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Elmar Huber
Eine Liebeserklärung an das Kino

Buch-Rezension von Elmar Huber Sep 2010

"Doch nach einiger Zeit stellte ich nicht ohne einen gewissen Stolz fest, dass ich in den hunderten von Stunden der Auseinandersetzung mit Max Castle eine besondere Fähigkeit erworben hatte, eine Art sechsten Sinn, der es mir erlaubte, Dinge wahrzunehmen, die andere nicht bewusst sehen konnten."
(Black Bird)

War zunächst die Beschäftigung mit dem europäischen Film nur Mittel zum Zweck, um dort mehr nackte Haut zu Gesicht zu bekommen als in den amerikanischen Produktionen, findet sich Jonathan Gates bald im inneren Zirkel einer filmbegeisterten Gruppe um Clarissa Swan wieder. Clarissa wird Jahre später zur prominenten gefürchtet-spitzzüngigen Filmkritikerin der New York Times. Der stets unter Strom stehende Filmvorführer Sharkey bleibt seinen Wurzeln des unabhängigen Kinos treu, während sich Jonathan Gates zur größten Koryphäe in Sachen Max Castle entwickelt. Dabei war der Schundregisseur Max Castle nur ein Projekt, mit dem sich die stets geschmackssichere Clarissa nicht weiter beschäftigen wollte. Verunsichert und bestürzt aufgrund der unerklärlichen suggestiven Kraft seiner zweifellos billigen Werke, zog sich Clare zurück, um Jonathan das Feld Castle zu überlassen. Castle galt in seiner Heimat Deutschland - als Max von Kastell - als neue große Regiehoffnung. 1925 emigrierte Castle nach Amerika, wo er nach einem finanziellen Desaster nur noch billige B-Ware drehen durfte. Jonathan beginnt Castle und sein Werk zu studieren. Einzelne Szenen, die unerklärlicherweise Abscheu und Ekel hervorrufen, sieht er sich wieder und wieder an. Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern Castles enthüllen, dass dieser stets mehr Szenen gedreht hat als im jeweiligen Film sichtbar sind. Szenen, die es niemals durch die Zensur geschafft hätten. Mit ausgefeilten Tricks wurden diese Szenen in den Filmen versteckt, als unsichtbare Doppelbelichtung, im Schwarz der Schatten, so dass lediglich das Unterbewusstsein diese wahrnehmen kann.

Mit zunehmender Faszination dringt Jonathan in Castles Vergangenheit ein. Die Spur führt zum Waisenhaus der Sturmwaisen, wo die Zöglinge des Ordens in Filmtechniken unterrichtet werden.

"Was, wenn jemand mitten in der Vorführung in den Saal platzte? Wie sollte ich die zeitraubende mikroskopische genaue Untersuchung rechtfertigen, die ich diesem Schrott angedeihen lies?"
(Black Bird)

Theodore Roszak schreibt hier die indirekte Biographie der fiktiven Figur Max Castle, gesehen durch die Augen eines Filmbegeisterten. Dieser ist sich zwar bewusst, dass er hier größtenteils "cineastischen Schrott" vor sich hat, doch strahlen diese Werke eine ungeahnte Kraft aus, der es auf den Grund zu gehen gilt. Dabei ist Jonathan Gates kein superschlauer Gelehrter, wie Dan Browns Robert Langdon, und auch Leib und Leben sind (noch) nicht abhängig von der Entschlüsselung auf Zelluloid versteckter Rätsel. Zudem stattet Theodore Roszak seinen Helden mit einem sympathischen "typischen Mangel an Selbstvertrauen" aus. Somit geht Roszak recht entspannt an die Sache und erlaubt seinem Helden auch mal, in Sackgassen zu laufen. Das ein oder andere Mal setzt nur der Zufall Jonathan Gates wieder auf Castles Spur. Hier hinkt der Vergleich mit Dan Brown, der auf dem Buchrücken prangt, also gewaltig. Viel eher ist Jonathan Gates ein Verwandter im Geiste von Umberto Ecos Cassaubon aus "Das Focaultsche Pendel", der dort ebenfalls mehr zufällig in die Jagd nach den Templern getrieben wird. Weitere Parallelen sind das rückblickende Erzählen der Geschichte durch die Hauptfigur und die surrealen Enden beider Romane.

