Unheil

  • Bastei-Lübbe
  • Erschienen: Januar 2010
Unheil
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Peter Kümmel
40°

Phantastik-Couch Rezension von Peter Kümmel Jan 2010

Ein Kindergeburtstag gegen das Overlook-Hotel

Es sollte ein rundum toller Urlaub werden. Den Tip hat Rachel von ihrer Schwester bekommen: das Reata - eine exklusive Ferienanlage in der Wüste von Arizona. Normalerweise könnten sich die Thurmans einen solchen Urlaub gar nicht leisten, da Rachels Mann Lowell im Supermarkt an der Kasse arbeitet und die 5-köpfige Familie finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Doch die Hochsaison des Hotels ist im Winter und jetzt im Sommer lagen die Preise um 75 Prozent niedriger. Die drei Jungs der Thurmanns - die Zwillinge Curtis und Owen und der etwas jüngere Ryan, alle im Teenager-Alter - sind freuen sich schon.

Zunächst ist die Familie begeistert von ihrem Urlaubsdomizil und dem tollen Service. Kleine Pannen werden sofort behoben. Ein Gast wird versehentlich in den Zimmern der Thurmans einquartiert, diese werden dafür mit luxuriöseren Räumen entlohnt. Die Kinder haben ihren Spaß und finden Freunde. Doch dann häufen sich merkwürdige Begebenheiten. Die Jungs glauben eine Leiche im Pool gesehen zu haben, die sich jedoch als Schatten auf dem Beckengrund entpuppt. Rachel sieht nachts eine seltsame Gestalt vor ihrem Fenster tanzen. Lowell fühlt, wie im Hallenbad eine Hand sein Bein berührt, obwohl außer ihm keiner im Wasser ist. Und im Restaurant findet ein wüstes Gelage statt.

Doch auch andere Gäste werden von mysteriösen Zwischenfällen gestört. So findet ein Ehepaar einen Hundefötus in seiner Toilette vor. Ein anderer Gast wird durch nächtlichen Lärm aus dem Nachbarzimmer vom Schlaf abgehalten. Später stellt sich heraus, dass das Zimmer zur Zeit wegen Renovierungsarbeiten gar nicht belegt ist. Und dann taucht auch noch der Aktivitäten-Koordinator zu früher Stunde bei Lowell auf und will ihn unbedingt zu einem Volleyballspiel zwangsverpflichten.

Und schon bald wird eigen Gästen klar: irgendwas stimmt nicht mit diesem Ort. Irgendwas ist hier ganz und gar nicht in Ordnung...

Horror für Kinder?

Der Buchumschlag ist geschmückt mit Zitaten von Autorenkollegen. Die Aussage "Die perfekte Hommage an Stephen Kings Shining" ist leider namentlich keinem Autoren zugeordnet. Wohl besser so, denn das hat das gute alte Overlook-Hotel nicht verdient, mit einem solch müden Abklatsch wie dem Reata verglichen zu werden.

Trotz aller Bemühungen subtile Spannung aufzubauen, schafft es Bentley Little nicht, im Reata eine unheimliche Atmosphäre aufkommen zu lassen. Um Schrecken zu verbreiten, reicht es nicht, ein paar mysteriöse Ereignisse aufzuführen, die völlig unzusammenhängend und teilweise auch unmotiviert wirken. Keine Schockeffekte, sondern eher unfreiwillige Komik. Wäre "Unheil" als Horror-Roman für Jugendliche angekündigt, so hätte das besser gepasst.

Konnte Little in "Böse" (The Mailman) und "Fieber" (The Policy) noch mit simplen, aber originellen Motiven glänzen und einen Briefträger bzw. Versicherungsvertreter als das personifizierte Böse präsentieren, so wirkt das unheimliche Hotel in der Wüste eher komisch als grauenvoll. Man hat das Gefühl, man hat es hier nicht mit rational handelnden Menschen zu tun, alleine die Kinder agieren so, wie man es von den Erwachsenen erwartet hätte, für ihr Alter jedoch zu rational.

Bis zur Hälfte des Buches passiert im Prinzip gar nichts. Alleine Littles locker flockiger Schreibweise mit simplen Sätzen ist es zu verdanken, dass man sich nicht durch die Seiten quälen muss, sondern relativ flüssig, wenn auch ohne große Spannung, vorankommt. Nur deshalb habe ich vermutlich das Buch nicht abgebrochen.

Glaubt man, nach dem ersten Todesopfer geht es nun richtig zu Sache, sieht man sich getäuscht. Gut, die Spiele werden etwas aggressiver und beim Golfen schlägt man sich die Köpfe ein, doch unterhaltsamer Horror sieht für mich anders aus. So nach und nach scheinen sich ja dann die Geheimnisse des Hotels zu offenbaren, doch kann auch das nicht wirklich überzeugen.

Unheil

Bentley Little, Bastei-Lübbe

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