Im Auge des Leoparden

Erschienen: Januar 2005

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Eva Bergschneider
Nichts als Helden-Klischees, Kampf und Horror

Rezension von Eva Bergschneider Mai 2006

Japanische Fantasy in Form von Animes und Mangas sind mittlerweile in Deutschland bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen Kult geworden. Eine weit verbreitete Szene von Fans setzt sich sehr ernsthaft mit dieser Kulturform auseinander und unterscheidet mehrere Subgenre, vom Manga für Kinder (Sailor Moon, Pokemon) bis zum ernsteren Adult-Manga (Monster, Neo-Genesis Evangelion). Klassische Fantasy-Literatur aus Japan ist dagegen in Deutschland bisher wenig populär. Eine der erfolgreichsten Fantasy-Vertreter in Japan, ist die Autorin Kaori Kurimoto. Von Kurimotos Guin-Saga, dessen erster Band ";Im Auge des Leoparden"; hier vorgestellt wird, sind in ihrer Heimat mittlerweile über 90 Bände veröffentlicht.

Der tapfere Kämpfer mit der Leopardenmaske wird zum Held der königlichen Zwillinge

Im Rood-Wald, einer höchst gefährlichen Gegend, in der sich niemand freiwillig aufhält, erwacht der junge Guin ohne die geringste Erinnerung an sich und seine Vergangenheit. Abgesehen von seinem Namen, geistert nur der Begriff ";Aurra"; durch sein Bewusstsein, sonst weiss Guin weder, wer er ist, noch woher er kommt. Guins Gesicht ist mit einer unheimlichen Leoparden-Maske entstellt, die fest mit seinem Kopf verbunden ist und sich nicht entfernen lässt. In übler Verfassung und durch extremen Durst geschwächt, wacht Guin auf und taumelt durch den Wald.

Die königlichen Zwillinge von Parros, Rinda und Remus konnten nach der feindlichen Invasion der Gohra aus ihrer Heimat fliehen und werden von den Häschern der Armee unbarmherzig verfolgt. Gerade als sie von einem Soldaten-Trupp im Rood-Wald gestellt und umzingelt wurden, trifft der verwirrte Guin auf die Gruppe und bekämpft den eigentlich überlegenen Gegner. Die jugendlichen Thronfolger treten ihrem Retter, dem Leoparden-Menschen zunächst misstrauisch gegenüber. Rinda erkennt allerdings, dass auch er Hilfe braucht und hilft ihm schliesslich, durch seine starre Maske Wasser zu sich zu nehmen.

Horrorgestalten und gruseliger Graf

Guins tapferer Kampf hat ihn selbst zum Gejagten gemacht, die Drei fliehen von nun an gemeinsam. Zunächst müssen sie es allerdings mit den nächtlichen Schrecken des Rood-Waldes aufnehmen. Guin beweist seinen Mut und seine Kampfkraft gegen die Geister und Monster des Waldes. Am schlimmsten sind die Ghule, die sich scheinbar im ersten Moment töten lassen, aber gestärkt zurück kommen, um noch brutaler über jedes unbekannte Lebewesen herzufallen. Knapp dem Horror der Nacht entkommen, fallen Guin und die Geschwister schließlich doch ihren Verfolgern in die Hände. Sie werden zur Festung des Grafen Vanon gebracht, einem Kommandeur, den selbst seine Männer fürchten, da er offensichtlich an einer ansteckenden Krankheit leidet, die ihn bei lebendigem Leib verfaulen lässt. Der Graf scheint zu allen nötigen Mitteln entschlossen zu sein, um von den königlichen Zwillingen die letzten Geheimnisse des Königreiches Parros zu erfahren. Mit dem geheimnisvollen Leopardenmenschen Guin hat er ganz besondere Pläne, die dem jungen Mann wieder alles an Kampftechnik, Mut und List abverlangen werden.

Eine schwache Story, in der der Kampf im Vordergrund steht

Eine Geschichte mit Erzählhintergrund ist im ersten Teil der Guin-Saga nur ansatzweise vorhanden.  Hier und da wird zu einem Geschehen ein Hintergrund angedeutet, der aber anschließend nicht weiter erläutert wird. Da die Guin-Saga  einmal 100 Bände umfassen soll, wird der ein oder andere Zusammenhang vielleicht später nochmal deutlich. Trotzdem ist es für den Leser sehr unbefriedigend, wenn die wenigen Aktionen, die zu anderen einen Zusammenhang aufweisen, ausschließlich im Sande verlaufen.

Hauptsächlicher Inhalt dieses Buches ist Guins tapferer und geschickter Kampf gegen verschiedenste Gegner. Die Autorin hält sich nicht damit auf, die Kämpfe irgendwie in einen sinnvollen Kontext einzubinden oder glaubwürdig zu gestalten. Hauptsache ist, dass Guin als der mutige und unbezwingbare Held da steht… Bei der Auswahl der Gegner zieht die Autorin alle denkbaren ";Splatter"; Register. Guin kämpft gegen fliegende Köpfe und wandelnde, halb verweste Soldaten-Leichen und ihre skelettierten Pferde, deren abgeschlagene Gliedmassen sich verdoppeln und ein neues Menschen fressendes Monster erschaffen. Kampfszenen dieser Art mögen ja für ein Computerspiel ganz originell sein, in einem Roman erzeugen sie, wenn sie wie hier ohne jeglichen Bezug zur Handlung eingesetzt werden, nichts als Langeweile.

Ein kleiner Pluspunkt: die Charaktere

Die Charakterisierung der drei Hauptprotagonisten ist zwar sehr stereotyp geraten, aber wenigstens ist es der Autorin gelungen, die Persönlichkeiten klar voneinander abzugrenzen. Der zunächst ausschließlich tapfer kämpfende Guin entwickelt sich zu einem treuen Freund. Rinda ist klug und couragiert, während ihr Bruder Remus eher schüchtern und feige ist, aber mit Guins Hilfe über sich hinaus wächst.

Aufgrund der sehr schwachen Story und der allzu banalen Kampfszenen, kann ich dem ersten Teil der Guin-Saga ";Im Auge des Leoparden";  leider gar nichts abgewinnen und hoffe, die Autorin konnte die Qualität in den Folge-Bänden steigern. Eine akzeptable Charakterisierung der Personen wird wohl nicht ausreichen, um die Fantasy-Fans von der Guin-Saga zu überzeugen.

Im Auge des Leoparden

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