Die Rose von Ilian

Erschienen: Januar 2011

Couch-Wertung:

85°
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Carsten Kuhr
Fantasy made in Germany - ein Qualitätsiegel

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Aug 2010

Nach Jahrhunderten flattert wieder die kaiserliche Fahne über Askir. Und dies heißt nichts anderes, als dass das Reich wieder einen Kaiser hat. Zwar ist der einstige Herrscher, von dem weiterhin anzunehmen ist, dass er nach wie vor unter der Sonne wandelt, nicht vorgetreten, um seinen alten Platz einzunehmen, statt dessen aber sitzt seine Enkelin, eine Eule, wie man die wissensdurstigen Gelehrten im Reich Askir nennt, nun auf dem Thron.

Während Havald, der im letzten Band des Askir-Zyklus ermordet wurde, im Tempel des Soltars in unruhigem Schlaf liegt, machen sich seine einstigen Freunde auf, sein Erbe fortzuführen und ihm sein entwendetes Schwert wiederzubeschaffen.

Selbiges wurde vom Auftraggeber der Meuchelmörder, Corvulus, in Richtung der belagerten Stadt Ilian entführt. So macht sich die fünfte Lanze der legendären zweiten Legion auf ins Feindesland, um das Bannschwert seinem Usurpator zu entreißen. Begleitet von der rechtsmäßigen Königin Maestra Leandra di Girancourt und ihrem Greif sowie der Dunkelelfin Zokora wollen sie mitten im vom Feind belagertem Reich den Fluss der Magie umleiten, um so ein magisches Tor in die eingeschlossene Stadt öffnen zu können.

Allerdings haben sich das Schicksal und die Götter gegen sie verschworen. Leandra, so der Wille der Götter, soll bei der Expedition ihr Leben verlieren - ein Plan, den weder der Namenlose Gott noch seine Helfer akzeptieren wollen. So machen sich der Meisterdieb Wiesel und seine Schwester, die Priesterin des Namenlosen auf, über das Traumland die von Truppen Thalaks gefangen gehaltene Königin Ilians zu retten. Gleichzeitig sieht sich die fünfte Lanze der Übermacht einer ganzen Legion gegenüber - doch die Zweite hat einen Ruf zu verteidigen - noch nie wurde eine ihrer Abteilungen im Feld besiegt ...

Unter neuem Signet bleibt sich der Autor treu - Abenteuer-Fantasy der besseren Art

Askir war gestern, jetzt kommt der Götterkrieg-Zyklus. Wer allerdings eine grosse Zäsur befürchtete, der kann sich beruhigt zurücklehnen. Zwar nimmt Havald selbst eine wohlverdiente Auszeit, die Handlung schreitet aber nahtlos voran. Ins Zentrum rücken dabei vorliegend einige Figuren, die zwar bislang schon eine Rolle zugewiesen bekommen hatten, jetzt aber als Hauptdarsteller agieren dürfen. Neben dem mir besonders ans Herz gewachsenen "ehrbaren" Meisterdieb Wiesel, der durch seine vorlauten aber liebenswerte Art immer für eine Überraschung gut ist, sind dies in erster Linie zwei starke Frauenpersönlichkeiten. Leandra, die neue Königin Ilians, sowie die Dunkelelfe Zokora sind, so unterschiedlich Richard Schwartz sie als Personen angelegt hat, prädestiniert, die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln. Gerade, weil sie nicht eindeutig einzuschätzen sind, insbesondere Zokora aufgrund ihrer Herkunft und Erziehung immer auch ein wenig anders agiert und reagiert als die Reichsbürger, sind sie faszinierende Figuren.

Dazu gesellen sich im Verlauf der Handlung dann ein sterbender Priester, ein tatkräftiger Anführer, ein grauer Mann und nicht zuletzt vergessene Götter, die in die Geschicke der Welt nach eigenem Gutdünken eingreifen. Derartige Einflussnahme ist dem kundigen Fantasy-Freund insbesondere aus den Werken der Eheleute Eddings bekannt, wobei Schwartz hier einen anderen Weg einschlägt. Seine Götter nehmen zwar auch Einfluss, tun dies aber eher aus der zweiten Reihe und entsenden ihre Streiter als Stellvertreter vor.

Nicht ganz stimmig fand ich - Achtung, Spoiler! -, dass eine Figur, die in Würde und zur Handlung passend getötet worden war, aus dem ewigen Reich der Götter zurückkommt. Hier hat sich der Autor meines Erachtens keinen Gefallen getan, unterstellt ihm der Leser doch fürderhin immer, dass tragische Verluste an Gefährten irgendwann einmal mit einem Federstrich gerichtet werden.

Es wird viel gekämpft im vorliegenden Roman - lange vermissten Fans ja entsprechende Beschreibungen, jetzt bilden die packenden Gefechtsszenen einen faszinierenden Schwerpunkt des Textes -, neue Geheimnisse werden eingeführt und ein paar Mysterien gelüftet. Das Tempo bleibt ebenso hoch wie die Faszination, die die Serie bislang schon auszeichnete.

Das ist weiterhin eine der packendsten Abenteuer-Fantasyserien die ich kenne, lässt die meisten auch anglo-amerikansichen Konkurrenten weit hinter sich, und macht süchtig nach mehr.

Die Rose von Ilian

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