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Marcel Scharrenbroich
Eine einzige Erkenntnis verändert die Welt

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Feb 2020

Im Wunderland?

Der namenlose Protagonist in einem dystopisch angehauchten Tokio hat es schon nicht einfach. Da wird er zu einem Termin bei seinem Arbeitgeber gerufen, verbringt eine gefühlte Ewigkeit im Aufzug, wird dann von einer dicklichen, jedoch attraktiven Frau in Empfang genommen (ich betone „dicklich“ extra, weil der Protagonist gefühlte zehn Minuten darauf verwendet zu erzählen, WIE dick sie ist), bekommt dann einen Schutzanzug und eine Taschenlampe verpasst, wird in einen Schrank gestellt, hinter dem sich im Dunkeln eine Plattform befindet, an deren Seite ihn eine Leiter abwärts zu einem Fluss führt, der ihn wiederum zu einem Wasserfall leitet, den er zu durchschreiten hat. Ich wage mal zu behaupten, dass dies selbst in Tokio kein gewöhnlicher Arbeitstag ist… Auf halber Strecke wird unser Namenloser von einem ebenfalls Namenlosen in Empfang genommen. Ein vernünftiger (und vielleicht auch erklärender) Dialog zwischen den beiden ist aufgrund der tosenden Umgebungsgeräusche kaum möglich, also nimmt der zweite Namenlose kurzerhand den Ton weg (?), damit man problemlos plaudern kann. Und spätestens hier wäre der Zeitpunkt gekommen, wo ich mich für den Rest des Tages krankgemeldet hätte. Vor allem, da der unbekannte Geleitschutz noch was von gefährlichen „Schwärzlingen“ erzählt. Uiuiui…

Hinter dem Wasserfall finden sich beide in ähnlichen Räumlichkeiten wieder, wie sie unser Protagonist schon bei seiner Ankunft im Gebäude vorfand. Beinahe identisch und doch eine erste abenteuerliche Odyssee entfernt. Hier entpuppt sich der zweite Namenlose auch als derjenige, den unser Mr. Namenlos eigentlich dort treffen sollte. Der Professor ist der Großvater der jungen Dame, die er nach seiner schier endlos langen Aufzugfahrt zu Gesicht bekam. Der junge, namenlose Protagonist ist nämlich „Kalkulator“ und gilt als der beste in seinem Fach, weswegen er vom mächtigen Datenschutz-Unternehmen „System“ auch dem Professor empfohlen wurde. Da es sich um einen sehr speziellen Auftrag handelt, verlief die Vermittlung auch unter strengster Geheimhaltung. Das „System“ setzt „Kalkulatoren“ ein, um sensible Daten sicher zu verschlüsseln. Die Konkurrenz von der „Fabrik“ hält dagegen an den sogenannten „Semioten“ fest, die ihrerseits Daten für eigene Zwecke entwenden und zudem eine Allianz mit den mysteriösen „Schwärzlingen“ eingegangen zu sein scheinen. Für den Professor soll unser „Kalkulator“ nun ganz besondere Zahlen „waschen“ und darüber hinaus das eigentlich streng geheime „Shuffling-System“ anwenden. Ein gänzlich neuartiges Verfahren. Dem „Kalkulator“ bleiben drei Tage Zeit für seine Berechnungen. Gut, drei Tage… aber was, wenn es länger dauert? Davon wird die Welt schon nicht untergehen, oder? Nun…

Am Ende der Welt

Der ebenfalls namenlose Erzähler, der vor einer mit einer gewaltigen Mauer umzogenen Stadt steht, sieht sich mit einem ganz anderen Problem konfrontiert. Er weiß nicht wo er ist und was er dort soll. Auch an zurückliegende Ereignisse kann er sich nicht mehr erinnern. Alles liegt wie unter einem Schleier verborgen. Vom Wächter der Stadt erfährt er, dass er die Aufgabe hat alte Träume zu lesen. Dazu soll er sich nach kurzer Eingewöhnungszeit in die alte Bibliothek der Stadt begeben. Für seine Arbeit werden seine Augen vom Wächter modifiziert. Martialisch mit einem Messer, jedoch seltsamerweise schmerzfrei. Diese Prägung soll ihn bei seiner Aufgabe unterstützen, macht ihn jedoch empfindlich für Sonnenlicht, weshalb er den Tag meiden soll. Außerdem erhält niemand Zutritt zur Stadt, so lange er noch mit seinem Schatten verbunden ist. Wie jeder Bewohner muss auch der neue Traumleser seinen Schatten abgeben. Besser gesagt wird dieser vom Wächter abgeschnitten und verwahrt. Die Auswirkungen dieser Trennung sind für beide, Traumleser und Schatten, zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar…

