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Michael Drewniok
Die (originalen) Untoten kehren zurück

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2019

Vor zehn Jahren standen die Toten weltweit plötzlich aus ihren Gräbern auf und fielen über die Lebenden her, um sie zu fressen, wodurch sich ihre Opfer ebenfalls in Zombies verwandelten. Zwar gelang es die grässlichen Kreaturen auszurotten, doch die Ursache für diese ‚Wiederkehr‘ konnte nie entdeckt werden. Der Tod wird seither mehr denn je gefürchtet bzw. seine Endgültigkeit dadurch unterstrichen, dass man jedem Verstorbenen einen stählernen Schienennagel in den Schädel hämmert: Nur wenn das Gehirn zerstört ist, bleibt eine Leiche tot.

Diese Praxis stirbt jedoch allmählich aus, weil die Zombie-Seuche überhaupt in Vergessenheit gerät. Deshalb kann sie effektvoll aufflammen, als die Opfer eines Busunfalls im Nordosten der USA nicht entsprechend ‚behandelt‘ werden. Bis dies auffällt, haben die ‚neuen‘ Zombies viele Pechvögel angefressen, die nun ebenfalls ihr untotes Unwesen treiben.

Aus den Erfahrungen der Vergangenheit wurde wenig gelernt. Polizei, Nationalgarde und Militär sind überfordert. Banden rotten sich zusammen; die einen nennen sich ‚Bürgerwehren‘, ziehen bewaffnet umher und schießen auf alles, was ein Zombie sein könnte, die anderen nutzen die Gunst der Stunde zum Plündern, Vergewaltigen und Morden.

Staatspolizist Dave Benton versucht in dem Chaos seine Pflicht zu erfüllen. Er verfolgt einige Strolche, die drei junge Frauen entführt haben und den Überfall auf ein Landgut planen, in dem sie reiche Beute vermuten. Längst sind Benton seine Waffe und sein Kollege abhandengekommen. Stattdessen muss er sich um ein Neugeborenes kümmern. Auf die Unterstützung seiner Mitbürger kann er nicht zählen. Sie schießen erst und fragen dann, ob man ein Zombie war.

Grimmig entschlossen folgt Benton dennoch den Gangster. Sie haben sich auf besagtem Landgut eingenistet. Benton nimmt den Kampf auf, der die Beteiligten davon ablenkt, dass der Gefechtslärm alle Untoten der näheren und weiteren Umgebung auf den Plan ruft …

Die doppelte Wiederkehr der lebenden Toten

1968 kam es im Horror-Genre zu einem jener Evolutionssprünge, die in dieser Wucht selten sind. Das Duo George A. Romero und John Russo schrieb ein Drehbuch, das für frischen Wind sorgte, obwohl es um übelriechende Untote ging. „Night of the Living Dead“ (dt. „Die Nacht der lebenden Toten“) wurde unter Romeros Regie zu einem Klassiker, auf den sich seither zahllose Epigonen (zu denen schließlich und leider auch Romero selbst zählte) stützen.

Nach diesem Film trennten sich die Wege von Romero und Russo. Beide blieben der gemeinsam entwickelten Idee jedoch treu - Romero als Regisseur, Russo als Schriftsteller und Drehbuchautor. „The Return of the Living Dead“ schrieb er als ‚echte’ Fortsetzung, die chronologisch an die „Night-of“-Vorlage anschloss. Auch eine Verfilmung war angedacht, aus der jedoch nichts wurde: das Script landete in Hollywood, wo jede Idee so lange durch die Mangel gedreht wird, bis sie entweder verendet oder bis zur Unkenntlichkeit mutiert. Folgerichtig wurde aus dem ursprünglichen (gemeinsam mit Russell W. Streiner und Ricci Valentine verfassten) Drehbuch 1985 die Punk-Horror-Komödie „Return of the Living Dead“ (dt. „Verdammt, die Zombies kommen“), die mit der Vorlage rein gar nichts mehr zu tun hatte.

Russo trieb die Verwirrung voran, indem er 1985 zu diesem Film einen Roman schrieb und den Titel übernahm: Es gibt also zwei völlig unterschiedliche Buch-Versionen namens „Return of the Living Dead“ (sowie bis 2005 vier Film-Fortsetzungen, während George A. Romero bis 2011 sogar fünf Zombie-Streifen inszenierte). Hier vorgestellt wird die ursprüngliche Version von 1978.

Da sind sie wieder!

„The Night of the Living Dead” war ein Paukenschlag - als Film. Schon die Roman-Version des Klassikers - erst 1974 von Russo veröffentlicht - fiel gegen das Romero-Werk ab. Russo war als Drehbuchautor versierter denn als Schriftsteller. „Untot“ - unter diesem nichtssagenden Titel erschien „The Return of the Living Dead“ 1990 in Deutschland - bestätigt dieses Urteil. Die Handlung ist simpel, die Umsetzung dürftig, was hierzulande durch die ungelenke Übersetzung ungünstig unterstrichen wird.

