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Der mit dem Troll ringt

Buch-Rezension von Tom Orgel Mai 2011

Novellen sind selten geworden in Zeiten, in denen der durchschnittliche Fantasy-Schinken kaum unter 400 und nicht selten über 700 Seiten stark ist. Um so bemerkenswerter, dass der Arcanum Fantasy Verlag bereits seit längerem eine Serie von Fantasy-Kurzromanen unter dem Label "Weltenwanderer" herausbringt. Etwas zwischen 40 und 80 Seiten sind die jeweiligen Bändchen lang, kosten rund 5 Euro pro Stück und sind ordentlich gesetzt, brauchbar lektoriert und mit Rückstichdrahtheftung (also Drahtklammern) gebunden. Mit einem schlichten, farbigen Cover in Heftroman-Manier versehen sind sie handliches Lesefutter für unterwegs. Inhaltlich nicht zusammenhängend oder aufeinander aufbauend geben die Kurzromane einen Einblick in die Erzählwelt eines jeweils anderen Autoren. Vorliegend also Band 7 der Reihe, von Autorin Esther S. Schmidt.

Wieder mal den Elfen helfen

Die Geschichte konzentriert sich im Wesentlichen auf zwei Personen, den Arenensklaven Daric und die Elfe Aroanida, die sich nach einem Überfall als letzte Überlebende einer Karawane in der Einöde wieder finden. Verfolgt von menschen- (und elfen-)fressenden Ghulen müssen sie sich notgedrungen zusammenraufen, um die rettende Zivilisation zu erreichen. Was nicht gerade einfach ist, da beide nur so von Vorurteilen und Abneigungen gegen die jeweils andere Spezies nur so strotzen. Erschwerend kommt hinzu, dass Daric einen magischen Trollring trägt, der den Sklaven erwürgt, sobald er sich in einen Kampf gegen jemand anderen als andere Sklaven begibt. Und Arenensklaven sind in der Wildnis nun wirklich ihr kleinstes Problem.

Klischee und Vorurteil

Die Geschichte fängt ausgesprochen klischeebeladen an - eben so, wie man conaneske Arenakämpfer und Elfen eben so kennt und lieben gelernt hat. Schnell aber wird klar, dass es gerade diese Klischees sind, um die es in der Geschichte geht. Um vorgefertigte Urteile, Feindbilder und unreflektierte Meinungen und die Frage, wie viel Wahrheit eigentlich wirklich in ihnen steckt. Oder ob das alles nicht vielleicht doch ein großes Missverständnis ist. In den gerade mal 73 Seiten verbirgt sich letztendlich eine erstaunlich komplexe Heldenreise mit einer Charakterentwicklung, die anderen Autoren nicht auf der zehnfachen Seitenzahl gelingt. Genau genommen hätte das Szenario anderen Autoren sicherlich für einen kompletten Roman jenseits der 400-Seiten-Grenze gereicht. Das Schmidt genau das nicht getan hat, sondern die Geschichte auf so knappem Raum, gelegentlich in beinahe kammerspielartigen Szenen erzählt, spricht für sie und tut der Erzählung durchaus gut. Und auch die knappe, schnörkellose Wortwahl ist angenehm erfrischend und sorgt für ein hohes Erzähltempo, das beim Wesentlichen bleibt und der Phantasie des Lesers Raum für die Ausmalung der Szenen lässt.

Eine runde Sache

Lediglich der lästige Trollring, der Daric in jeder Kampfszene wieder die Luft abschnürt, hätte vielleicht ein wenig konsequenter durchdacht werden müssen. Aber angesichts sonstiger, in Fantasygeschichten üblicher Artefakte ist das wohl eher nebensächlich. Einige Gedankengänge und Gespräche sind natürlich eher skizziert und könnten noch vertieft werden. Das ist allerdings dem dem begrenzten Umfang und Format geschuldet. Dass Schmidt trotzdem noch eine Liebesgeschichte dazu gepackt hat - gut, das kann man so machen, hätte aber nicht unbedingt sein müssen.

Fazit: Der Kurzroman von Esther Schmidt bietet soliden Fantasystoff für die schnelle Leseration zwischendurch - und das mit mehr Tiefgang als einige "große" Romane mit deutlich höherer Seitenanzahl. Wenn alle Kurzromane der Weltenwanderer-Serie diese Qualität aufweisen, kann ich die Reihe gerade als Reise-Lesestoff nur empfehlen. Und bin gespannt, was Frau Schmidt sonst noch bietet.

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