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Andreas Kurth
Ein modernes Märchen - hochspannend erzählt

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2010

Eine unbekannte Macht, von den Menschen als Sturm wahrgenommen, hat die Welt über Nacht vollkommen verwandelt - in einen Ort voller Gefahren und Abenteuer, in der Kinder und Jugendliche täglich ihren Mut beweisen müssen. Auf der Flucht vor einem unheimlichen Schattenwesen, dem so genannten Torvaderon, verschlägt es die drei besten Freunde Matt, Ambre und Tobias von der Carmichael-Insel, wo sie vorübergehend Zuflucht gefunden hatten, noch weiter in den gefährlichen Süden, der von den Zyniks und ihrer fanatischen Königin Malronce beherrscht wird. Als sie in einer Stadt neue Vorräte suchen, treffen sie auf eine weitere Pan-Gemeinschaft. Diese Kinder raten den drei Freunden davon ab, den Blinden Wald, wo riesige Pflanzenwesen auf sie lauern, durchqueren zu wollen.

Aber Matt, Tobias und Ambre lassen sich nicht beirren, und geraten im Blinden Wald in große Gefahr. Kurz vor der Gefangennahme durch den Torvaderon und seine Stelzenläufer werden sie von den Kriegern einer weiteren Kinder-Gesellschaft gerettet. Die sich selbst als "Gaia-Volk" bezeichnenden Jugendlichen wohnen über den Baumkronen des Blinden Waldes. An Bord eines Schiffes werden die drei Flüchtlinge in die Heimstatt der Chloropanphyliker - wie sie das geheimnisvolle Gaia-Volk nennen - gebracht. Nach etlichen Missverständnissen müssen die drei an Bord eines Bootes fliehen und gelangen so doch noch in das Reich der schrecklichen Königin Malronce. Dort kommen sie hinter das Geheimnis der Hautjagd, müssen aber weitere gefährliche Abenteuer bestehen, die nicht für alle Mitglieder der Gemeinschaft der Drei folgenlos bleiben. Es gibt ein überaus dramatisches Finale, und einen Hinweis auf den Fortgang der turbulenten Geschichte im dritten Alterra-Band.

Tiefschürfende Diskussionen

Maxime Chattam ist ein begnadeter Geschichten-Erzähler, das beweist er auch in diesem zweiten Band seiner Trilogie um den Fortbestand der Menschheit unter völlig veränderten äußeren Bedingungen. Wer die Helden dieser neuen Welt - Ambre, Matt und Tobias - im ersten Band noch nicht in sein Herz geschlossen hat, kommt jetzt kaum darum herum. Es macht einfach Spaß, die menschliche Weiterentwicklung dieses verschworenen Trios zu verfolgen. Da werden tiefschürfende Diskussionen geführt, da werden gemeinsame Ängste eingestanden und durchlebt. Und es wird souverän mit den unterschiedlichen Sichtweisen des Lebens in den verschiedenen Gesellschaftsformen umgegangen, die die drei während ihrer abenteuerlichen Reise kennen lernen.

Es erfolgt aber auch eine Art von Binnendifferenzierung in der Gemeinschaft der Drei. Tobias fällt immer stärker in die Rolle des Mitläufers, aber auch des wichtigen Seelentrösters, zurück. Matt entwickelt sich zum durchsetzungsstarken Anführer, der zwar mit seinen Entscheidungen nicht immer richtig liegt, aber dennoch für das Fortkommen der Gemeinschaft sorgt. Ambre versucht zunehmend ihre Eigenständigkeit zu behaupten und betont vor allem ihre weibliche Sonderrolle. Die Art und Weise, wie diese drei miteinander umgehen und alle Krisen meistern, ist schon beeindruckend. Und der Autor baut diese Entwicklung derart geschickt in seine spannende Geschichte ein, dass der Leser oft gar nicht bewusst merkt, wenn wieder neue Entwicklungsstufen genommen werden.

Kein moralischer Zeigefinger

Als wohltuend habe ich es bei der Lektüre empfunden, dass Maxime Chattam zwar immer wieder den Anlass für die Katastrophe thematisiert, also das Aufbegehren der Erde und der Natur gegen den Raubbau der Menschen, aber dabei weitgehend den moralischen Zeigefinger vermeidet. Vielmehr sind die Anspielungen so unterschwellig, oder das Thema wird einfach von den Kindern völlig natürlich im Gespräch aufgegriffen, dass es nicht unangenehm moralisierend wirkt. Dennoch ist die Botschaft klar - verpackt in eine hochspannende Geschichte. Ein modernes Märchen, überaus fesselnd erzählt. Man freut sich schon auf den dritten Band, um zu erfahren, wie es im Konflikt zwischen Kindern und Erwachsenen - Pans und Zyniks -weitergeht. Diese Art von Erzählkino schreit übrigens geradezu nach einer Verfilmung, und dürfte auch nicht lange auf sich warten lassen - ich bin schon gespannt darauf.

