Infinity - Der Turm

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2011
Infinity - Der Turm
Infinity - Der Turm
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Andreas Kurth
80°

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2010

Nicht komplett zu durchschauen

Ein mehrere Meilen hoher Turm aus Achern, einem Material von fernen Sternen - der R'Achernon. Unzerstörbar, mit einer künstlichen Intelligenz ausgestattet. Ein wahrhaft gewaltiges, uraltes Bauwerk - und offenbar die letzte Bastion auf einer sterbenden Welt. Keiner der aktuellen Bewohner kann sagen, wer diesen Turm vor Jahrtausenden erbaut hat. Durch seine technologischen Möglichkeiten ist der Turm geradezu allwissend. Das weiß auch Prinzessin Arion, die in wenigen Tagen zur Königin gekrönt werden soll. Zuvor muss sie noch ein altes Zeremoniell durchstehen, das nach einem festgelegten Protokoll ablaufen wird. Aus der Stadt namens "Belagerung" ist Clansmeister Craiden mit seiner Delegation zu Gast. Die von den Bewohnern des Turms als Barbaren bezeichneten Menschen führen in einer archaischen Welt ein karges Dasein, aber offenbar sind sie im Besitz einer Superwaffe. Craiden und seine Männer sind bereits im R'Achernon, als an der unsterstörbaren und transparenten Barriere zwischen Turm und Stadt eine verheerende Atomexplosion ausgelöst wird. Zwischen Arion und Craiden entwickelt sich ein mentales Duell, während die Sicherheitskräfte des Turms den Vorfall fieberhaft untersuchen. Offenbar ist Arions Herrschaft in Gefahr - und es könnte sogar der ganze Turm fallen.

Hohlbein vermischt verschiedene Sichtweisen und Zeitebenen

Wolfgang Hohlbein hat nach eigener Aussage einen Roman geschrieben, den er schon immer schreiben wollte. Das Buch soll im Zentrum seines Schaffens stehen. Da verwundert es nicht, dass "Infinity" - wie so viele Bücher von Hohlbein - sowohl Rezensenten als auch Leser einmal mehr spalten wird. Für die einen genial, für die anderen hanebüchener Unsinn. Ich habe beim Lesen festgestellt, dass man sich auf jeden Fall erstmal auf das Buch und seine Geschichte einlassen muss. Denn neben den Verhandlungen und Gesprächen im R'Achernon passiert auch einiges in "Belagerung". Und erst viel später wird deutlich - oder auch nicht - dass es sich teilweise um einen Rückblick handelt - oder handeln könnte. So klar wird das zunächst nicht, und das Buch lässt dem Leser reichlich Raum für eigene Interpretationen. Hohlbein vermischt verschiedene Sichtweisen und Zeitebenen, erst im Schlussdrittel werden einige Handlungsstränge zusammengeführt. Und dann gibt es doch ein höchst actionreiches und völlig überraschendes Ende, das allerdings für den Leser eben nicht komplett zu durchschauen ist.

Und da liegt dann auch der berühmte Hase im Pfeffer. Ist das nun ein besonderer Kniff des Autors, oder einfach ein schlampig geschriebenes Finale? Man muss sich als Leser an das Thema des Buches herantasten. Was zunächst chaotisch und verwirrend wirkt, entpuppt sich für mich am Ende als unterschwellige Gesellschaftskritik. Da ist der Konflikt zwischen Herrschenden und Beherrschten, bei dem es um den zielgerichteten Einsatz von Ressourcen geht, oder um Gerechtigkeit, um das Lebensglück des Einzelnen, um festgelegte Rituale, die durchbrochen werden sollen. Und um Illusionen von Allmacht und Ohnmacht. Die Bandbreite ist außerordentlich, und die Protagonisten sind schon so angelegt, dass man als Leser mitfiebert. Nicht nur beim Psycho-Duell zwischen Prinzessin und Kriegsherr, sondern auch bei den Abenteuern der anderen Protagonisten in der wuchernden Milliarden-Stadt.

Der Roman ist nicht nur eine Mischung aus Fantasy und Science Fiction, sondern hat auch etwas von einem Endzeit-Roman. Vielleicht räumt ihm Wolfgang Hohlbein deshalb so einen hohen Stellenwert in seinem Gesamtwerk ein, weil er eine Mischung aus verschiedenen Genrs darstellt. Der Autor hat lange über das Buch nachgedacht, die Idee dazu hatte er schon vor etlichen Jahren. Auf jeden Fall hat "Infinity" einen hohen Unterhaltungswert, wenn man sich erstmal eingelesen hat. Und wie bei guter Fantasy eigentlich wünschenswert, kann man als Leser noch einiges in die Geschichte "hineindenken". Der Roman ist definitiv kein All-age-Buch, und wahrscheinlich muss man ihn auch zweimal lesen, um den vollen Genuss zu erfahren. Außerordentlich lesenswert ist das Buch allemal - nicht nur für eingefleischte Hohlbein-Fans.

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