"Schattenlichter" vereint fiktive mit realen Elementen und erschafft so eine überzeugende alternative Wirklichkeit. Wo die Grenzen verlaufen, ist nie mit Sicherheit zu sagen. Dazu bringt Theodore Roszak Größen wie Orson Welles und John Huston mit Max Castle als künstlerischen Berater zusammen oder dichtet Castle eine Mitarbeit an Welles "Herz der Finsternis" (ein tatsächlich geplantes Projekt, das aber nie realisiert wurde) an. Gerade noch im hell erleuchteten Kinosaal, findet sich der Leser plötzlich in einem halbdunklen Waisenhaus der "Orden der Sturmwaisen" wieder, wo junge Menschen all die Filmtricks erlernen, die es erlauben, unbewusste Botschaften in die Gehirne der Kino- und Fernsehzuschauer zu schmuggeln. Max Castle soll dabei nicht nur höchst obszöne Szenen in seinen Filmen versteckt haben - seine ehemaligen Darstellerinnen wissen hier einiges zu berichten - sondern auch die heiligen Riten des Ordens der Sturmwaisen plakativ dargestellt und damit entweiht haben. Etwas, das letztendlich zum Bruch mit seinen Förderern führte und möglicherweise auch für sein spurloses Verschwinden verantwortlich ist.

Bei der Figur des Max Castle ließ sich Roszak möglicherweise von Fritz Lang inspirieren, der einen ganz ähnlichen Weg gegangen ist. Nach einigen Meisterwerken in seinem Heimatland emigrierte Lang nach der Machtübernahme der Nazis nach Hollywood, wo er unter weit bescheideneren Umständen filmen musste und nie mehr an vergangene Erfolge anknüpfen konnte.

"Mir schien, als wäre mitten in einer Kinovorstellung heimlich eine Rolle aus einem anderen Film auf den Projektor geschoben worden und als wären auf der Leinwand nun Szenen einer ungleich brillanteren Produktion zu sehen."
(2014)

Theodore Roszak erzählt eine faszinierende Geschichte um Film und Kino und streut Zweifel, ob die beschriebenen Filmtricks nicht tatsächlich möglich sind bzw. auch eingesetzt werden. Die Wirkung "unsichtbarer" Einzelbilder in einem Film wird immer wieder diskutiert oder sogar als Stilmittel verwendet ("Fight Club"). Der aufgeklärte Cineast wird jedenfalls nach der Lektüre von "Schattenlichter" beim nächsten Anschauen von Orson Welles "Citizen Kane" oder John Hustons "Der Malteser Falke" ganz genau hinsehen.

Nicht zuletzt ist "Schattenlichter" aber eine Liebeserklärung an das Kino und ein Fest für Cineasten, besonders für diejenigen, die sich gerne einmal im B- und C-Sumpf der Filmindustrie suhlen. Die Titel von Castles US-Filmen sprechen für sich ("Zombie-Doktor", "Die Rache des Ghuls", "Das Fest der Untoten").

Schattenlichter

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Letzte Kommentare:
24.10.2010 11:27:35
MW

Kann der Rezension von Herren Huber nur zustimmen, trifft genau meine Meinung.
Allerdings ist dieses Werk kein massentaugliches, nach nur allzu bekannten und platten Strickmustern zusammengebasteltes Buch - einige Bekannte, denen ich "Schattenlichter" voller Begeisterung empfahl, hielten es für extrem langweilig. Wer sich aber nicht an der gelegentlich beschaulichen Erzahlweise stösst und Kino-begeistert ist, wird den Roman lieben.

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