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Jochen König
Ultra-Jet-Rock'n-Roll

Buch-Rezension von Jochen König Aug 2011

Carlton Mellick III schreibt Bücher über Menschen die sich verirren. Verlor sich Franklin Pierce in der zuckersüßen Alptraumwelt seiner Kindheit (Die Kannibalen von Candyland), so verschlägt es in Ultra Fuckers das Ehepaar Tammy und Tony in die Vorstadt. Und wir wissen ja nicht erst seit den Pet Shop Boys, dass dort das wahre Grauen haust.

Gelingt der Einlass in die für Unbefugte geschlossene Wohnanlage Eagle Hill noch relativ unproblematisch, so wird der weitere Weg zur endlosen Adresssuche. Tammy und Tony irren durch die ewig gleichen Straßen, vorbei an den ewig gleichen Menschen, Häusern und Gegenständen und finden weder das Heim von Tammys Chef noch aus der Trabantenstadt hinaus. Stattdessen stoßen sie auf eine Fast-Food-Kette, die ohne Personal funktioniert und seitenlange Wegbeschreibungen ausspuckt. Wie fast zu erwarten werden die beiden getrennt und Tony begegnet den titelgebenden Ultra Fuckers; drei Mitglieder einer japanischen Punkband (hier live, verwackelt und in Farbe), die marodierend durch die Gegend ziehen. Tony schließt sich den vergnügten Chaoten an, sie treffen die Zyklopenfrau mit dem Goldfischirokesen, die den Einband ziert, und erfahren von ihr einiges über eine eigenwillige Form japanischen Terraformings. Zwischendurch gibt es noch ein bisschen Motocross-Rock'n-Roll und Klonverkloppen, das aber rein gar nichts mit Star Wars gemein hat.

Zieht man die fetten Überschriften und die leeren Seiten danach ab, bleiben gerade einmal 71 Seiten Text. Ultra Fuckers ist also eine Erzählung, bestenfalls eine kurze Novelle, aber alles andere als ein ausgearbeiteter Roman. Teilweise wirkt die knapp formulierte Story, was sowohl Handlung wie Charakteriska der wenigen beteiligten Personen angeht, wie das Exposè zu einem längeren Werk, das erst noch geschrieben werden will. Mellick bezeichnet sich selbst als "Rausnehmer", der Bücher mit der Intention verfasst, möglichst viel Inhalt auf ganz wenigen Seiten unterzubringen. Das kann er gut und so sind seine Ultra Fuckers ein schnell zu lesendes, vergnügliches Stückchen hämische Zivilisationskritik.

Um das Büchlein ein wenig umfangreicher erscheinen zu lassen, wurden ihm Vor-, Nachwort und Interview spendiert. Letzteres soll wohl den Begriff "Bizarro Fiction" mit Wucht etablieren, zu dem Carlton Mellicks III Bücher gerechnet werden wollen. Kann man machen, ist aber auch nur Erguss einer erklärungswütigen Welt, die gerne alles genau benennen will. Denn abzüglich der kleinen Punkeskapaden bewegt sich Mellick III in Bahnen, die bereits Jonathan Swift, Lewis Carroll, Michael Moorcock und viele andere, höchst unterschiedliche Autoren, vor ihm gezogen haben. Er ist so etwas wie ein gutgelaunter Franz Kafka auf Speed, und die "Ultra Fuckers" bieten ein kleinformatiges Äquivalent zu Kafkas Das Schloß. Hier wie dort findet sich eine ominöse Obrigkeit, deren Dasein und Wirken stets im Halbdunkel bleibt. Doch wo bei Kafka sich schleichende Verzweiflung und Entsetzen ausbreitete, herrscht bei Carlton Mellick III fröhliche Anarchie. Kluger Autor, der er ist, bleibt aber bis über das Ende hinaus offen, ob sich diese anarchischen Anwandlungen gegen eine mechanisierte Welt des ewigen Recycelns auf Dauer durchsetzen können.

Ultra Fuckers bietet aktionsreiche und unterhaltsame Lektüre für einen halben Nachmittag. Ein bisschen Nachdenken inklusive. Das im Festa-Verlag erschienene Bändchen ist mit seiner schwarzen Schrift auf orangem Papier nicht ganz so lesefreundlich wie die rosa Variante der Kannibalen von Candyland. Trotzdem kann es vom Preis/Leistungs-/Zeitverhältnis locker mit einem angesagten 3D-Film mithalten. Deshalb also nicht gleich beschweren, dass die vergleichsweise wenigen Seiten 12,90 € kosten.

Ultra Fuckers

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Letzte Kommentare:
15.08.2011 20:50:44
Buboter

Ein Ehepaar wird in eine moderne, neue Wohnsiedlung eingeladen. Dort sieht jede Straße, jedes Haus gleich aus und natürlich verfahren sie sich. Seltsame Fast-Food-Läden spucken Wegbeschreibungen aus und außer ein paar Punkern treffen sie auf keine weitern Menschen. Das Paar wird getrennt. Der Ehemann sucht weiterhin verzweifelt nach einem Weg aus der Wohnsiedlung.

Schwierig die Handlung dieses kurzen Büchleins zu beschreiben ohne zuviel zu verraten.

"Ultra Fuckers" reicht für mich auch nicht ganz an den Vorgänger-Roman ran ist aber fast genauso abgedreht und es macht einfach Spaß den Kurzroman zu lesen.

85° für zwei unterhaltsame Stunden

12.08.2011 10:16:08
Alexi1000

ULTRA FUCKERS ist genau die durchgeknallte Chose, die der geneigte Leser/Fan von Mellick nach dem wirklich grandiosen KANNIBALEN VON CANDYLAND erwartet hat...

reicht aber tritzdem nicht ganz daran heran!

Im Gesamtkonzept wirkt das ganze wirklich etwas zu extrahiert, beschnitten...auch wenn der Autor sich gerne "kurz" hält.

Das wirklich interessante ist, das durch die Fassade eines völlig abgedrehten Trips (im wahrsten Sinne) etwas Gesellschaftskritik durchschimmert...

Das ganze ist aber auch wirklich zum Schmunzeln ausgelegt, während bei den KANNIBALEN das Lachen doch öfter im Halse stecken geblieben ist, also unter dem Strich nicht so "böse"...sondern eher ein guter "Trip" mit Lachanfall...;-)

mal sehen, was der Festa - Verlag uns noch feines vom neuen King der "Bizarro Fiction" kredenzt...ich bin gespannt!

85°.