Alterra. Im Reich der Königin

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Letzte Kommentare:
01.08.2011 22:05:57
Ticva

Nach dem Sturm aus Band eins, "Die Gemeinschaft der Drei" der ALTERRA-Trilogie, und der Entdeckung von neuen Gebieten und Pans, wie die Kinder und Jugendlichen sich jetzt nennen, geht es nun weiter.
Matt, Tobias und Ambre wollen sich das Reich, das sich die Erwachsenen erschaffen haben, genauer ansehen. Sie wollen herausfinden, was es mit dieser "Königin" der Großen auf sich hat und noch dringender wollen sie erfahren, was es mit einem Steckbrief auf sich hat, auf dem Matts Gesicht abgelichtet ist.
Auf ihrem Weg erleben die drei erneut ein wahrhaft ergreifendes Abenteuer.
Sie erforschen neue, fremdartige Bereiche, lernen andere Lebewesen kennen und kommen dabei ihrem Ziel immer näher.
Auf ihrem Weg treffen sie alte Bekannte, finden neue Mitstreiter, stoßen auf schon gekannte Übeltäter und selbst ein Mensch aus ihrem alten Leben begegnet ihnen wieder.

Für mich war dieser Roman ein einzigartiges Erlebnis!
Kaum hatte ich ein paar Sätze gelesen, schon folgte ich der "Gemeinschaft der Drei" wie ein Schatten in ihr neues Abenteuer. Da der Autor einen detaillierten und anschaulichen Schreibstil hat, forderte dieser das Gefühl der Dazugehörigkeit und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. Der Autor schaffte es gekonnt, alles sehr lebendig und realitätsnah zu schildern.
Am Interessantesten fand ich dabei die Zeit, die Matt und seine Freunde bei außergewöhnlichen Pans verbrachten. Wie diese lebten und was für einen Lebensinhalt und -sinn sie hinter der Wandlung der Natur sehen, war äußerst beeindruckend.

Während Matt und Tobias die ganze Geschichte meist glimpflich durchlebten, machte mich Ambres Rolle hingegen zunehmend nachdenklicher.
Ihr Verhalten sorgte mich im Laufe des Buches immer mehr. Ihr Part war zum Ende hin sehr erwachsen und ich litt mit ihr in einzelnen Situationen. Darum hoffe ich, dass es mit ihr im letzten Teil wieder aufwärts geht. Denn gerade sie wuchs mir in diesem zweiten Band sehr ans Herz!

Zum Schluss wurde es noch ziemlich heftig. Die Drei begaben sich in große Gefahr und verloren sich dabei fast selbst. Und am Ende existierte die Gemeinschaft der Drei plötzlich nicht mehr. Wie es dazu kam und was sich alles veränderte, lest ihr am besten selbst.
Nur soviel sei verraten: Das Ende birgt Hoffnung, aber auch Angst und eine Traurigkeit in sich, die im letzten Teil hoffentlich überwunden wird.

Ich musste zwischendurch Pausen einlegen, um die Ereignisse zu verarbeiten und das geschriebene Wort entsprechend zu würdigen.
Der Roman war ein fantastisches Erlebnis, führte mich in eine andere Welt und ließ mich durch einen flüssigen Schreibstil alles hautnah miterleben.
Am Ende gibt es, wie im Vorgängerband, eine Karte, auf der man den Weg von Matt und seinen Freunden verfolgen kann.

Fazit:
Ich bin sehr gespannt, wie Maxime Chattam diesen tollen Roman mit dem Nachfolger noch toppen möchte und vergebe seinem aktuellen Werk fünf von fünf Sternen und mache es zu meinem zweiten Highlight im Juli.
Auf dass die Kinder im nächsten Band die Oberhand gewinnen.

ALTERRA-Trilogie:
1. Die Gemeinschaft der Drei
2. Im Reich der Königin
3. Der Krieg der Kinder

© Tikvas Schmökertruhe 30.7.2011