Nach wenigen Tagen sucht der Traumleser die Bibliothek auf, um seine Arbeit anzugehen. Noch hat er keine genaue Vorstellung davon, wie sich Träume lesen lassen, doch dies wird man ihm sicherlich zeigen. Tatsächlich bekommt er vor Ort eine kleine Starthilfe. Doch nicht alte Schriften oder verstaubte Bücher soll er wälzen, nein. Er soll die Träume aus Schädeln lesen. Träume, eingefasst in die Schädel von Einhörnern. Diese sind hier keine Seltenheit, grasen sie doch den ganzen Tag vor den Mauern der Stadt, bevor sie zum Sonnenuntergang vom Wächter hereingerufen werden. Anmutige Tiere, deren Fell sich im Herbst in strahlendes Gold verwandelt. Welch merkwürdiger Ort ist das hier? Und warum erscheinen alle Leute… seelenlos?

Zugangsprobleme

Wie man sieht, hat man es in „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt“ mit zwei vermeintlich unterschiedlichen Geschichten zu tun. Halbwegs richtig. Im stetigen Wechsel pendeln wir zwischen „Hard-Boiled Wonderland“ und „Das Ende der Welt“, wo wir Kapitel um Kapitel tiefer in die Geschichte(n) gesaugt werden. Beide Akteure handeln augenscheinlich weit voneinander entfernt und gänzlich unabhängig voneinander. Wieder halbwegs richtig. Doch Stück für Stück schließen die Geschichten zueinander auf und mit zunehmender Hör-/Lesedauer bildet sich ein gesamtes Konstrukt, welches sich anfangs nur schwer erahnen lässt.

Der Zugang ist zugegebenermaßen nicht einfach und es erfordert eine Menge Geduld und Durchhaltevermögen, was regelmäßige Leser von Haruki Murakami bestimmt schon gewohnt sind. Das Werk des japanischen Bestseller-Autors entstand bereits 1985 und war seiner Zeit mit Sicherheit weit voraus. Ähnlich wie der 1982 entstandene, wegweisende Science-Fiction-Meilenstein „Blade Runner“ vom Filmemacher Ridley Scott, den Murakami sicherlich nicht nur einmal gesehen hat. Als Mischung aus düsterer Science-Fiction-Dystopie mit Anleihen klassischer Hard-Boiled-Krimis, werden den aus der Ich-Perspektive dargestellten Erzählern einige Genre-Zutaten mit auf den Weg gegeben, während kryptische und wiederkehrende Hinweise auf eine mögliche Erklärung deuten. Typisch für Murakami spielen auch gesellschaftliche Aspekte und dessen Vorliebe für alleinstehende junge Männer als Hauptperson eine große Rolle.

Fazit:

Man muss Haruki Murakamis spezielle Art des Geschichtenerzählens schon mögen, um vollends in dessen komplexe und ausschweifende Welten eintauchen zu können. Bei mir ist dies nur bedingt gelungen, da ich mich mehrmals wie ins kalte Wasser geworfen fühlte. Trotzdem konnte mich Murakamis Schreibstil begeistern. Auf der Haben-Seite ist sicherlich auch Hörbuch-Sprecher David Nathan ein schwergewichtiger Posten, der wie gewohnt großartig abliefert und das Zuhören zu einem Genuss macht. Für Genre-Einsteiger ist die Empfehlung hier allerdings mit Vorsicht zu genießen, da man als Leser/Hörer doch sehr lange im Dunkeln tappt. Eines kann man Haruki Murakami aber bestimmt nicht absprechen: Eine blühende und ausschweifende Fantasie.

Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt

Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt

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Letzte Kommentare:
07.06.2012 13:58:57
pitpit

"Hard boiled wonderland" - das harte, technische Tokio in nicht allzuferner Zukunft und "Das Ende der Welt" - eine ruhige, beschauliche Dorfwelt in der Mitte eines Waldes.
Das sind die 2 abwechselnd erzählten Stränge des Buches, die geschickt umeinander kreisen und im Finale Ihre gegenseitige Beziehung enthüllen.
Darin ein intelligenter Nerd, ein Sonderling, der sich meist von den rasanten Geschehnissen treiben läßt und doch wichtige Entscheidungen treffen muß.
Erotische Buchhalterinnen, ein genialischer Wissenschaftler, fiese Banditen, traumhafte Einhörner, eine entzückende dickliche Lolita...und viel Seele - schattenhaft.
Was will man mehr. Lesen!

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