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Verena Wolf
Traumhafte Fantasy jenseits vom Mainstream

Buch-Rezension von Verena Wolf Apr 2011

Es ist das Jahr 1913. Die verträumte Wilhelmina, die nur Mina genannt wird, lebt behütet - und recht isoliert - auf einem Gutshof als einzige Tochter ihrer distanzierten Eltern. Ihr liebster Zeitvertreib ist es, sich auf den Dachboden zu stehlen und dort zu der Musik einer alten Spieluhr, die sie dort gefunden hat, zu tanzen. Durch Zufall findet Mina in einem Geheimfach ein Foto zweier Jungen, die ihr seltsam bekannt vorkommen und glaubt sich daran zu erinnern, nicht immer ein Einzelkind gewesen zu sein. Dann belauscht das Mädchen ein Gespräch, in dem der Doktor und alte Freund der Familie behauptet, sie wäre verrückt und müsse in Behandlung. Hals über Kopf flieht Mina, schließt sich Zigeunern an und beginnt so ihre Suche nach den verschwundenen Brüdern - und nach der Wahrheit.

Verknüpfung von Mystik, Märchen und Melancholie

"Der siebte Schwan" ist das Debüt von Lilach Mer, das durch den von Heyne ausgeschriebenen Wettbewerb "Magische Bestseller" entdeckt worden ist. Es verwebt weit weg von den zu oft sich ähnelnden Romantik-Schmökern nordische Sagen und Märchen mit der zeitlich und örtlich klar definierten Suche einer Heranwachsenden nach ihren Brüdern. Wer "Die wilden Schwäne" von Hans-Christian Andersen kennt, wird viele Anspielungen und Elemente wieder erkennen, die aber in "Der siebte Schwan" ihre ganz eigene Richtung nehmen. Fantasy und Realität werden zu etwas ganz eigenem vermischt. Lilach Mer lässt ihre Geschichte zwischen Wirklichkeit und Phantastik, Magie und realen Ängsten hin und her pendeln und überwindet mühelos Grenzen, die dem Leser überhaupt nicht mehr als solche erscheinen. Und die Geschichte bleibt dabei immer wirklich spannend und kitschfrei. Damit erinnert "Der siebte Schwan" an den Film "Pans Labyrinth", der auch gerade seine Originalität und verstörende Eindringlichkeit durch die Verknüpfung von Kriegsdrama und Fantasy erreicht.

Bildhafte Szenen, die im Kopf bleiben

So gibt Mina auf dem Weg als Pfand nicht Gold oder Geld, sondern ihr Lachen oder ihre Stimme. Ähnlich wie in vielen ernsten Märchen (man denke nur an "die kleine Meerjungfrau") hat das nichts Kindliches. Man spürt die Beklemmung und den Verlust der sehr gut gezeichneten Hauptperson fast körperlich. Kaum etwas in Mers Debüt wirkt verspielt, sondern eine stille Melancholie macht "Der siebte Schwan" so besonders und zu einem echten "All-Age-Buch". Viele Szenen sind voller Symbolik, ohne dass dies zum Selbstzweck wird. Es geht nicht darum, diese vollständig zu enträtseln, sie verstärkt jedoch die Wirkung der Geschichte. Die plakativen Bilder bleiben wie gute Gemälde im Kopf. Seien es die roten Blumen, denen Mina auf ihrer Suche folgt, die blitzende Arztbrille, die Schlangenwiese, das verfallene Haus des Pug oder das Glashaus, hinter dem die Schwäne ihre Bahn ziehen.

Schöne Sprache und der Kampf ums Wesentliche

Das absolute Plus des Romans ist die Sprache, die der Geschichte eine schon musikalische Grundnote verleiht. Mit fabulierender Leichtigkeit unterstreicht der ausgefeilte Stil die märchenhafte Atmosphäre des Buches. Bei der feinen Ausdrucksweise wird einem nebenbei einiges an sich Schwerverdauliches untergeschoben: Die Vorkriegsstimmung liegt atmosphärisch wie Nebel über der gesamten Handlung. Die Kritik an dem blinden Wissenschaftsglauben und den beschriebenen Anstalten für Geisteskranke wird indirekt mit inszeniert. Vor diesem Hintergrund geht um mehr als nur um eine Suche eines Mädchens nach ihren Brüdern. Nämlich darum, wie viel Selbstbestimmung von der Gesellschaft toleriert wird, dem Konflikt Mystik und Natur versus Gesetze und Vorschriften und was Freiheit bedeutet. Ach, und noch was für alle Endlos-Buchreihen-Ablehner. Es ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, die dem Leser die Selbstbestimmtheit gibt, mit der eigenen Vorstellungskraft die Lücken aufzufüllen, die nicht erzählt werden. Schön!

Der siebte Schwan

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Letzte Kommentare:
12.03.2012 22:58:10
Mona

Ich lese den "Schwan" gerade wieder - und bin wieder ganz gefangen von der Geschichte, die mir, obwohl ich sie schon kenne, immer wieder Schauer über den Rücken jagt. Das ist kein Roman, das ist ein Zauberbuch - und was für eins! Es lässt beim Lesen Bilder im Kopf entstehen, die man so schnell nicht mehr vergisst und die noch lange nachwirken, selbst wenn man das Buch zu Ende gelesen und weggelegt hat.
Leider hab ich es noch nicht geschafft, die anderen Märchen ausser der Sage vom "Brutsee" nachzugoogeln. Anfangs musste ich sogar überlegen, was "Brutsee" heißt - bis ich draufkam, dass das Norddeutsch ist und "Brautsee" heißt, also nichts mit Brüten zu tun hat.

So eine Geschichte zu schreiben, erfordert sicher einiges an Talent und Mut - und beides hat Lilach zur Genüge bewiesen. Ich freu mich schon auf weitere Bücher von ihr!