Der Drachenthron

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2009
Der Drachenthron
Der Drachenthron
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Amandara M. Schulzke
40°

Phantastik-Couch Rezension von Amandara M. Schulzke Jul 2010

Keine Helden

Der Roman führt den Leser in die streng gegliederte Welt der verschiedenen Königreiche, die ihre Macht durch ihre gezähmten Drachen untermauern. Auf dem Weg zur Hochzeit verschwindet das Geschenk an den Bräutigam, die äußerst wertvolle Drachin Schneeflocke. Königin Shezira, die für die nächsten zehn Jahre zum Sprecher aller Königreiche gemacht werden soll, schickt ihre Truppen los, den Drachen wieder ins heimische Nest zu bringen. Bräutigam Jehal ist skrupellos und machtgierig, hin- und her gerissen zwischen seiner frisch Angetrauten und seiner Geliebten Königin Zafir, deren Mutter er auf ihr Geheiß umbrachte, um ihr den Thron zu sichern. Doch sie will noch mehr. Sein Vater und der amtierende Sprecher sind schwer krank. Wurden sie vergiftet?

"Der Drachenthron" erinnert im Titel völlig ungerechtfertigt an Tad Williams Meisterwerk "Der Drachenbeinthron" und kann damit aufkommende Erwartungen nicht im Geringsten befriedigen. In dem Buch gibt es keine Helden, wenn, dann nur Negativhelden. Eine Figur ist verschlagener, gerissener, habgieriger und intriganter als die andere. Niemand will die Welt retten, nur sein eigenes Scherflein ins Trockene bringen. Selbst bei den Personen, bei denen es ansatzweise so ausschaut, als handelten sie für das Gemeinwohl, rangiert Egoismus an erster Stelle. Vielleicht ist Reiter Jostan der einzige mit ein wenig Mumm, aber auch nur, weil er in Prinzessin Jaslyn verliebt ist, die er rettet. Die einzige Figur, die zu einem Helden hätte aufgebaut werden können, wäre der Knappe des weißen Drachen gewesen, aber er gab sich nur devot und wurde folgerichtig gefressen.

Spannend, aber oberflächlich

Bei der Vielzahl der Figuren steht keine wirklich im Vordergrund. Da es auch kein gemeinsames Ziel gibt, weiß der Leser nicht wirklich, auf wen er sich denn nun konzentrieren soll. Ständige Perspektivwechsel behindern den Lesefluss. Die Beschreibungen der einzelnen Charaktere bleiben fad und lassen keine Bilder im Kopf aufkommen. Das Gleiche gilt für die Drachen, die im Prinzip zu Reittieren verkommen sind, die gewaltig Feuer spucken können. Als Schneeflocke endlich erwacht und wild wird, dominieren Rache und Gewalt ihr Dasein. Da denke ich mit Bedauern an so wunderbare Drachenwesen wie von Ann McCaffrey, Temeraire von Nami Novik, Eragon natürlich oder an machtgierige Drachen wie die von Markus Heitz.

Trotzdem ist die Handlung immer wieder spannend, für den, der sich für die Auflösung der höfischen Intrigen interessiert. Ein Buch für Leser, die bestätigt haben wollen, dass die Welt schlecht ist und sich kein Aufwand lohnt, sie zu verbessern.

Der Drachenthron

Stephen Deas, Heyne

Der Drachenthron

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