Schattenseelen

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2010
  • 5
Schattenseelen
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Carsten Kuhr
55°1001

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2009

Totenküsser, Nachzehrer und Hexen in Hamburg

Evelyn Behrens arbeitet als Krankenschwester in der Notaufnahme eines Hamburger Krankenhauses. Während ihrer aufreibenden Tätigkeit hat sie ja schon viel erlebt. Dramatische Kämpfe der Ärzte und Patienten mit Krankheiten und Verletzungen, immer wieder auch Leid und Tod begleiten ihre Arbeit. Doch als eines Nachts ein Motorradunfall eingeliefert wird, ändert sich ihr Leben.

Der tödlich Verletzte erwacht, nachdem sein Exitus von den Maschinen festgestellt wurde, plötzlich wieder zu neuen Leben. Er richtet sich auf und gibt dem ihn behandelnden Arzt einen Kuss, der diesen binnen kürzester Zeit tötet. Während alle anderen Anwesenden dem Befehl des Unbekannten Folge leistend das Geschehen vergessen, der Arzt an der ihn urplötzlich befallenden Beulenpest verstirbt, fühlt Evelyn ein inneres Band, das sie mit dem Wesen auf dem OP-Tisch verbindet. Ein Band, das nicht nur dafür sorgt, dass sie dem Totenküsser folgt, sondern auch, dass sie ihr Erbe erkennt.

Adrian entführt sie in eine Welt, die sich unsere biedere Krankenschwester kaum vorstellen kann. Eine Welt, in der Nachzehrer, Metamorphen und Hexen einander verfolgen, zu der sie selbst, auch wenn sie dies zunächst vehement leugnet, gehört.

Nachzehrer, so nennen die wenigen Eingeweihten die von Hexen verfluchten Toten, die sich nach ihrem Ableben zunächst von der Lebensenergie ihrer Verwandten, später dann von beliebigen Menschen ernähren. Mit den gemeinen Vampiren der Romane haben diese Wesen wenig gemein. Zwar stört sie UV-Strahlung, sind sie körperlich unsterblich, doch mit Weihwasser oder Knoblauch kann man sie nicht schrecken. So lange sie die Lebensenergie der Menschen in sich aufnehmen, können sie selbst schwerste Verletzungen überstehen. Die einzige Art, sie dauerhaft auszuschalten, besteht im Aushungern der Untoten. Genau dieses haben sich die Metamorphen, Menschen, die mit ihren Seelentieren eine Verbindung eingehen, deren Eigenschaften übernehmen und während der Jagd in deren Körper schlüpfen, auf ihre Fahnen geschrieben. Schon im Krankenhaus macht sich einer der Jäger, Kilian, auf die Spur Evelyns und ihres Entführers. Beide Männer fühlen sich zu der jungen Frau hingezogen, so dass der Kampf der Metamorphen gegen die Nachzehrer nur zu bald eine persönliche Dimension bekommt - wehe wenn zwei Übernatürliche Wesen um die Gunst einer Frau streiten ...

Nur ein weiterer Twilight-Clon, oder mehr?

Die Welle der Urban Fantasy Romane sie reißt nicht ab. Ganz im Gegenzeit, mit Kino-Blockbustern wie Twilight und Co. suchen die Verlage weiter händeringend nach entsprechenden Werken. Standen die ersten Jahre des Booms ganz im Zeichen der anglo-amerikanischen Vorbilder, so ist seit kurzem eine Zunahme entsprechender Werke aus heimischen Landen festzustellen.

OIga A. Krouks Auftaktband zu ihrer Nachzehrer-Trilogie ist solch ein Werk, das sich aufmacht, dem großen Mystery-Kanon eine eigene Note beizufügen. Die in Russland geborene Autorin, die mittlerweile in Hamburg lebt, bewegt sich ein wenig außerhalb der üblichen Bahnen. Nicht etwa den roten Lebenssaft suchen ihre Vampir zu ergattern, sondern sie laben sich gleich direkt an der Lebensenergie der Menschen. Verborgen vor der Masse ihrer Nahrungsspender intrigieren die drei Species gegeneinander. Diesen verborgenen Konflikt stellt die Autorin ins Zentrum ihrer Handlung.

Mit der Krankenschwester Evelyn hat sie eine außenstehende Erzählerin, durch deren Augen wir Einblick in die verborgenen Gesellschaften bekommen. Dass unsere Protagonistin sich dann als Bindeglied nicht nur zu einer der übernatürlichen Wesen erweist, sondern durch ihre Abstammung eine direkte Verbindung zu allen aufweist, dient als Aufhänger für die weiteren Verwicklungen.

Die Autorin häuft in der Folgezeit jede Menge Fragen und Rätsel auf, ohne für ihre Leser aber - zumindest in vorliegendem Band - Antworten bereit zu halten. Die zwangsläufige Romanze zwischen der begehrten Frau und den beiden verfeindeten Männern sorgt für erotische Spannung in der sonst eher actionlastigen Handlung. Die Figuren selbst bleiben noch ein wenig zu flach, bei vielen mangelt es bislang an Hintergrund, um glaubwürdig zu agieren. Vielleicht hat sich die Autorin hier auch ein wenig hinreißen lassen, uns gleich zu Beginn zu viele handlungsrelevante Figuren vorzustellen, ohne wirklich den Platz zu haben, diese auch tiefschichtig zu zeichnen.

Vieles wurde angedeutet in diesem Roman, Spuren gelegt, Ansätze installiert, deren jeweilige Auflösung den weiteren Bänden vorbehalten bleibt. Das Gebotene richtet sich in erster Linie an eine weibliche Leserschaft, ohne dass die Handlung in die seichten Niederungen der Romance Fantasy abgleitet.

Schattenseelen

Olga A. Krouk, Heyne

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