Black Rain

  • Blanvalet
  • Erschienen: Januar 2009
  • 3
Black Rain
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Eva Bergschneider
64°1001

Phantastik-Couch Rezension vonJan 2010

Maya-Mythos und Science spektakulär gemixt

Graham Browns "Black Rain" wird als Thriller mit wissenschaftlichem Einschlag, also als Science Thriller beschrieben - klar, dass für die Werbung der Vergleich zu Michael Crichton bemüht wird. Es stellt sich allerdings die Frage, ob der Amerikaner der so geschürten Erwartungshaltung auch gerecht werden kann.

Der Weg aus der Energiekrise - ein Abenteuer

Tief im brasilianischen Amazonas soll sie zu finden sein, die perfekte, weil unerschöpfliche und saubere Energiequelle. Der Abenteurer Blackjack Martin hatte einst mit Maya-Hieroglyphen versehene Steine aus dem Dschungel geholt, denen zunächst keinerlei Bedeutung beigemessen wurde. Bis das National Research Institute in Washington in den Gesteinsproben Tritiumgas feststellte, ein radioaktives Abfallprodukt der so genannten kalten Fusion. Ein Forschungsteam machte sich auf den Weg, Blackjacks Spuren zu folgen und kehrte nie zurück. Nun soll die umtriebige und ehrgeizige Wissenschaftlerin Danielle Laidlaw ein weiteres Team anführen, mit Hightech ausgestattet und von bis an die Zähne bewaffneten Söldnern eskortiert. Es gilt zunächst, sich gegen gewaltbereite Konkurrenten und Ureinwohner zur Wehr zu setzen. Doch auch eine wahrhaft monströse Gefahr lauert ihnen im Regenwald auf.

Reichlich Spannung - wenig Tiefgang

Graham Brown beginnt seinen Roman "Black Rain" mit einem fulminanten Prolog. Ein Mann namens Jack Dixon verfolgt im Dschungel die Spuren eines Mannes. Er findet dessen Leiche von Speeren durchlöchert und durch schreckliche Bisswunden entstellt. Man ahnt bereits, dass hier von dem ersten Forscherteam auf der Suche nach dem Energiewunder die Rede ist. Das, mit dem es, laut Klappentext, kein Wiedersehen geben wird. Ein spannender Auftakt also, der dem Leser klar macht, wohin die Reise gehen wird. Und so kann sich der Autor nun den handelnden Personen der Gegenwart widmen.

Danielle Laidlaw, als attraktive und naturwissenschaftlich qualifizierte Außendienstmitarbeiterin des National Research Institutes vorgestellt, formiert in Manaus das Team, mit dem sie in den Urwald aufbrechen wird. Darunter befindet sich der zerstreute Archäologe McCarter und seine vom wohlhabenden Heim gelangweilte Assistentin Susan. Den Konterpart zu den Akademikern übernehmen zwei knallharte Typen, der Hubschrauberpilot Hawker und der südafrikanische Elitekämpfer Verhoven.

Keiner von ihnen weiß, dass es sich um ein Himmelfahrtskommando auf der Suche nach dem Perpetuum Mobile handelt. Angeblich erforscht man uralte Tempel, die Wiege der Maya-Kultur. Der Leser erhält seinen Wissensvorsprung durch Danielles Gespräche mit ihrem Mentor Arnold Moore. Der nimmt nicht an der Mission teil und agiert statt dessen als Mann im Hintergrund. Schnell wird klar, dass es sich bei diesem Team um typische amerikanische Helden handelt. Ihre Gegner integrieren in Washington und greifen ab der Hälfte des Buches die Gruppe im Urwald an. Es sind Deutsche, technisch bestens gerüstet, aber nicht gerade clever. Massive Schwefeldämpfe in einer Höhle halten den deutschen Söldner nicht davon ab, in einen Tümpel zu springen, weil es darin so verführerisch glitzert. Da Nazi-Bösewichter altersmäßig nicht mehr zum zeitgemäßen Geschehen passen würden, bedient sich der Autor nun bei der Staatssicherheit der DDR. Ex-Stasioffizier Richard Kaufman ist, wie erwartet, gierig und gründlich skrupellos. In der Gruppe der Amerikaner grenzen sich die verschiedenen Persönlichkeiten wenigstens voneinander ab, alle anderen Protagonisten wirken eindimensional gestrickt.

Und der Science-Aspekt?

Gesucht wird ein Ort, an dem sich eine unerschöpfliche Energiequelle befindet, der einer so genannten kalten Fusion, der Kernschmelze bei Raumtemperatur. Nun lässt sich zu der kalten Fusion nicht viel sagen, da sie bisher nie schlüssig nachgewiesen wurde. Aber das, worum es hier prinzipiell gehen soll, hätte Brown ruhig etwas erläutern dürfen. Andererseits kreiert der Autor mit Elementen der Maya-Mythologie, wie Tulan Zuyula der Garten Eden der Maya oder Zipacna den Zerstörer, eine glaubwürdige und spannende Mystery-Story. Die archäologischen Analysen der gefundenen Fragmente und die Vorlesungen McCarters entwickeln sich zu einer wichtigen Überlebensstrategie. Die Urwaldmonster werden zwar ausführlich beschrieben, allerdings bleibt ihr Dasein in mehrfacher Hinsicht eine fragwürdige Angelegenheit.

Insgesamt ist "Black Rain" ein spannender Mystery-Thriller mit einem passend in die Geschichte eingebauten mythologischen Hintergrund. Weniger gelungen ist Graham Brown die Zeichnung der Charaktere. Seinen Helden hätte etwas weniger Schema F gut getan, den Bösen haften abgedroschenste Klischees an. Knallige Action wird auf jeder Seite geboten. Der Spannungsbogen bricht nicht ab und das Ende wartet noch mit einer Wendung auf. Allerdings sorgt schon die stereotype Rollenverteilung dafür, dass die meisten Aktionen vorhersehbar sind. Fazit: zur Klasse eines Crichton fehlt noch ein gutes Stück, aber Ansätze in diese Richtung sind zu erkennen.

 

Black Rain

Graham Brown, Blanvalet

Black Rain

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