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Andreas Kurth
Eine phantastisch-historische Romanreihe

Buch-Rezension von Andreas Kurth Jun 2010

Die Himmelsscheibe ist ein kunstvoll gefertigtes Instrument ungeklärter Herkunft, mit dessen Hilfe alle astronomischen Gegebenheiten vorhersehbar sind. Doch die Kräfte dieser Himmelsscheibe ziehen stets Neider und Machtmenschen an. Allerdings ist das derzeit die geringste Sorge der Heilerin Arri, die das bronzezeitliche Land und das Volk der Raker gegen den Einfluss dunkler Mächte und eine Naturkatastrophe schützen könnte. Dazu muss sie die gestohlene Himmelsscheibe wiederbekommen. Zunächst aber muss sie ihre Unschuld beweisen, denn sie wird eines unvorstellbaren Giftmords verdächtigt. Zu allem Überfluss setzt ein skrupelloser Hohepriester jetzt seinerseits alles daran, die Himmelsscheibe in die Finger zu bekommen. Arri muss mit aller Kraft um ihr eigenes Überleben und die Zukunft der Raker kämpfen.

Die "Himmelsscheiben"-Romane von Wolfgang Hohlbein einem Genre innerhalb der phantastischen Literatur zuzuordnen, ist kein leichtes Unterfangen. Schließlich spielt die Handlung in keiner vom Autor entworfenen Fantasie-Welt, sondern im Mitteleuropa der Bronzezeit. Dennoch handelt es sich um phantastische Literatur, denn es gibt in der Handlung verschiedene Geistwesen, mit denen Heiler und Schamanen kommunizieren. Und es gibt reichlich paranormale Phänomene. Aber sind es deswegen Fantasy-Romane? Ehrlich gesagt mag ich darauf nicht uneingeschränkt mit Ja antworten. Ich würde die "Himmelsscheiben"-Reihe als phantastisch-historische Romane charakterisieren, die jedoch außerhalb der vier Kategorien stehen, wie sie auf der Phantastik-Couch üblicherweise verwendet werden.

Ein buntes Gemisch aus mysteriösen Vorgängen, düsteren Vorhersagen und wilden Kämpfen

Mit der "Himmelsscheibe von Nebra" hat sich Wolfgang Hohlbein eines prähistorischen Artefakts angenommen, das bereits auch von anderen Autoren phantastischer Literatur zum Gegenstand eines Romans gemacht wurde. Anders als im Mystery-Thriller von Thomas Thiemeyer ("Nebra") geht es hier nicht um Ereignisse in der Gegenwart, sondern um die Zeit, in der die "Himmelsscheibe" vermutlich entstanden ist. Der Autor hetzt seine Leser dabei - wie bei ihm üblich - durch verschiedene Handlungsstränge und -schauplätze. Zuweilen ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten, oder auch nur die Zusammenhänge zu erkennen und zu verfolgen. Nach meiner Auffassung ist "Die Kriegerin der Himmelsscheibe" weitaus besser zu verstehen, wenn man den ersten Band "Die Tochter der Himmelsscheibe" zuvor gelesen hat. Die eher spärlichen Hinweise auf die Ereignisse im ersten Buch sind jedenfalls für Neueinsteiger nicht ausreichend.

Der Autor bietet seinen Lesernmit unbekannten Angreifern - und immerhin eine willensstarke, kämpferische Heldin. Arri lässt sich von Anfeindungen und Bedrohungen nicht beeindrucken, sondern geht konsequent ihren Weg, um ihr Kind und die "Himmelsscheibe" zu retten. An Bösewichtern mangelt es auch nicht, wobei lange Zeit nicht zu erkennen ist, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört.

Wenn man als Leser die anfängliche Verwirrung überstanden hat, wird man auf jeden Fall gut und solide unterhalten. Ein brauchbarer Übersichtsplan könnte dem Leser allerdings die Orientierung bei der bewegungsintensiven Handlung erleichtern, das Fehlen einer Karte ist ein erhebliches Manko des Buches. Und es braucht schon eine gewisse Affinität zu vorgeschichtlichen Themen, denn um einen konventionellen Fantasy-Roman handelt es sich - wie bereits erwähnt - auf keinen Fall. Sollte Wolfgang Hohlbein die Reihe um die "Himmelsscheibe" fortsetzen, ist auf jeden Fall zu empfehlen, die Bände in der chronologischen Reihenfolge zu lesen. Dadurch dürfte das Lesevergnügen deutlich gesteigert werden.

Die Kriegerin der Himmelsscheibe

Die Kriegerin der Himmelsscheibe

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