nach dem damals verstorbenen Quincey Morris) weigert sich den von seinem Vater vorgeschriebenen Weg als Advokat zu gehen und schmeißt sein Studium an der Sorbonne in Paris hin. Stattdessen arbeitet er an einem Theater und trifft dort auf den berühmten rumänischen Schauspieler Basarab, eine äußerst charismatische Figur. Quincey bewundert den Mann und will ihn überreden am Theater in London in einem Stück des bis dahin erfolglosen Schriftstellers Bram Stoker die Hauptrolle zu übernehmen: Dracula.
Damit er weiß, um was es überhaupt geht, liest Quincey Stokers Buch – und ist entsetzt. Wieso spielen seine Eltern die Hauptrolle in diesem Buch? Und was haben Jack Seward und Arthur Holmwood mit der Sache zu tun, zwei Männer, die er von klein auf kennt und bewundert. Und wer ist dieser Graf Dracula und was hat seine Mutter mit diesem Mann…diesem Ungeheuer zu schaffen?
Zur gleichen Zeit geschehen in London grausame Morde. Ist Dracula zurück gekehrt? Oder treibt noch ein weiterer Vampir sein Unwesen und tötet der Reihe nach die Personen, die sich damals gegen Dracula verbündet hatten?

Dacre Stoker und Ian Holt bringen hier auch eine der bekanntesten Mordserien ins Spiel, die bis heute ungeklärt ist: Jack the Ripper. Und liefern eine für die Handlung des Buchs schlüssige Entlarvung des Täters.

Und wer sich mit der Geschichte Draculas befasst, der weiß, dass Bram Stoker nicht nur die Geschichten über Vlad den Pfähler, sondern auch die ungarische Gräfin Bathory als Vorbild für seinen Dracula nahm. Auch diese Idee wird hier verarbeitet.

Wenn irgendwo die Frage gestellt wird nach den größten Liebespaaren der Literaturgeschichte fällt mir immer als erstes Mina Harker und Dracula ein. Und auch zum Ende von „Dracula – Die Wiederkehr“ wird es wieder bewiesen: Wahre Liebe stirbt nie.

Aber bitte nicht falsch verstehen, dies ist kein Liebesroman. Es ist ein spannender, historischer Roman mit der richtigen Portion Crime und einem Hauch Erotik.

21.06.2017 17:38:02
Paige

Das Buch ist furchtbar. Die Geschichte um Mina, Dracula und ihren Sohn ist noch sehr interessant. Auch die Gegendarstellung des Todes von Lucy Westenra wegen Reaktion ihres Körpers auf falsch angewandte Bluttransfusionen ist gut. Jedoch werden in dem Buch so viele geschichtliche Ereignisse aufgegriffen, dass es sehr unrealistisch wird und es keinen Spaß mehr macht, das Buch zu lesen: Die Blutgräfin Erszebeth Bathory, die in dem Buch als Jack the Ripper dargestellt wird.. Mina und Dracula gehen an Bord der Titanic. Am schlimmsten aber ist, dass die Blutgräfin, die sowohl in der Realität als auch im Buch eine grausame Mörderin ist, im Buch die ehemalige Geliebte von Marie Antoinette gewesen ist. Der Autor zieht den Namen einer Königin in den Schmutz, die in ihrem Leben genug Leid erfahren hat!
Fazit: Eines der schlechtesten Bücher, die ich je gelesen habe.

03.05.2017 07:56:29
gary

Absolut unglaubwürdiges Buch! Nur die Actionszenen sind halbwegs gelungen, alles andere hat keinen Tiefgang und die Protagonisten wirken sehr farblos. Schwächlicher Dracula, der einmal sagt: "Wir können die Welt an der Gurgel packen". Ein schlechtes Buch, und noch schlechtere Übersetzung. Und bei "Jack dem Schlitzer" hab ich mich auch geärgert. Chapeau an die Kritik!

12.01.2016 14:15:27
Helena

Meine Ehrwartungen waren hoch, als ich dieses Buch im Regal der Buchhandlung entdeckte. Ich hatte die Hoffnung, dass nach all den schmalzigen Vampir-Liebesgeschichten, die nun schon seit einiger Zeit, dieses Genre und alle in ihm befindlichen gerissenen, hinterlistigen und unberechenbaren Wunder der Dunkelheit, defamieren und in manchen Fällen sogar ins Lächerliche ziehen, nun endlich ein Riegel vorgeschoben würde, doch da habe ich mich wohl gründlich getäuscht.

Schon auf den ersten Seiten bleibt nichts von der einstigen Tiefe und Ehrhabenheit die Stoker vor langer Zeit so brillant und stilvoll seinen Charakteren einhauchte. Ich habe stets die Freundschaft und Loyalität bewundert, die diese Männer und Frauen im Kampf gegen das Böse an den Tag legten, doch davon lässt dieses Buch nicht einmal etwas erahnen.
Mich trifft das besonders im Bezug auf Van Helsing, den ich im Laufe der Orginalbuches "Dracula" wirklich lieben lehrnte und an dem die Autoren kein gutes Haar lassen.

Ich will nicht schwafeln und warscheinlich hab ich das bereits getan, aber ich kann nur allen Freunden des Orginals abraten dieses Buch zu lesen. Bitte zerstören sie nicht das Wunderwerk, dass Stoker vor ihren Augen entstehen ließ.

03.02.2012 09:15:46
wuulf

Zufällig bin ich auf dieses Buch gestossen und bin sehr froh es gekauft zu haben. Ein wahrlich fesselndes Buch spannend bis zum Ende und von durchdringender Logik. Eine würdige Fortsetzung von Bram Stokers Meisterwerk.

Ich finde den Autoren ist ihr Vorhaben geglückt, sie haben Bram Stoker und seiner Sicht der Dinge ein Denkmal gesetzt

26.01.2010 12:38:17
Martina Lachmuth

Ich habe \'Dracula - Die Wiederkehr\' gleich im Anschluß an den ursprünglichen Roman von Bram Stoker gelesen. Gleich nach den ersten Seiten konnte ich das Buch nicht mehr aus den Händen lassen. Ich habe es in mich eingesogen wie kein anderes Buch zuvor.

Dacre Stoker und Ian Holt haben m. E. die Figuren aus Bram Stokers \'Dracula\' erst so richtig von allen Seiten beleuchtet und sie lebendiger gestaltet - egal ob nun untot oder lebendig.

Ein hervorragendes Buch voller Spannung, vielen Überraschungen und perfekt in Szene gesetztem Horror.

Ein großes Dankeschön an die Schriftsteller. Und hoffentlich eine baldige Fortsetzung . . .

24.01.2010 14:04:26
Maxi

Ich fande den Roman sowoll spannent als auch einfalsreich, das Ende ist den Autoren leider nicht so gut gelungen, aber das Quince die ganze zeit wie ein dummer junge hinundher rennt finde ich ein bißchen übertrieben .Außerdem ist in der Meinung über mir nichts positives über das Büch erwehnt worden .Naja wie dem auch sei meine Meinung zum Buch ist das es eine würdevolle nachfolge des Büches von Bram Stoker ist und das es alles enthält was ein gutes Buch braucht, Spannung ,Fantasi ,eine Liebesromanze ,
der Kampf zwischen gut und böse und ein für mich offendes ende.