Die Feuerinseln

Erschienen: Januar 2009

Couch-Wertung:

80°
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Nekromantenjagd auf hoher See

Buch-Rezension von Tom Orgel Jan 2010

Mit Band fünf der Serie "Das Geheimnis von Askir" lässt uns Richard Schwartz abermals an den Abenteuern um den alternden Soldaten Havald, die halbelfische Gesandte Leandra und ihre diversen Begleiter teilhaben. Nach dem erzählerischen Abstecher "Die Eule von Askir", der gar nicht so lose mit der Serie verknüpft ist und andere Blickwinkel auf Schwartz' Welt eröffnet, sind wir damit wieder zurück im ursprünglichen Erzählstrang. Der hier buchstäblich Fahrt aufnimmt.

Everything is better with pirates!

Auf ihrem Weg nach Askir, in die Hauptstadt des alten Reiches, verlässt die Gruppe die Wüstenreiche um Bessarein. Das letzte Stück des Weges führt die Gesandten der neuen Reiche über ein von Piraten verseuchtes Meer. Und wie nicht anders zu erwarten, bekommen sie es eher früher als später genau mit solchen zu tun. Beim ersten Gefecht geht Havald über Bord. Zu allem Überfluss verliert er dabei auch noch Seelenreißer, sein berühmtes Schwert, das ihn bisher halbwegs unbesiegbar und noch dazu beinahe unsterblich gemacht hat. Immerhin erreicht er mit Müh und Not Festland. Beziehungsweise festes Land. Denn wie er bald darauf feststellen kann, befindet er sich auf den namengebenden Feuerinseln. Was Havald hier entdeckt, ist, dass es nicht nur Piraten sind, mit denen er es zu tun hat, sondern dass sich an diesem abgelegenen Ort noch eine andere Macht verbirgt, die er nur zu gut kennt. Denn der Nekromantenkaiser hat seine Hände nicht nur nach den neuen Reichen ausgestreckt, sondern bereits tief im Alten Reich Fuß gefasst. Aber auch andere sind bereits darauf aufmerksam geworden. Und so kommt Havald nicht nur erstmals in Kontaktan eine Reihe unerwarteter Verbündeter. Welche er dringend nötig hat, wenn er die gefangene Leandra befreien und die Invasionspläne der Nekromanten durchkreuzen will.

Alte Helden und neue Tricks

Dieser Band von Schwartz' Askir-Serie bringt mit der klimatischen Veränderung (wir haben die Wüstenregionen der voran gegangenen drei Bände endlich verlassen) auch eine Stimmungsänderung mit sich. "Die Feuerinseln" sind düsterer als die vorigen Bände. Und damit, dass Havald auf sich allein gestellt, ohne Ausrüstung und vor allem ohne sein machtvolles Schwert vorgehen muss, wird dieses neue Kapitel zugleich bodenständiger und bedrohlicher. Es ist nicht mehr der kaum zu stoppende Bote des Totengottes, sondern ein sehr sterblicher, alternder Krieger, der ohne magisches Schwert auch seine besten Zeiten als Käpfer schon eine Weile hinter sich hat. Aber gerade das macht die Sache interessant. Jetzt kann Schwartz' Held zeigen, was in ihm steckt. Das ist durchaus gut für die Geschichte. Ein Protagonist, der in realer Gefahr schwebt, auch gegen normale Leute zu unterliegen, ist die bessere Identifikationsfigur.

Zusätzlich interessantes Element sind die vielen kleinen Überschneidungspunkte der Feuerinseln mit dem ausgekoppelten "Die Eule von Askir", die es schaffen, die Welt um einiges größer wirken zu lassen, als die eher persönichen Ausschnitte der bisherigen Protagonisten das bisher geschafft haben. Vor allem aber zeigt sich hier, dass Schwartz nicht dem Problem vieler Fantasyautoren unterliegt, nachdem jedes Problem nur eine einzige Ursache, eine einzige Lösung und nur eine Gruppe hat, die daran arbeitet. Seine Figuren und sogar das bisher allmächtig erscheinende Kaiserreich Askirs werden in einen größeren Kontext als bisher gestellt, wodurch seine Welt realistischer, facettenreicher und damit lebensnaher wirkt.

Mehr Schwartz, weniger Schwarz-Weiß

Mit den "Feuerinseln" ist Schwartz eine dringend benötigte Steigerung gelungen, die dem guten Beispiel von "Die Eule von Askir" folgt. Die Konzentration auf einen wirklichen Protagonisten statt auf die "Heldengruppe" nimmt ein wenig vom Gefühl, die Nacherzählung einer Rollenspielrunde zu begleiten. Und mit der Öffnung des Blickwinkels auf die Welt wird gleichzeitig der Heldenstatus der Figuren ein wenig zurückgenommen. Gleichzeitig wird ein leiser Zweifel daran gestreut, ob der böse Feind tatsächlich in allen Punkten ein so böser Feind ist, oder ob es nicht vielleicht doch noch eine andere Sicht der Dinge geben könnte. Sicher, einzelne, aktuelle Gegnerfiguren sind unbestreitbar und absolut böse - so sehr, dass sie schon wieder zu einem Klischee zu werden drohen. Aber davon abgesehen gelingt es Schwartz, der Schwarz-Weiß-Malerei einige weitere Schattierungen hinzu zu fügen. Das tut der Serie insgesamt gut.

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