Das Labyrinth der Träumenden Bücher

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  • Erschienen: Januar 2011
Das Labyrinth der Träumenden Bücher
Das Labyrinth der Träumenden Bücher
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Horst Illmer
88°

Phantastik-Couch Rezension vonOkt 2011

Buchhaim - Reloaded

Ja, "meine lieben Freunde" (wie eine im Buch mehrmals eingesetzte Anbiederungsformel lautet), da ist er wieder: Hildegunst von Mythenmetz, der größte Dichter Zamoniens, der Verfasser der spannendsten und erfolgreichsten Romane, Erzählungen, Essays und sonstiger Texte, die jemals ein vom Orm heimgesuchter Lindwurm zu Papier brachte, der glücklich den Katakomben von Buchhaim entronnene Jungspund (vgl. "Die Stadt der Träumenden Bücher"), nun allerdings um ein paar Jahrhunderte gereifter, ruhiger, erfolgreicher und - gelangweilter.

Zurückgezogen auf der Lindwurmfeste lebend und seinem verblassenden Ruhm ebenso nachtrauernd wie seine immer noch steigenden Tantiemen genießend, findet er eines Morgens zwischen seiner Fan-Post einen Brief, dessen Lektüre ihn fast das Leben kostet.
Allerdings wäre es eine schon fast unerträgliche Ironie des Schicksals gewesen, wenn er an dem Brötchen in der Luftröhre tatsächlich erstickt wäre - statt dem Ruf seiner Natur zu folgen und erneut aufzubrechen. Denn der Brief macht ihm augenblicklich klar, dass es unumgänglich ist, endlich zurückzukehren nach Buchhaim, seinem Schicksalsort, dessen Schatten ihn seit mehr als zweihundert Jahren verfolgt haben und wo noch eine ganze Reihe unerledigter Fälle und offener Rechnungen auf ihn warten.

Und so kehrt Hildegunst zurück ins "Labyrinth der Träumenden Bücher" ... und taucht erneut ein in diese ganz spezielle Atmosphäre einer Stadt, die sich ganz der Literatur verschrieben hat. War es in "Die Stadt ..." (neben der Oberflächenhandlung) ein Streifzug durch die Geschichte der Prosaliteratur (ein Hochgesang auf Roman und Kurzgeschichte), so ist es diesmal (erneut parallel geführt) ein Gang durch die Geschichte des Theaters. Kenntnisreich, humorvoll, eindringlich und erkennbar mit Herzblut geschrieben, führt der Mythenmetz'sche Weg über die Plätze und durch die Gassen von Buchhaim vorbei an fünftausend Jahren dramatischer Dichtung.

Walter Moers gibt erneut den Übersetzer aus dem Zamonischen und dient gleichzeitig als Illustrator der Mythenmetz'schen Abenteuer - wie immer in gewohnt hoher Sprach- und Bildqualität. Und ja - als Kenner und Liebhaber der Eigenheiten von Moers/Mythenmetz und der zamonischen Parallelwelt kommt man voll auf seine Kosten!

Einzig, dass es sich bei "Das Labyrinth der Träumenden Bücher" um den ersten Teil einer mehrbändigen Geschichte handelt (und man dies, als unvorbereiteter Leser, erst am Ende des Buches erkennen kann), sei hier noch angemerkt. Wer nicht in Häppchen lesen mag, muss also noch etwas warten - für alle anderen, fängt die Geschichte und das Vergnügen jedoch bereits mit der ersten Zeile von "Das Labyrinth der Träumenden Bücher" an.

Und so, "meine lieben Brüder und Schwestern im Geiste" (eine weitere, mehrmals eingesetzte Mythenmetz'sche Anbiederungsformel), tauchen wir am Ende, nach 430 Seiten, aus diesem wundervollen Buch auf - und zwar mit einem ultrabrutalen Cliff-Hanger vor Augen: "Hier fängt die Geschichte an".

(Horst Illmer, September 2012)

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