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Anja Helmers
Wenn schon Gefühle, dann das volle Programm

Buch-Rezension von Anja Helmers Feb 2012

Zahra ist zwar noch keine vollwertige Dämonin, aber ihr achtzehnter Geburtstag steht kurz bevor, und dann wird sie endlich ihre dämonische Zwiegestalt erhalten, um wenigstens etwas mit ihren Kollegen mithalten zu können. Ihr Freund und Kollege Ash ist ein Rauchflügler Dämon, der sich innerhalb von Sekunden in ein riesiges geflügeltes Wesen verwandeln kann. Beide arbeiten für das Ordnungsamt, kümmern sich um solche Dinge wie betrunkene Nöcks und aufgebrachte Nixen, aber nebenbei unterwandern sie die Arbeit des Amtes. In geheimen Missionen riskieren sie ihr Leben, um Menschen vorm Zugriff der Abteilung für Opferungen zu retten. Denn Menschen gehören inzwischen zu den rechtlosen, ausgebeuteten Arten, die unter der Herrschaft der Dämonen leben.

Als eine Rettungsmission in einem verwahrlosten Haus in Klein-Flottbek völlig aus dem Ruder läuft, erwacht Zahra zwei Wochen danach im Krankenhaus. Verwirrt stellt sie fest, dass dank eines Zufalls ihr Chef zwar bisher keinen Wind vom wahren Grund ihres Einsatzes bekommen hat, allerdings kann sie Ash nicht erreichen. Beunruhigt verlässt sie nach einer weiteren Woche das Krankenhaus und kehrt zurück in ihre noble Wohnung in einem ehemaligen Fünf-Sterne-Hotel. Dort lebt sie zusammen mit ihrer zerbrechlichen, menschlichen Zwillingsschwester Enya, die so schwach ist, dass sie meistens einen Rollstuhl benutzen muss. Die Sorge um ihren einzigen Freund Ash erweist sich bald als berechtigt, wie sie kurz nach ihrer Ankunft erfährt. Gallagher, ein niederer Dämon und ihr einstiger Liebhaber, steht mit einem bösen Auftrag des Ordnungsamts, den sie gemeinsam ausführen sollen, vor der Tür.

Mutige Erzählstruktur

Die Autorin stößt den Leser ohne Umschweife hinein in die Handlung und enthüllt erst nach und nach, wie die dämonische Welt beschaffen ist. Sie konfrontiert gleich in den ersten Kapiteln mit mysteriösen Ereignissen, wirft Fragen auf wie in einer Detektivgeschichte und lässt den Antagonisten verborgen wie den Mörder in einem Krimi. Die Neugier zieht den Leser durch eine Handlung, die immer wieder mit überraschenden Wendungen und Teillösungen aufwartet, um am Ende in einem gelungen Showdown das Puzzle zu vervollständigen. Aber Olga Krouk verlässt sich beim Spannungsaufbau nicht nur auf eine aktionsreiche Handlung, sondern begeistert durch ein ungewöhnliches Erzählmuster, mit lebendigen Akteuren, eingängigen Bildern und Ironie.

Perspektivwechsel ist im Fantasybereich nichts Ungewöhnliches, aber meistens entscheidet sich ein Autor zwischen einer Ich-Erzählung oder der personalen Sicht mehrerer Handlungsträger.

Olga Krouk geht nun einen etwas anderen Weg. Der vorliegende Roman beginnt mit Ereignissen, die aus Zahras Sicht in der dritten Person erzählt werden, aber schon im zweiten Kapitel folgt ein Einschub, in dem etwas in der Ich-Form erzählt wird. Das verwirrt im ersten Moment, allerdings nur kurz, weil schnell klar wird, dass nicht Zahra berichtet. Später wird die Perspektive noch für einige Szenen auf Gallagher ausgeweitet, ebenfalls in der dritten Person. In einem Kapitel gegen Ende benutzt die Autorin sogar die ´schwebende Perspektive´, einen innerszenischen Wechsel zwischen Zahra und Gallagher, der die Gefühlslage der beiden wunderbar wiedergibt.

Mir hat hat diese vom Einheitsbrei abweichende Erzählweise gefallen, da sie gut strukturiert ist und eine geheimnisvolle Atmosphäre schafft.

Gefühle vergiften einen Dämon und trüben sein Urteilsvermögen

Von unserer normalen Welt ist nicht mehr viel übrig im Jahr 98 neuer Zeitrechnung, nachdem die Membran zwischen der magischen und menschlichen Welt gerissen ist. Der sich daran anschließende Krieg dezimierte die menschliche Bevölkerung so drastisch, dass auch fast 100 Jahre später die Menschen immer noch in der Unterzahl sind. Da Zahra eine Dämonin ist und dank ihres Erzeugers der Oberschicht angehört, sollte sie eigentlich zufrieden sein mit ihrem Leben in einer Luxuswohnung mit Pool. Immerhin hat der Oberste Dämonenrat die größten Probleme der Menschheit gelöst, es gibt keine überfüllten Straßen mehr, keine Überalterung der Gesellschaft und er hat den Weltfrieden und genügend Parkplätze geschaffen. Dass viele Menschen leiden, sollte sie nicht kümmern. Aber Zahra ist trotz ihrer privilegierten Stellung ein Underdog bei den Dämonen, sie wird häufig wegen ihrer Schwäche von ihren Kollegen verspottet und für ihren Erzeuger Gaius ist sie eine ständige Enttäuschung. Insgeheim beneidet sie die Menschen, weil sie sich nichts mehr wünscht als eine Seele und immer wieder hadert sie mit sich selbst. Andererseits ist sie sehr zielstrebig und lässt sich nicht unterkriegen, auch wenn sie häufig am Boden ist, sie steht immer wieder auf. Sie ist impulsiv, ruppig und streitlustig, Gallagher nennt sie nicht umsonst ´Dornenzunge´.

Die Zeichnung der Hauptprotagonistin bietet ein breites Potenzial, um leidenschaftlich mitfiebern zu können, die anderen Protagonisten sind ebenso liebevoll und lebendig gestaltet, und die Nebenfiguren einfallsreich.

Es gibt immer wieder Stellen, an denen man schmunzeln muss, trotz des düsteren Settings, weil Olga Krouk eine Hand für schräge Szenen und ausgefallene Figuren hat. Wer wissen will, was Friedbert, eine schwule Glücksfee, sich unter einer gelungenen Wohnungseinrichtung vorstellt, oder was ein Wodjanoi im Herrenklo macht, sollte ´Der Tag, an dem meine Schwester zur Dämonin wurde´ lesen. Wer einen spannenden postapokalyptischen Roman mit rasanter Handlung lesen will, der sollte ebenfalls zugreifen.
Warum allerdings der Titel nicht nur sperrig, sondern eigentlich ein Unding ist, wird einem erst nach der Lektüre klar. Aber die Titelwahl liegt in der Verantwortung des Verlags und nicht des Autors.

(Anja Helmers, September 2012)

Der Tag, an dem meine Schwester zur Dämonin wurde

Der Tag, an dem meine Schwester zur Dämonin wurde

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