Schwingen der Nacht

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2010
Schwingen der Nacht
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Carsten Kuhr
78°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Dez 2010

Die FBI-Agentin, der Vampir und der Serienkiller - ein magisch-spannendes Dreieck

Wo in der Welt kann man einen modernen Vampir-Roman am besten platzieren? Rom, Paris, London - nein, das sind ausgelutschte Schauplätze, dann doch eher New Orleans, die laszive Metropole am Mississippi. Auf der Suche nach einem Serienkiller kommt FBI-Agentin Heather Wallace nach New Orleans. Einmal mehr hat der Cross Country Killer zugeschlagen. Erstmals aber tauchen am Tatort Botschaften auf. Mit wem nur will der Mörder kommunizieren, ist vielleicht gar der Tatort selbst, der Hinterhof eines Goth-Tempels ein Hinweis auf den Flüchtigen?

Dante, der Eigentümer des Clubs erweist sich als charismatische, aber auch geheimnisvolle Persönlichkeit. Als Waise wurde er von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht, eine Geburtsurkunde, Sozialversicherungsnummer oder einen Pass aber besitzt er scheinbar nicht. Als Sänger einer Band vergöttern ihn seine Fans, dazu kommt eine dunkel-morbide Ausstrahlung, kann es sein, dass er irgendwie mit dem Serienkiller in Verbindung steht? Je tiefer Heather in das Mysterium um Dante eindringt, desto rätselhafter wird es. Er selbst bezeichnet sich als Nachtkind, als geborenen Vampir, dabei weiß man doch, dass es etwas wie Vampire in der Realität gar nicht gibt - oder?

Während die FBI-Agentin immer tiefer in das Mysterium eindringt, Dante und dessen Beschützer, der sich selbst als gefallenen Engel darstellt, kennenlernt, bemerkt sie, dass vorgesetzte Stellen ein gesteigertes Interesse daran offenbaren, sie auszubremsen. Der Fall des Cross Country Killers wird künstlich zum Abschluss gebracht, dabei hat sie deutliche Anhaltspunkte, dass der Mörder bereits ein neues Opfer auserkoren hat - Dante scheint auf seiner Abschussliste zu stehen. Doch was verbindet die beiden und die Macht, die im Hintergrund die Fäden zieht?

Anne Rice lässt grüßen

Urban Fantasy, wohin man auch schaut. Alle Verlage versuchen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen, die entsprechenden Reihen boomen, die Leser greifen überraschenderweise nach wie vor oft zu den Romanen um Blutsauger, Gestaltwandler und Engel. Dabei überwiegen in letzter Zeit zwei Strömungen - zum einen die plakative Schilderung von actionreichen, blutigen Kämpfen, zum anderen die oftmals schamlose Darstellung harter Sexualität. Beides findet, ergänzt durch romantische Liebesromane, den Beifall des Publikums.

Adrian Phoenix geht in dem Auftaktband einer Trilogie glücklicherweise einen anderen Weg. Das Gebotene erinnert mich von der Atmosphäre und der Ausstrahlung her an die New Orleans-Romane einer Anne Rice, konzentriert sich aber weniger auf die Stadt des Mardi Grass sondern mehr auf ihre Gestalten. Gerade weil es Phoenix gelingt, insbesondere Dante, aber auch dem gefallenen Lucien de Noir ihre Geheimnisse zu lassen, nicht alles ins grelle Scheinwerferlicht zu zerren, schafft sie Stimmung, in der ihre Geschichte eingebettet ist und funktioniert.

Dabei sind viele Elemente bekannt, stützt sie sich auf erfolgserprobte Versatzstücke, wandelt diese aber geschickt ab, und führt ihren Leser in ein spannendes Geflecht aus Geheimnissen, Intrigen und Verbrechen. Die übernatürlichen Bestandteile ihrer Welt rücken mehr in den Hintergrund, sind fast nur schmückendes Beiwerk eines spannenden Thrillers. Insoweit bietet dieser Roman eine gelungene Synthese aus Krimi-, Thriller und Vampirelementen, verknüpft diese mit der besonderen Ausstrahlung New Orleans und bannt den Leser an die Seiten.

Schwingen der Nacht

Adrian Phoenix, Heyne

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