Des Teufels Maskerade

Erschienen: Januar 2009

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Elmar Huber
Böhmens Vergangenheit in sprachlicher Vollendung

Buch-Rezension von Elmar Huber Mai 2010

"Talleyrand soll gesagt haben, der ideale Weg eine Wahrheit zu verbergen, wäre, sie offen auszusprechen. In Anbetracht dieser Weisheit stellt sich mir nun die Frage, ob die Aufzeichnungen unseres Freundes nicht tatsächlich am besten zwischen zwei Buchdeckeln aufgehoben wären - als phantastischer Roman."
(Brief von Graf Felix Trubic an Leutnant Mirko Zdar)

Prag 1909, der neuste Auftrag Baron Dejan Sircos und seiner Begleiter Mirko Zdar - ein ehemaliger Gassenjunge und Taschendieb, den Sirco unter seine Fittiche genommen hat - und Sir Lysander Sutcliffe, der seit einem Zwischenfall, bei dem Magie im Spiel war, mit dem Körper eines Otters leben muss - führt Sirco ausgerechnet mit Graf Felix Trubic zusammen, mit dem er eine gemeinsame Vergangenheit teilt ("Die Begegnung endete nicht unbedingt glücklich."). Ein Drohbrief kündigt Graf Trubics baldiges Sterben an. Am gleichen Tag, an dem auch sein Vater und sein Großvater starben. Um Trubics Leben zu retten, soll eine uralte Schuld beglichen werden. Ein Fluch muss gebrochen werden, der weit in Böhmens Vergangenheit beginnt, ausgelöst von politischen Umstürzlern und der Rache der Obrigkeit an Unschuldigen.

"Offiziere, die mit Otter und Neffen mit tragischer Vergangenheit reisten, schienen gesellschaftlich hoch im Kurs zu stehen."

Mit der Zeichnung der Hauptfiguren beweist Victoria Schlederer ein glückliches Händchen. Jeder der drei blickt zurück auf eine geheimnisvolle Vergangenheit, die dem Helden etwas zwielichtiges verleiht, ohne jedoch Zweifel an ihrer Integrität aufkommen zu lassen. In Kombination mit dem - um kein ironisches Bonmot verlegenen - Stil der Autorin kündigt sich auf den ersten Seiten ein elegantes Schelmenstück an, das charmant und mit leichter Hand inszeniert ist.

Dass unser Held Dejan Sirco doch nicht nur ein weltgewandter, aber oberflächlicher Zyniker vor dem Herrn ist, zeigt sich, als Felix Trubics Name ins Spiel kommt. Rückblenden decken auf, dass beide sich im Dienst für das Vaterland kennengelernt haben, aber bald mehr als kameradschaftliche Gefühle füreinander hegten. Ein sehr mutiger Schritt der Autorin und die Erklärung für den Zynismus, den Dejan Sirco pflegt. Doch auch hinter der Fassade des Zynikers steckt ein Mensch und bald ist die verloren geglaubte Anziehung zwischen beiden wieder präsent, wenn auch in andere Bahnen gelenkt.

"In weiterer Folge werden wir nun etliche Taten begehen, die irgendwo zwischen Absurdität und schlechtem Geschmack zu verorten sind und die uns zumeist an den Rand des Abgrundes und weit seltener zum Erfolg führen werden."

Dejan Sircos schicksalhafte Vergangenheit mit Felix Trubic gibt der Autorin Gelegenheit auszuholen und die tragische Vergangenheit ihres Helden auszuloten. Doch neben diesem sehr gelungenen Ausflug in die Vergangenheit baut die Autorin immer wieder kleine Umwege und Sackgassen in ihren Roman ein, die auf die Dauer eher für Verdruss, als für einen straffen Fortgang der Handlung sorgen. Einige Irrungen und Wirrungen sind schlicht überflüssig und es hätte keinen 500-Seiter gebraucht, um die Kerngeschichte spannend zu erzählen. Auch die Gepflogenheit, wirklich jede Kleinigkeit durch ironische und liebenswert-zynische Spitzfindigkeiten seitens der Figuren zu kommentieren, wirkt nur anfänglich charmant. Auf die Dauer ermüdet diese Übersättigung und man neigt dazu, die Sätze nur noch zu überfliegen.

"Die Kunst der Erzählung liegt schließlich in der farbenfrohen, rhetorischen Umsetzung der zu schildernden Ereignisse."

Davon abgesehen muss Victoria Schlederer unbedingt großes Sprachtalent bescheinigt werden. "Des Teufels Maskerade" ist in einem herrlich künstlich-altmodischen Ton abgefasst, der die Figuren geradezu umschmeichelt. Hier wird Schreibkunst auf hohem Niveau geboten und als Leser sollte man schon eine gewisse Sattelfestigkeit in der deutschen Sprache aufweisen, um nicht ins Schlingern zu geraten. Für Kinder ist der Stil der Autorin definitiv nicht geeignet. Zu künstlich sind die Satzgebilde der Autorin. Aus diesem Grund würde ich "Des Teufels Maskerade" jüngeren Lesern nicht empfehlen.

"Ja, tatsächlich ein Hauch des Surrealen schien der Angelegenheit anzuhaften."

"Des Teufels Maskerade" wird als Fantasy-Roman vermarktet, obwohl die fantastischen Kreaturen nur Beiwerk sind und der Roman auch ohne diesen Schmuck ausgekommen wäre. Lediglich der Vampir Alvin Buckingham hat eine überzeugende Daseinsberechtigung innerhalb des Romans, muss er doch den Fluch der Trubics über die Jahrhunderte begleiten. Auf den zum Otter verhexten Sir Lysander Sutcliffe hätte ich ungern verzichtet, bildet er doch den weit überlegteren Gegenpol zum hitzköpfigen Hauptdarsteller Dejan Sirco. Dass dieser jedoch in Form eines Otters auftritt, ist ebenfalls bloße Makulatur, zumal sein Schicksal nur ungenügend gestreift wird.

"... es ist alles kollosal spannend und niemand kennt sich so richtig aus."

Formal ist "Des Teufels Maskerade" äußerst interessant umgesetzt. Der Roman ist eigentlich ein Flickwerk aus Briefen und Tagebucheinträgen, die so kombiniert sind, dass Sie nicht nur auf der Handlungsebe ein Bild ergeben, sondern auch die Beziehungen einzelner Personen zueinander verdeutlichen. Angesichts dessen und der sprachlichen Vollendung ist es um so überraschender, dass "Des Teufels Maskerade" ein Debütroman sein soll. Nicht umsonst hat Victoria Schlederer damit den Heyne-Wettbewerb "Schreiben Sie einen magischen Bestseller" gewonnen. Auch wenn ich mir den Roman 200 Seiten kürzer und geradliniger gewünscht hätte. Victoria Schlederer verliert zwar nie den Faden, lässt diesen aber oftmals baumeln, um sich in unnötigen und selbstzweckhaften Ausschmückungen zu ergehen.

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