Dämonengold

  • Bastei-Lübbe
  • Erschienen: Januar 2011
Dämonengold
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Eva Bergschneider
62°

Phantastik-Couch Rezension vonMai 2011

Gute Ideen auf zu großem (Rollen-)Spielbrett verteilt

"Die Oger" hat Stephan Russbült in seinen ersten drei Romanen vorgestellt und ihnen überraschende Eigenschaften wie Klugheit verliehen. Seine Geschichten über die klassischen Fantasy-Völker erzählt Russbült, der wie so viele deutsche Fantasy-Autoren aus der Rollenspiel-Szene kommt, stets mit staubtrockenem Humor, wie ihn vielleicht nur die Friesen drauf haben.

Die Geister die ich rief, scharren mit den Hufen

Baazlabeth lebt zufrieden in einer Zwischenwelt und tut, was er am besten kann: unfreiwillige Besucher verspotten, zu Tode foltern, essen. So könnte der Kriegerdämon weiterhin seine Ewigkeit genießen, wenn er nicht hin und wieder auf eine der Welten gerufen würde. Dieses mal ist es der Zauberer Nemrothar, der Baazlabeth nach Brisenburg holt, um einen vermeintlich lächerlichen Auftrag zu erfüllen: der Dämon soll 5000 Goldstücke auf ehrliche Weise verdienen.

Der Dämon verwandelt sich in den Menschen Sil und schickt sich an, Nemrothars Kiste zu füllen. Doch es ist nicht alles Gold, was so bezeichnet wird. Als Hofarbeiter erhält Sil Schankgold, Münzen aus Kupfer. Und das bleibt nicht das einzige Missverständnis zwischen ihm und den Schnellblutern, denn auch die Bauernpfanne im Gasthaus "Zum einsamen Wanderer" entspricht ganz und gar nicht seinen Vorstellungen.

Nach etlichen Versuchen, die Goldmünzen zu verdienen, erkennt der Dämon, dass ein weiterer gravierender Irrtum darin besteht, zu glauben, der einzige Dämon in Brisenburg zu sein. Da wären noch Molloch, sein Vorarbeiter auf der Tempelbaustelle, der Leichen hinterlässt und eine grün gewandete Gestalt, die einigen Bürgern das Leben aussaugt. Morde, für die Baazlabeth verantwortlich gemacht wird, was seinem Bestreben, auf den Pfaden der Tugend zu wandeln, nicht gerade entgegen kommt.

Ein Dämon ist auch nur ein Mensch

Brisenburg ist eine typische Fantasy-Mittelalterstadt, die Russbült detailreich beschreibt. Die Atmosphäre ist düster, denn das Böse liegt wie eine Dunstglocke über der Stadt. Allein schon sein Name ist ungewöhnlich und erst recht der Dämon selbst. Einerseits passt er in die Klischees, die man gemeinhin mit Dämonen verbindet und auch wieder nicht. Baazlabeth ist bösartig, blutrünstig und vor allem hochmütig. Doch die Geschichte zwingt ihm eine andere Rolle auf, die des ehrlichen Menschen. So denkt sich Baazlabeth oft seinen blutigen Teil.

"Ich überlege es mir...
...noch einmal wiederzukommen und dir mit dem Ding die Zähne einzuschlagen, das Rückgrat zu brechen und es dir durch den Arsch herauszureißen."
Er wandte sich ab und zog Lilith [..] mit sich fort.

bleibt aber in Deckung, was zu herb-witzigen Dialogen und bizarrer Situationskomik führt. So hat der Autor, was seine Hauptfigur angeht, ein Kuriosum geschaffen, ein brutaler, übler Typ, der dennoch ein Sympathieträger ist. Leider bewegt sich Baathlabeth oft und zu lange auf der Stelle, von einem Jobangebot zum nächsten, an diversen Schauplätzen tödlicher Unfälle, auf der Flucht vor Stadtwachen und Inquisitoren. Man kommt sich wirklich wie auf einem Brisenburg Spielbrett vor, auf dem Figuren gezogen werden, die Hinweise und Aufgaben erhalten. Dank einer Karte, auf der alle Handlungsorte eingezeichnet sind und der ausführlichen Personenliste, einschließlich der hierarchischen Ordnung der Dämonen, weiß man stets wo man sich befindet und mit wem man es gerade zu tun hat. Aber diese Schnitzeljagd bringt die Handlung nicht wirklich voran und ein Spannungsbogen baut sich nicht auf. Verschiedene Andeutungen machen dem Leser Appetit auf das eigentliche Abenteuer, das im Hintergrund lauert und auf seinen Auftritt wartet.

Doch erst als die Banshee Lilith in die Geschichte eingreift, wendet sich das Blatt und Baazlabeth kann endlich beweisen, das er nicht nur kräftig austeilen, sondern auch klug taktieren kann. Doch obwohl stets Gefahren lauern und ständig neue skurrile Figuren und Gegner auftreten, bleibt das Erzähltempo getragen. Baazlabeth erfüllt neue Aufgaben und kommt der Wahrheit Stück für Stück näher.

Zum Ende weiß Russbült seine Leser zu überraschen. Es kommt zur finalen Schlacht und zu einer pfiffigen Auflösung, mit der man so nicht gerechnet hatte, die aber konsequent und logisch ist. Der Schreibstil des Autors ist einerseits auf herbe Art witzig, andererseits voller düsterer brutaler Schilderungen. Während Russbült der trockene Humor, vor allem in den Dialogen und in den Kapitelüberschriften, flüssig von der Hand geht, wirkt manche Szenenbeschreibung etwas sperrig. Hier hätte das Lektorat etwas großzügiger korrigieren dürfen.

Insgesamt ist "Dämonengold" ein Fantasy-Roman der von originellen Ideen, einer schaurig-heiteren Atmosphäre und einer markanten Hauptfigur lebt. Der Storyaufbau ist allerdings zu statisch geraten und hätte deutlich gestrafft werden müssen. So geht leider viel von der Spannung verloren, die das Thema eigentlich hergeben hätte.

(Eva Bergschneider, September 2011)

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