Das Siegel des Feuers

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  • Erschienen: Januar 2010
Das Siegel des Feuers
Das Siegel des Feuers
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Eva Bergschneider
78°

Phantastik-Couch Rezension vonApr 2010

So kreativ kann moderne Fantasy sein

Die deutsche Autorin Gesa Schwartz überrascht in ihrem Erstlingswerk "Grim - Das Siegel des Feuers" mit einer neuen Idee: Sie erweckt Gargoyles, die steinernen Wasserspeier zum Leben. Und das nicht in einer für die Figuren erschaffenen phantastischen Welt, sondern mitten im modernen Paris.

Verrat oder bedeutende Mission?

Der Gargoyle Grim erwacht, wie alle seiner Art, in der Nacht aus der steinernen Starre zum Leben. Er passt auf, dass Kobolde, Vampire und Dämonen sich in der Welt der Menschen unauffällig verhalten und nicht zu erkennen geben. Grim gehört zur OPG, der "Obersten Gargoyle Polizei" und verrichtet seinen Dienst in Paris. Die Menschen ahnen nichts von der Existenz der Andersweltler, denn sie sind mit einem Zauber belegt.

Zur Zeit beschäftigen die OPG ganz andere Probleme. Ein namenloses Grauen geht durch Paris und tötete bereits siebzehn mächtige magische Geschöpfe auf bestialische Weise. Grim nimmt infolge einer Degradierung nicht an den Ermittlungen teil. Schlecht gelaunt zieht er sich nach getaner Arbeit an einen Ort zurück, den die Gargoyles meiden und ist umso überraschter, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Grims Mentorin Moira, ein alter weiser Gargoyle, bricht das wichtigste Gesetz. Sie gibt sich einem Menschen zu erkennen und vertraut ihm ein Päckchen an.

Die siebzehnjährige Mia flüchtet nach einem verstörenden Erlebnis auf dem Friedhof zu ihrem Bruder. Ihre Erzählung überzeugt Jacob, das auch seine Schwester, wie er selbst zu den "Sehern" der Anderswelt, zu den "Hartiden" gehört. Er führt Mia nach Ghrogonia, in die Stadt der magischen Wesen. Doch Jacob wird dort von Hybriden, halb Gargoyle - halb Mensch, verfolgt, die ihm Moiras Päckchen abjagen wollen. In höchster Not übergibt er das geheime Pergament seiner Schwester und stürzt sie in ein gefährliches Abenteuer.

Ein eindrucksvolles Debüt mit tollen Figuren

Gesa Schwartz erzählt eine spektakuläre Geschichte, in der es um nicht weniger als die Errettung der Welt vor der Tyrannei geht. Über weite Strecken schildern Grim und Mia die Ereignisse abwechselnd aus ihrer Sicht. So unterschiedlich diese beiden Hauptakteure auch sind, ihnen gemein ist eine tiefe Emotionalität. Der Name "Grim" scheint Programm zu sein. Der Gargoyle ist oft wütend, hadert mit seinem Job, den Artgenossen, anderen Andersweltlern und vor allem mit sich selbst. Manchmal wirken Grims Schimpftiraden und Flüche etwas übertrieben. Sie passen zwar zu seinem schwierigen Charakter, allerdings nicht immer zur Situation. Die Autorin hält Grims Vergangenheit lange im Ungewissen, Fingerzeige lassen jedoch ahnen, dass seine Rolle in dem Abenteuer in seiner Herkunft begründet liegt.

Offener präsentiert Gesa Schwartz Mias tiefe Traurigkeit, die der Freitod ihres Vaters hervorgerufen hat. Behutsam, statt emotionsüberladen, bringt die Autorin dem Leser Mias komplexe Persönlichkeit nahe, es fällt nicht schwer, sich in ihre Gefühlswelt hinein zu versetzen.

Daneben betreten eine Fülle unterschiedlichster Figuren die Handlungsbühne. Komische, gefährliche und sinistre Gestalten kreuzen Grims und Mias Weg, bekämpfen sie, helfen oder klären die Situation. Vielleicht einen Tick zu lächerlich wirkt am Anfang die Obrigkeit der Anderswelt, der selbstverliebte Polizeichef Mourier und auch der engstirnige König Thoron. Für positive Überraschungen sorgen eigenwillige, gänzlich anderes gezeichnete Charaktere, als man sie aus gängigen Fantasywerken kennt. Figuren wie Karphyr, der Drache, der Kartenmann oder auch der Gnom Vraternius machen einfach Freude.

Rasante Story auf 680 Seiten

Die Autorin schickt ihre Hauptprotagonisten mal getrennt und mal gemeinsam auf eine Quest voller Gefahren. Auf der Suche nach dem Geheimnis um das Pergament und im Kampf gegen die Hybriden stürzen unsere Helden von einem Abenteuer in das nächste. Allein die Vielfältigkeit der Schauplätze, die Fülle an Mit- und Gegenspielern, sowie eine klug erdachte Geschichte, die an Horror und Action nichts zu wünschen übrig lässt, sorgen für anhaltenden Nervenkitzel und atmosphärische Dichte. Nicht perfekt gut gelungen sind die Übergänge zwischen den Kapiteln. Manchmal erfolgt der Wechsel unnötig abrupt, dadurch verzerrt sich Gesamtbild und man verliert den roten Faden. Auch bringt nicht jede der aufgeführten Figuren und Aktionen die Handlung weiter. Begegnungen mit so illustren Gestalten wie dem Vampir Lyskian lesen sich zwar interessant, sind aber entbehrlich und wirken ein wenig wie Füllmaterial. Etwas Straffung hätte die Storyline klarer zur Geltung gebracht.

Insgesamt jedoch überzeugt der Roman durch eine stimmige Story mit spektakulärem Finale und vor allem mit vielen innovativen Ideen, mal morbid, mal heiter. Nicht allein mit der Einführung der Gargoyles als Fantasy-Protagonisten hat Gesa Schwartz die Sympathien der Leser erobert. Sie stellt viele liebevoll gezeichnete Figuren vor, die einen persönlichen Wiedererkennungswert haben. Ihre Fantasywelt teilt sich nicht in "good" und "evil", vielmehr betrachtet man die Geschehnisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Dadurch hebt sich "Grim- Das Siegel des Feuers" deutlich von gängigen Konzepten der Urban-Fantasy ab und präsentiert eine frische, moderne Variante des Genres.

Viele Leser wird freuen, dass "Grim" in Serie geht, der schlagfertige Gargoyle wird noch weitere Abenteuer zu meistern haben.

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