Zero Gravity

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2011
Zero Gravity
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Carsten Kuhr
72°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Sep 2011

Military-SF Made in Germany - ein Erfolgsrezept

Sie sind Verbrecher der schlimmsten Sorte - so zumindest werden sie von den allmächtigen Konzernen dargestellt. Männer und Frauen, die betrogen und gestohlen, die gemordet haben und nun ihre gerechte Strafe auf einem der vielen Gefängnisasteroiden absitzen müssen. Sie haben nur eine Chance, ihre triste Zelle zu verlassen - sie müssen sich als Justifiers, als Krieger der Konzerne verpflichten. Dort dienen sie ihren Arbeitgebern in gefährlichen Kampfmissionen, bewacht von einer kleinen Sprengladung in ihrem Kopf. Zusammen mit den Beta-Humiden, intelligenten, genetisch aufgerüsteten Tieren ziehen sie für ihren Arbeitgeber in den Kampf.

Dies ist die Geschichte eines solchen Kampfes. Im Dienst seiner karrierebesessenen Chefin wird Sergeant Corrigan, einst als Schlächter ganzer Planeten bekannt, nicht nur mit einem neuen Einsatzteam bedacht, sondern ihm wird auch ein Teil seiner Gehirns entfernt, und der dadurch frei gewordene Platz mit einem technischen Wunderwerk aus den Werkstätten der UI gefüllt.

Sein erster Auftrag nach der technischen Aufrüstung führt ihn zu einem entfernten Kleinplaneten, auf dem seine Chefin an der Verbindung von Mensch und Maschine arbeiten lässt. Dass der letzte Bericht seit Wochen überfällig ist, lässt darauf schließen, dass etwas Entscheidendes vorgefallen ist. Und wirklich trifft die Expedition nicht nur auf Leichen, sondern auch auf Roboter, die sie entgegen ihrer Programmierung und Zweck angreifen. Schon bald beginnt ein Sterben auf Zeit - denn die Maschinen scheinen den Betas und Soldaten weit überlegen zu sein ..

Währenddessen muss sich Corrigans Vorgesetzte warm anziehen. Auch auf ihrer Station scheint sie nicht sicher zu sein. Anschläge auf ihr Leben werden verübt, der Order of Technology will die unliebsame Konkurrenz, die alle Bilanzpläne gefährdet, ausschalten - koste es, was es wolle ...

"Die Hard" im Weltraum - oder, auch Frauen können packende Kampfbeschreibungen abliefern

Was Markus Heitz anpackt, das entwickelt sich zum Bestseller. Seien es seine Völkerromane um die Zwerge oder Alben, die im Piper Verlag ihre Heimat gefunden haben, seine Urban Fantasies bei Droemer Knaur, die entsprechenden Bücher finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten und auf den vorderen Plätzen der Phantastik-Preise.

Seit einigen Jahren nun erscheinen bei Heyne die von ihm initiierten Romane um die Justifiers. Die entsprechenden Graphic Novels legt Knaur auf, die Spiele sind bei Ulisses im Vertrieb. Zusammen mit einer Garde junger, talentierter Autoren hat Heitz hier ein Universum entworfen, das uns in eine hochtechnisierte zukünftige Welt entführt. Die Menschheit hat sich, angeführt und dominiert von den allmächtigen Konzernen, im All ausgebreitet, ist auf weit fortschrittliche Alien-Technologie gestoßen und hat auch vor der Gen-Manipulation nicht halt gemacht. Gott wollten die Wissenschaftler spielen, die Schöpfung verbessern, willfähige Helfer schaffen. Das Experiment mit den Androiden scheiterte kläglich, die intelligenten Tier-Hybriden und die mittels Hochtechnologie aufgerüsteten Menschen dagegen erwiesen sich wirtschaftlich als Erfolg.

In dieser Welt der rein auf Gewinn ausgerichteten Konzerne lernen wir in zwei alternierenden Handlungssträngen unsere Protagonisten kennen.

Der eine ist ein Söldner, dem wir in einen gefahrvollen, von schmerzhaften Verlusten geprägten Einsatz folgen. In diesen Kapiteln beweist die Autorin, dass auch Frauen packende Kampfschilderungen zu schreiben wissen. Voller Tempo und Dramatik, aber auch voller Gewalt wird hier gefightet, fließt das Blut, werden Gliedmaßen abgerissen und Gedärme auf dem Boden verteilt. Das ist nichts für schwache Nerven, lebt ganz von der Gewalt.

Demgegenüber geht es im zweiten Handlungsstrang, in dem die Abteilungsleiterin im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, mehr darum, die Hintergründe zu beleuchten, und die Zusammenhänge darzustellen. Zwar greift Schuhmacher hier auf gängige Vorbilder zurück - die karrieregeile kleingewachsene Frau, die buchstäblich alles tut, um voranzukommen, der geschasste, nachtragende frühere Amtsinhaber, die aufrechten Sicherheitsermittler - doch versucht sie hier weit mehr zu differenzieren, ihre Gestalten mit Eigenheiten und Motivation zu hinterfüttern, als im anderen Erzählstrang.

Das Tempo ist hoch, die Spannungskurve verläuft geradlinig, immer wieder gibt es neue Wendungen und Erkenntnisse, die den Leser zum Miträtseln, was nun hinter den Vorkommnissen steckt, anregt, so dass die Zeit der Lektüre wie im Flug vergeht. Das ist eine gelungene Mischung aus Space Opera und Military-SF ohne großen Tiefgang, aber mit großer Rasanz und dem Schwerpunkt auf den packend beschriebenen Kämpfen.

(Carsten Kuhr, Oktober 2011)

Zero Gravity

Nicole Schuhmacher, Heyne

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