Die fiese Meerjungfrau

  • Bastei-Lübbe
  • Erschienen: Januar 2011
  • 0
Die fiese Meerjungfrau
Die fiese Meerjungfrau
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Carsten Kuhr
70°1001

Phantastik-Couch Rezension vonJul 2010

Die Gebrüder Grimm würden sich die Augen reiben - Frauenpower a la Schneewitchen, Dornröschen und Aschenputtel

Wir alle kennen das Märchen um die Meerjungfrau, die, um ihrem Geliebten Menschen nahe zu sein, ihr Erbe aufgab, nur um dann schmählich verlassen zu werden. Jim C. Hines hat sich im zweiten von bislang drei Bänden rund um die etwas unglücklich betitelten "Todesengel" Daniella, Talia und Schnee alias Aschenputtel, Schneewitchen und Dornröschen, als die sie uns aus den Grimm´schen Sammlungen bekannt sind, der Sage angenommen und wieder ein recht vergnüglich zu lesendes Abenteuer vorgelegt.

Wollen wir der Sage vertrauen, so gab die Meerjungfrau ihre Stimme und ihr Glück hin, nur um verlassen und enttäuscht letztlich ihr Leben für das Glück des Prinzen zu opfern. Nur, wie das so ist mit Geschichten, sie stimmen nicht!

Lirea, so der Name unserer Meerjungfrau, nutzte ein mit schwarzer Magie behaftetes Messer, um sich zu rächen und den Prinzen zu meucheln. Seitdem ist dessen Seele in der Klinge gefangen und ewiger Folter ausgesetzt. Damit nicht genug, will sie, angeleitet von einer Magierin, die Stämme der Meerjungfrauen unter ihrer Herrschaft vereinen und zu neuem Glanz und Gloria führen.

Sie beginnt ihren Plan mit einem Königsmord in die Tat umzusetzen. Ihr eigner Vater wird von ihr gemeuchelt, ihre jüngere Schwester flieht ins Menschenreich. Keine gute Idee, wie die Schutz gewährende Königin Beatrice am eigenen Leib erfahren muss, als ihr der verwunschene Dolch Lireas in die Brust fährt. Tödlich verwundet kann Schnee sie zwar zunächst stabilisieren, doch ohne ihre Seele, die in die verfluchte Klinge gesogen wurde, wird sie binnen Tagen sterben.

So machen sich unsere drei schlagkräftigen Prinzessinnen auf den Weg einer Undinen-Usurpatorin zu zeigen, was eine Harke ist, und allen zu beweisen, dass man sich mit derartiger Frauenpower besser nicht anlegt ...

Munteres Abenteuergarn mit ungewöhnlichen Protagonisten, amüsant, temporeich und vergnüglich

Jim C. Hines, der bei uns durch seine vergnüglichen Goblin Bände für Furore gesorgt hat, haucht dem im Dornröschenschlaf befindlichen Märchenreich neues Leben ein. Dabei baut er seine vordergründig rein lustig und temporeich aufgezogene Handlung auf zwei großen Säulen auf.

Zum einen präsentiert er seinen Lesern die altbekannten Gestalten in einem frischen Gewand. An diesen Figuren haftet kein Staub mehr, das sind tatkräftige Frauen voller Power und Selbstbewusstsein, die zwar jede für sich ihre Probleme mit sich herumträgt, die aber allesamt voller Elan, wenn auch so manches Mal zu überschäumend vor Engagement zu Werke gehen.

Verborgen unter der mit jeder Menge Situationskomik angereicherten, auf der ersten Blick recht oberflächlichen Abenteuerhandlung spricht er dabei - und dies ist die zweite zwar unauffällige, aber um so wichtigere Säule - Themen wie Emanzipation und Selbstbestimmung an. Seine Heldinnen sind eben keine stromlinienförmigen Beauties mit nichts im Hirn, sondern Individuen, die sich um ihre Freunde sorgen, die gegen ihr falsches Image ankämpfen und nur zu oft fast an der Erwartungshaltung ihrer Umwelt verzweifeln. Da wird der Leser dann auch mit einer unerfüllten, ja uneingestandenen lesbischen Neigung konfrontiert, das ist gerade und insbesondere für einen Fantasy-Roman ungewöhnlich starker Tobak.

Im Vordergrund aber steht einmal mehr das rasante Abenteuer, die vielen Anspielungen und lustige Szenen, so dass die Zeit der Lektüre wie im Flug vergeht.

Die fiese Meerjungfrau

Jim C. Hines, Bastei-Lübbe

Die fiese Meerjungfrau

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