Während es 1968 kein Problem darstellte, die Ursache der Zombie-Seuche höchstens vage als Folge ‚außerirdischer Strahlung‘ anzudeuten, kann diese Frage im Roman nicht so leicht übergangen werden. Auch sonst rächen sich Handlungselemente, über die verfilmte Bilder, Töne und Effekte hinweghelfen. „Untot“ bleibt deshalb ein Surrogat des Films von 1968, auf den der Autor nicht grundlos immer wieder zurückblendet, indem er Pressetexte oder behördliche Verlautbarungen zitiert, die während der ersten Zombie-Plage entstanden - und das Finale ist eine unverhohlen-dreiste Kopie.

Obwohl Russo sich bemüht, den wandelnden Untod als globale Gefahr darzustellen, bleibt letztlich der Eindruck, Zeuge eines lokalen Ausbruchs der Seuche zu sein. Zu stark konzentriert sich der Autor auf eine Story, die im US-amerikanischen Hinterland beheimatet ist. Tatsächlich wirkt „Untot“ wie ein Grusel-Garn, das in einer irdischen Vorhölle spielt, in die sich die Zombies als zusätzliches Grauen problemlos einreihen.

Die Toten und die Trottel

„Untot“ ist ungeachtet der Mängel in gewisser Weise ein Klassiker. Russo kombinierte den ‚realistischen‘ Horror, den er zusammen mit Romero entfesselt hatte, mit dem „Splatterpunk“, der in den 1970er Jahren seinen Anfang nahm. „Schrecken“ wurde nicht nur in der Gegenwart angesiedelt, sondern explizit inszeniert bzw. beschrieben. Russo schwelgt in der Darstellung übel verstümmelter oder anderweitig abscheulicher Zombies und stellt akribisch dar, was mit jenen Pechvögeln geschieht, die ihnen unter die Zähne geraten. Heute ist diese Drastik längst alltäglich, was erklärt, wieso gerade solche Szenen generisch und sogar lächerlich wirken: Wir haben uns daran bzw. an weitaus härteren Stoff gewöhnt! Wieder einmal bestätigt sich, dass der Skandal von Gestern heute höchstens ein Gähnen verursacht.

Für den Unterhaltungswert dieses Romans tödlicher als die Attacken der Zombies sind die ultraflachen bis ärgerlichen Figuren. Russo steht offensichtlich auf dem Standpunkt, dass glaubhafte Charaktere dort nicht nötig sind, wo Blutbäder dominieren. Wieder könnte man dem zustimmen, wäre „Untot“ ein Drehbuch: Dramatik und Action können inhaltliche Mängel kaschieren. Dagegen steht man als Leser/in fassungslos einer Schar eindimensionaler Karikaturen gegenüber, die im Reden und Handeln nie IQ-zentrierter als die Untoten wirken.

Die ländlichen USA sind nach Russo eine Brutstätte hinterwäldlerischer Absonderlichkeiten. Bigotte, gewaltbereite, inzuchtdegenerierte Fanatiker schuften auf heruntergekommenen Farmen und empfangen Fremde mit Flintenschüssen. Auch sonst regiert das Pack. Die Zombie-Krise wird zum Startschuss für offenbar bereits kriminell geborene (oder durch schlechte Filme und Rockmusik vergiftete) Jugendliche, die sich zusammenrotten und über ihre Nachbarn herfallen - wenn es gelingt, denn bewaffnet sind sie alle, die Russo uns vorstellt, und am Abzug ist jeder Finger stets gekrümmt. Wade Connely und seine vertierten Kumpane sind Geisterbahn-Ganoven, deren Schandtaten ihre scheußlichen = ‚verdienten‘ Tode vorbereiten. Die Opfer erregen kein Mitleid. Vor allem die mitgeschleiften Farmerstöchter Ann, Sue Ellen und Karen sind dauergreinende, hilflose Hohlköpfe, die - es ist so wahr, wie es hart klingt - eine Rettung nicht verdienen. Polizist Dave Benton ist kein Held, sondern ein Sturkopf, dessen planloses Handeln nur deshalb nicht sofort tödlich endet, weil seine Gegner noch dämlicher agieren als er.

Fazit:

„Untot“ ist heute eher Zeugnis für die Entstehung einer neuen Sparte des Horror-Genres als ein lesenswürdiger Roman. Wen grobe Handlung auf B-Movie-Niveau und Figuren im Debil-Bereich nicht stören, kann sich eventuell über die farbenfrohen Metzel-Szenen freuen.

Untot

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