Asylon

Erschienen: Januar 2011

Couch-Wertung:

82°
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Peter Kümmel
Ein düsterer und packender Debütroman

Buch-Rezension von Peter Kümmel Sep 2011

Nach dem Surge, einer Klimakatastrophe, ist die Erde weitgehend verwüstet. Asylon in die letzte Stadt der Menschheit, hermetisch abgeriegelt vor den marodierenden hungerleidenden Menschen außerhalb dieser Zone. Menschenleben sind nicht viel Wert in Asylon. Einer der Bewohner von Asylon ist der Leveller Torn. Als Leveller hat er die Aufgabe, für ein Gleichgewicht zwischen den herrschenden Clans der Stadt zu sorgen, wenn es sein muss, auch durch legalisierte Morde.

Zusammen mit seinem Assistenten Scooter wurde er in die Grenzzone geschickt, wo eine junge Frau beim Versuch, in die Stadt einzudringen, im Minengürtel zerfetzt wurde. Doch die Lage der Frau macht Torn stutzig. Es sieht so aus, als hätte sie versucht, aus der Stadt heraus statt hinen zu kommen, was überhaupt keinen Sinn macht. Viel Zeit bleibt ihm jedoch nicht, darüber nachzudenken, denn der machtgeile Polizeichef Rygor zeigt ihm deutlich, wer für diesen Fall zuständig ist.

Zudem wird Torn durch die Nachricht, dass seine hochschwangere Frau ins Krankenhaus eingeliefert wurde, abgelenkt. Als er dort eintrifft, wird er mit der Tatsache konfrontiert, dass seine Frau eine Fehlgeburt hatte. Sie jedoch ist hysterisch und behauptet, man hätte ihr das Kind gestohlen. Als Torn am nächsten Morgen nach ihr sehen will, ist sie tot - angeblich Selbstmord. Und ihr Leichnam ist verschwunden.

Als sich die Indizien häufen, dass in Asylon irgend etwas nicht stimmt, beginnt Torn nachzudenken - und endlich auch zu handeln.

Die Stadt Asylon stiehlt ihren Bewohnern die Show

Als "postapokalyptische Dystopie" bezeichnet der Autor im Nachwort sein Werk selber. Durchaus passend. Sehr düster beginnt die Story. Es wird getötet und gestorben. Keiner der Charaktere wirkt auf Anhieb sympathisch, auch nicht Torn. Zu gleichgültig wirkt sein Verhalten gegenüber seiner verstörten Frau. Erst im Verlauf der Handlung zeigen sich seine positiven Züge, ebenso wie bei Saina, der zweiten Protagonistin. Elbels Figuren wirken tiefgründig, realistisch in Bezug zur herrschenden Atmosphäre. Nicht getrennt in Gut und Böse, sondern eher in menschlich und unmenschlich. Von letzteren gibt es genügend: rücksichtslose, sadistische und Psychopathen. Von daher bietet das Buch stellenweise auch richtig harte Kost.

Protagonist Nummer Eins ist zu Beginn des Buches die Stadt Asylon selber. Bei der Beschreibung des Molochs zeigt sich das Talent des Autors. Ein riesiges Häusermeer über unzählige Ebenen, teilweise zerstört, mit unglaublichen Menschenmassen. Tageslicht gibt es nur auf den oberen Ebenen. Der Autor entdeckte "sein Asylon" selber in der Realität. Die "Walled City von Kowloon", ein ehemaliger Stadtteil von Hongkong, fungierte als unbekanntes Vorbild für Asylon. So schafft Elbel eine passende düstere Atmosphäre für eine Dystopie.

Sprachlich einfach gehalten kann er nur teilweise einen Bezug zur düsteren Zukunft gestalten. So sind passende Wortschöpfungen wie "cyclamatsüß" leider nur seltene Einfälle.

"Asylon" ist von Anfang an spannend zu lesen. Elbel hält das Tempo hoch und sorgt durch Perspektivwechsel dafür, dass die Neugier des Lesers geweckt bleibt. Und er hätte es absolut nicht nötig, auf banale Zufälle zurück zu greifen, um die Handlung voran zu bringen wie das Finden des benötigten Adressbuches in einem ausgebrannten Raum oder gar das Erraten eines Passworts. Dann doch lieber einen ungeschützten Dateizugriff, das ist wesentlich realistischer.

Zur Auflösung des großen Ganzen kann ich hier natürlich nichts sagen, fand aber den Einfall prima. Nicht alles war (zumindest für mich) am Ende klar und verständlich. Für das Finale hätte der Autor ruhig noch ein wenig dicker auftragen können. Hier fällt der Spannungsbogen dann doch etwas ab.

"Asylon" ist ein spannender Thriller und ein Lichtblick im Bereich der düsteren Dystopien. Kleine Schwächen sind bei einem Debütroman keine Schande. Weitere Werke von Thomas Elbel werden mit Spannung erwartet.

(Peter Kümmel, September 2011)

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