Feurige Schatten

  • Blanvalet
  • Erschienen: Januar 2012
Feurige Schatten
Feurige Schatten
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Eva Bergschneider
74°

Phantastik-Couch Rezension vonDez 2011

Hochschwanger und nicht zu bremsen

Ein kleiner Geniestreich ist der Autorin Gail Carriger mit ihrer Serie um die Seelenlose Alexia, ehemalige Tarabotti, nun Lady Maccon, gelungen. Auch Leser, die um Serienkost sonst eher einen Bogen machen, sind begeistert von diesem Mix aus Steampunk und Persiflage auf das viktorianische Zeitalter, garniert mit phantastischen Nachtvölkern wie Vampiren, Werwölfen und Geistern. Fünf Bände sollen es insgesamt werden, das Finale "Sengendes Zwielicht" erscheint im November 2012. Gerüchte über eine TV-Verfilmung machen bereits die Runde.

Das ungeborene Ungemach...

..in Lady Alexias Bauch sorgt bereits vor seiner Ankunft für einigen Wirbel, die Vampire haben es gar auf sein Leben abgesehen. Aus ihrer Sicht kann nichts Gutes aus der Verbindung einer Seelenlosen mit einem Werwolf entstehen. Zwar ist auch eine watschelnde Alexia nicht so einfach tot zu kriegen, doch diese andauernden Attacken werden irgendwie lästig. Die einzige Lösung scheint zu sein, dass der schwule Vampirlord Akeldama das Baby unter seine Fittiche nimmt. Die Adoption wird beschlossen, Lord und Lady Maccon ziehen zum Schein in das Nachbarhaus, tatsächlich in eines der Schrankzimmer des Lords. Kaum ist der Umzug bewältigt, klopfen weitere Plagegeister an die Tür, wie Alexias Schwester Felicity und ein wirrer Geist, der die Ermordung der Königin ankündigt. Stecken die Werwölfe dahinter? Zumindest geht in dem Clan, dem Alexias Gatte Conall als Alpha vorsteht, nicht alles mit rechten Dingen zu. Alexia schickt Ivy Tunstell nach Schottland und ermittelt selbst auf dem Woolsey Anwesen. Das Chaos ist komplett, als ein Kampf ums Überleben im Schein des Vollmonds bevorsteht und ein eigensinniges Baby wenig Sinn für Timing beweist.

Kosenamen, Identitätsprobleme und Familiengeheimnisse

Es dauert einige Seiten, bis "Feurige Schatten" sein Feuer versprüht. Zunächst gilt es die eher häuslichen Probleme zu lösen, wie die Eingliederung des Werwolfs wider Willen Sandalio de Rabiffano, genannt Biffy, der sich nicht mit seiner Verwandlung zum Werwolf abfinden kann. Oder eine Schwester, die sich in Tweed kleidet und einer Gruppe anschließt, die für das Frauenwahlrecht kämpft. Und das obwohl Felicity morgens nicht einmal entscheiden kann, welche Handschuhe sie trägt. All das liest sich amüsant und witzig und wie gewöhnlich trägt Gail Carriger dick auf, zum Beispiel mit Kosenamen, die Lord Akeldama Lady Alexia angedeiht, oder der detaillierten Beschreibung seiner erlesenen Garderobe. Trotzdem wünscht man sich schließlich, dass es mit den Mysterien um die Ermordung der Königin und den Verwicklungen um das Woolsey-Rudel losgeht. Leidet Alexia etwa doch den anderen Umständen entsprechend unter Ermüdungserscheinungen?

"Nein, Weib. Ich möchte damit sagen, dass Du nicht mehr in der Verfassung bist, wie üblich mit zum Schlag erhobenem Sonnenschirm durch London zu toben, nicht wahr?" [S. 71]

Keine Sorge, noch ein paar Seiten Geduld und dann rollt sie los. Über einen geheimen Oktopus -Orden und eine Gift mischende Köchin, mit Hilfe eines Exorzismus und natürlich des unentbehrlichen Sonnenschirms kommt Alexia dem Geheimnis auf die Spur. Um die schwangere Muhjah knallt, raucht und explodiert es und es kommt schließlich, wie es kommen muss. Dennoch wartet das Finale mit Überraschungen auf, mit denen keiner der Beteiligten und auch die Leser nicht rechnen konnten.

Auch im vierten Band "Feurige Schatten" trägt Gail Carrigers Konzept eines Genre-Mixes aus Steampunk und humorvoller Darkfantasy. Es lebt vom intelligenten Wortwitz und den vielen skurrilen Figuren, die mehr in petto haben, als man ihnen auf den ersten Blick zutraut. Überzeichnet werden in der "Parasol Protectorate" Serie nicht nur die Charaktere, sondern oft auch die Motive und Aktionen der Handlung. Doch wen stören kleine Ungereimtheiten, wenn eine pragmatische Lady auch unter den widrigsten Umständen unverwechselbare Situationsanalysen vornimmt, wie:

"[..] das ist nur ein Werwolf. Wirklich, man könnte meinen, die Leute hätten nie irgendwelche Monster in ihren Kellern." [S. 258]

(Eva Bergschneider, August 2012)

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