Blinder Fleck

  • Feder & Schwert
  • Erschienen: Januar 2010
Blinder Fleck
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Carsten Kuhr
55°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Feb 2011

Die FBI-Agentin und das Übernatürliche

Wir kennen sie aus den einschlägigen TV-Serien - die Agentinnen des FBI. Gestylt und im konservativen Kostüm stöckeln sie nonchalant an den Tatort und lassen die örtlichen Cops mit ihrem Wissen alt aussehen.

Bernadette Saint Clare gehört zwar dem FBI an, entspricht aber ansonsten nicht unbedingt dem Anforderungsprofil. Mit zwei farblich unterschiedlichen Augen, einer blonden Stoppelfrisur und ohne jegliches Interesse an Make-Up, Pumps und Co, wird sie von einer Dienststelle des FBI zur nächsten weitergereicht. Zwischenzeitlich ist sie in St. Paul, Minnesota angekommen und darf ihren Schreibtisch tatsächlich im Keller, direkt neben dem Zugang zur Tiefgarage aufschlagen. Immer schön, wenn man so deutlich merkt, wie willkommen man den Kollegen ist. Und dennoch ist sie bereits eine Legende - denn sie kann das gruselige Hokuspokus-Hellsehen-Zeug. Immerhin hat sie mit ihren besonderen Fähigkeiten, sich in die Augen der Täter zu versetzen, schon eine Al-Kaida-Zelle ausgehoben, einen Serienbankräuber gefasst und RICO Zerschlagen.

Nun also soll sie bei der Ergreifung eines Serienkillers, der seinen Opfer immer die rechte Hand abtrennt, helfen. Dabei stellt sich nicht nur ihr die Frage, ob man den Täter wirklichen fangen soll, übt er doch Gerechtigkeit der alttestamentarischen Art. Wer auch immer hinter den Morden steckt, er sucht sich Opfer, die ihr Schicksal wirklich verdient haben, und die aufgrund geschickter Anwälte oder guter Beziehungen ihrer gerechten Strafe bislang entgangen sind. Immer näher kommt die Agentin in Bundesdiensten dem Täter, doch den entscheidenden Hinweis erhält sie ausgerechnet von ihrem Nachbarn - der seit einiger Zeit nicht mehr unter den Lebenden weilt ...

Genre-Mixe sind en vogue

Immer mehr werden die Genremixe aus Kriminalroman mit übernatürlichem Einschlag von den Verlagen als Gewinnbringer entdeckt. Hier werden größere Lesegruppen angesprochen, bietet sich den Rezipienten ein faszinierendes Bild aus überzeugender Polizeiarbeit und dem etwas unheimlichen Übernatürlichem. In diese Sparte stößt auch Feder & Schwert, die als Vorreiter für aktuelle Trends in den letzten Jahren immer wieder herausragende Beispiele später von den Großverlagen aufgegriffener Subgenres präsentiert haben.

In der Reihe um die FBI Agentin Bernadette Saint Clare mischt sich die akkurat und überzeugend ausgeführte Darstellung der Arbeit der Bundesbehörde für Schwerverbrechen mit einer im Verlauf der Handlung deutlicher werdenden Gabe. Aufgrund traumatischer Kindheitserlebnisse in Zusammenhang mit dem Unfalltod ihrer Zwillingsschwester kann sie sich, wenn sie einen Gegenstand berührt, den der Täter in der Hand gehalten hat, in dessen Geist versetzen, sieht durch dessen Augen. Dass sie mit dieser Gabe nicht eben zur Beruhigung ihrer Kollegen beiträgt, schließlich haben die auch Geheimnisse, die sie nicht gelüftet wissen wollen, macht sie zum ausgegrenzten Außenseiter. Unbestritten sind ihre Erfolge, die wenigen Misserfolge dienen dazu, sie immer wieder auf andere Dienstposten abzuschieben. Hinzu kommt, dass ihr an Depressionen erkrankter Mann sich bei einem gemeinsamen Segeltrip das Leben nahm, so dass uns eine zutiefst vereinsamte Frau begegnet, für die ihre Arbeit alles ist. Erst nach und nach taut sie ein wenig auf, auch weil ihr neuer Chef sich, erstmalig in ihrer Karriere, offen für ihre Begabung zeigt und sie in ihrem Nachbarn einen faszinierenden Mann kennenlernt.

Die Entwicklung, wie sie nach und nach Vertrauen aufbaut, sich aus ihrem Schneckenhaus wagt, aber auch ihre Hingabe an die Jagd nach dem Täter hat die Autorin sehr gut nachvollziehbar geschildert. Dabei spricht sie auch immer wieder die Frage der Zulässigkeit von Selbstjustiz und der Gerechtigkeit des Gerichtssystems in den USA an. Beides Fragen, die sich einem Jeden angesichts oftmals unbegreiflicher Deals und Freisprüche der Gerichte aufdrängen. Nur zu häufig kann man den Eindruck gewinnen, dass wer nur über das notwendige Geld verfügt, immer als freier Mann den Gerichtssaal verlassen wird. Vor diesem durchaus nachdenklich stimmenden Hintergrund läuft eine routiniert erzählte, spannende Handlung ab, die mit jeder Menge Wendungen aufwartet und letztlich als gelungener Auftakt einer neuen Serie zu werten ist.

Blinder Fleck

Terri Persons, Feder & Schwert

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