Splitterwelten

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2012
Splitterwelten
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Heike Salzmann
75°

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2011

Welten unzählig, schwebend wie im dunklen Traum, umgeben vom Nox

Eine Welt zerborsten in einzelne Fragmente. Wie Inseln schweben die einzelnen Welten im freien, sich weit erstreckenden Raum, dem sogenannten Sanktuarium. Hinter dieser bekannten Welt liegt die noch unerforschte Dunkelheit, das Nox.

Ein Kontakt zwischen den einzelnen Splitterwelten ist nur durch Fliegen möglich. Hier bieten die Schwestern der Gilde, Levitatinnen, in weiten Bereichen des Sanktuariums die einzige Möglichkeit zu anderen Welten zu gelangen. Mit Hilfe einer nur ihnen eigenen, geistigen Gabe, sind sie in der Lage ganze Schiffe samt Besatzung durch die Luft zu befördern. So kommt der Gilde durch die Beherrschung des Luftraumes eine starke und unangefochtene Machtposition zu. Doch scheint es auf vielen Welten zu brodeln. Unmut gegen die Unterdrückung der nicht rein menschlichen Wesen, der sogenannten Animalen und anderer primitiveren Kulturen, scheinen sich zu mehren.

Als auf Jordrak, einer entlegenen Welt im eisigen Norden, eine der Levitatinnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird Cedara, ein hochrangiges Mitglied der Gilde, mit ihrer Schülerin Kalliope ausgesandt, den Fall zu untersuchen und den Schuldigen zu finden. Ein überaus spannendes und intrigenreiches Spiel beginnt, in dessen Verlauf sich vor allem die junge Gildenschülerin Kalliope mehr als einer unangenehmen Wahrheit stellen muss. Kalliope gerät in ein Ränkespiel um die Macht und den Einfluss der Gilde und muss lernen, ihrem eigenen Urteil zu vertrauen.

Zur gleichen Zeit ereilt in einem anderen Teil des Sanktuariums einen jungen menschlichen Sklaven sein ebenso außergewöhnliches Schicksal. Der junge Kieron wird von dem sich als Dieb verdingenden Croy in einen abenteuerlichen Auftrag verwickelt. Was als kleiner Dienst für Croy beginnt, endet in einer abenteuerlichen Jagd um ein geheimnisvolles Artefakt, für dessen Verbleib sich zum Ende sogar der kaiserliche Geheimdienst interessiert.

So werden die Gefährten Croy, Kieron und auch dessen ehemaliger Besitzer, ein Chamälioid namens Jargo, durch das Schicksal vereint. Wie die junge und unerfahrene Kalliope, wird auch Kieron vom Strudel der Ereignisse mitgerissen und muss sich seinem Schicksal stellen. Von albtraumartigen Visionen geplagt, beginnt Kieron sich Gedanken über seine Vergangenheit und Herkunft zu machen. Wieso kann er im Traum Orte und Begegnungen vorhersehen und welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem mysteriösen von allen gesuchten Artefakt?

Gegensätzliche Weltensplitter

Mit "Splitterwelten" bietet Michael Peinkofer alles, was High Fantasy ausmacht. Ein detailreiches und stimmungsvolles Universum, eine weit verzweigte, komplexe Handlung und mannigfaltige, teils eigenwillige Charaktere.

Da gibt es Croy ,einen mysteriösen Meisterdieb mit unverrückbarem Ehrgefühl, den windigen Geschäftsmann Jargo, dem nichts näher steht als der eigene Vorteil, sowie den naiven Sklavenjungen Kierion mit einer geheimnisvollen Vergangenheit. Auf der anderen Seite stehen die kühlen und distanzierten Gildeschwestern Harona und Cedara, welche ein strenges und stark vergeistigtes Weltbild verkörpern. Ihre jungen Schülerinnen, Kalliope und Prisca, lassen die Gilde mit ihren Grundsätzen und Traditionen lebendig erscheinen und zeichnen ein stimmiges Bild dieser mittelalterlich anmutenden Kultur.

Alle Protagonisten besitzen ihre persönliche Vorgeschichte und spezifische Charakterzüge, auf deren Basis ihre Handlungen nachvollziehbar und realistisch erscheinen. Peinkofer gelingt somit eine gute und solide Besetzung der klassischen Fantasyrollen mit ausreichender Tiefe und Entwicklungsmöglichkeiten.

Erzählt wird die Geschichte überwiegend aus der Sicht der jungen Hauptprotagonisten Kalliope und Kieron. Hierbei bedient sich Peinkofer einer eingängigen Sprache, wobei er den genutzten Wortschatz geschickt den jeweiligen Personen und Orten anpasst. Die für das Verstehen der Geschichte wichtigen kulturellen und geschichtlichen Hintergründe des Splitter-Universums sind stimmungsvoll und spannend in die Handlung eingebaut. So bekommt der Leser Stück für Stück einen Einblick in die Traditionen der Nordwelt Jordrak sowie der geschichtsträchtigen Gilde.
Auch die in der Geschichte um Kieron aufgezeigten Gesellschaftsstrukturen sind eindrucksvoll dargestellt.

Insgesamt zeichnet Peinkofer ein äußerst detailliertes und facettenreiches Bild der Splitterwelten.
Wie komplex dieses Universum wirklich ist, lässt sich in diesem ersten Band nur andeutungsweise erahnen. So spielen die zunächst unabhängig erzählten Geschichten um Kalliope und Kieron nicht nur an völlig verschiedenen Orten des Sanktuariums, auch scheinen beide Schauplätze eine beinahe gegensätzliche Gesellschaftsstruktur entwickelt zu haben. Im Einflussbereich der Gilde regiert ein menschlicher König, Animale stellen den unterprivilegierten Teil der Bevölkerung dar. Im Lebensbereich von Kieron herrscht dagegen eine animale Kaiserin. Hier gelten Menschen als niedere Wesen. Die Fortbewegung zwischen den einzelnen Inselwelten geschieht mit Hilfe von flugfähigen Tieren wie Flughaie oder Drachen.

Inwieweit diese unterschiedlichen Gesellschaften miteinander verbunden sind, bleibt eine spannende Frage, die wohl erst im zweiten oder dritten Band abschließend beantwortet wird. Im hier vorliegenden ersten Band lässt Peinkofer die Geschichten um Kalliope und Kieron bis zum Ende parallel verlaufen. Durch den stetigen Wechsel zwischen den einzelnen Handlungssträngen gelingt es dem Autor zusätzliche Spannung aufzubauen. Eine Verbindung der Geschichten zeigt sich erst im überraschenden und überaus spannenden Ende.

Abgerundet wird dieses stimmungsvolle Bild noch durch die wirklich gut gelungenen Konzeptzeichnungen verschiedener Personen, Örtlichkeiten und Gerätschaften. So bieten die mit Bleistift skizzierten Zeichnungen einen visuellen Eindruck, ohne die Fantasie des Lesers einzuschränken. Insgesamt ein wirklich gelungener Auftakt. Einziges, wenn auch nicht sehr wesentliches Manko: Verloren gegangene Waffen werden zu einem späteren Zeitpunkt noch benutzt! Ein Fehler in der Logik, über den man unweigerlich stolpert.

Fazit: Splitterwelten bietet ein stimmungsvolles und detailreiches Universum mit gut gezeichneten, klassischen Fantasy-Charakteren und einer spannenden komplexen Handlung. Alles in allem bietet dieser erste Band einen gelungenen Auftakt zu einer mehrteiligen Erzählung, auf deren Fortsetzung man gespannt sein darf.

(Heike Salzmann, Juli 2012)

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