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Michael Drewniok
Alter Teufel in moderner Welt

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2012

Da sie in Washington einen neuen Film dreht, hat sich die Schauspielerin Chris MacNeil mit ihrer zwölfjährigen Tochter Regan feudal im Stadtteil Georgetown eingemietet. Das Haus liegt in der Nähe eines Jesuitenkollegs, dessen Mitglieder an der Universität lehren. Pater Damien Karras ist eigentlich Psychiater und medizinischer Berater für die Angehörigen seines Ordens. Doch privates Unglück hat ihn aus der Bahn geworfen und an seiner Berufung zweifeln lassen. Seinen Vorgesetzten erscheint es ratsam, ihn einige Zeit ´leichten Dienst´ verrichten zu lassen.

In Georgetown werden neuerdings Kirchen blasphemisch geschändet. Was für die Polizei Auswüchse einer dekadenten ´Mode´ sind, beunruhigt die Geistlichkeit naturgemäß stärker. Dennoch glaubt niemand daran, dass hinter diesem Treiben der Teufel persönlich steckt - mit einer Ausnahme: Pater Merrin ist ein Kirchenmann von altem Schrot und Korn, der fest davon überzeugt ist, dass das Böse existiert und Dämonen durchaus in persona auf Erden wandeln können. Seit kurzem meint er Hinweise auf die Wiederkehr eines besonders höllischen Widersachers zu sehen: Pazuzu, die Personifizierung des Süd-Westwindes und dämonischer Herr über Krankheit und Elend, steht in den Startlöchern, die Welt wieder einmal heimzusuchen. Er fährt ausgerechnet in Regan MacNeil.

Als Regan des Nachts über ihrem Bett zu schweben beginnt, wendet sich Chris an Pater Karras, den sie flüchtig kennt. Pater Merrin kommt auf der Fährte Pazuzus nach Washington und bald ins Haus der MacNeils. Gemeinsam machen sich die beiden Priester daran, Pazuzu auszutreiben und zurück in die Hölle zu jagen. Aber der Dämon denkt nicht daran zu weichen, und die beiden Exorzisten sind ein wenig eingerostet. Als Pazuzu auch noch merkt, dass Pater Karras im Glauben schwankend geworden ist, bekommt er endgültig Oberwasser. Das alte Haus in Georgetown wird Schauplatz eines wahren und tödlichen Pandämoniums ...

Das Böse ist zeitlos

Was könnte man an dieser Stelle nicht alles schreiben über ein Buch, das vor Jahrzehnten in aller Munde war und weltweit die Bestsellerlisten gestürmt hat! Erst heute wird deutlich, was die unheimliche Literatur - und selbstverständlich der Film - William Peter Blatty und seinem "Exorzisten" verdanken! Darüber ist weitgehend in Vergessenheit geraten, wie viele mehr oder minder abgewandelte Gruselgeschichten, Bilder und Klischees auf dieses eine Buch zurückgehen. Dies wäre wohl auch so geblieben, wenn nicht ein unerhörtes und so vorher nie dagewesenes Ereignis das Interesse am "Exorzisten" neu oder - bei den ´Nachgeborenen´ - überhaupt zum ersten Mal belebt hätte: Der Film zum Buch, immerhin auch schon stolze 28 Jahre alt, kehrte 2001 - digital aufpoliert und durch eine Reihe niemals zuvor gesehener Szenen ergänzt - in die Kinos zurück, wo er erneut die Charts stürmte.

Kein Wunder, denn unabhängig von der ulkigen Kleidung und den bescheuerten Frisuren der Darsteller ist "Der Exorzist" zwar keine große Kunst aber ein fabelhaftes, zeitloses Stück Unterhaltung. In etwas eingeschränktem Maße trifft das auch auf die Romanvorlage zu, die ja nicht als "Buch zum Film", sondern als selbstständige Geschichte konzipiert wurde.

Trivial-Archäologie am dämonischen Wurzelwerk

William Peter Blatty, ein vergleichsweise unbekannter Autor, hatte sich große Mühe gegeben. Er war seit Ende der 1960er Jahre tief in die Materie eingestiegen, hatte über den Teufel in Geschichte und Religion, über Satanismus, die Kirche und den Exorzismus, über Besessenheit und Geisteskrankheiten recherchiert. Schon in seiner Zeit als Schüler einer jesuitisch geführten Schule war Blatty auf den authentischen Fall des vierzehnjährigen Roland Doe gestoßen, der 1949 im US-Staat Maryland einem erzbischöflich genehmigten Exorzismus unterzogen wurde; die Erinnerung ließ ihn nicht los und inspirierte ihn zusätzlich, als er "Der Exorzist" schrieb.

Blatty nahm seine Geschichte ernst, und das war höchst ungewöhnlich in einer Zeit, in der Horror (wie übrigens auch Science Fiction) für albernen Kinderkram gehalten wurde. Blatty bewies mit durchschlagendem Erfolg, dass dem keineswegs so sein musste. Ihm gelang nicht nur ein Klassiker: Er schuf einen modernen Mythos, der in Sachen Kultfaktor und Langlebigkeit irgendwo zwischen Bram Stokers "Dracula" und Peter Benchleys "Der weiße Hai" anzusiedeln ist.

Wenn man "Der Exorzist" heute aufmerksam liest, fällt auf, dass bzw. wie stark der Roman gealtert ist. Die moderne medizinische Psychoanalyse war um 1970 sichtlich etwas Neues, und so reitet Blatty im Urteil seiner durch die Medien und besonders das Fernsehen besser geschulten Leser des 21. Jahrhunderts ein wenig zu ausführlich auf diesem Thema herum. Auch Pater Karras´ ausgiebiges Ringen mit seinen religiösen Zweifeln, die schließlich zu seinem Untergang führen, sind ein wenig langatmig geraten.

Auch anderes, das 1971 noch unerhört oder wenigstens neu für Blattys Leser war, ist so selbstverständlich geworden, dass es bei der Lektüre gar nicht mehr zur Kenntnis genommen wird. Das betrifft nicht einmal unbedingt die Szenen, in der die besessene Regan ihre wahrhaft teuflische Vorstellung gibt; die haben es allerdings auch heute noch in sich! Aber Chris MacNeil ist beispielsweise nicht nur eine allein lebende Frau und allein erziehende Mutter, sondern eine beruflich und privat erfolgreiche Frau und Mutter, die auch der Teufelsspuk zwar biegen, aber nicht brechen kann - um 1970 beileibe noch keine Selbstverständlichkeit, was ausgiebig herausgearbeitet wird.

Pazuzus misslungene Rückkehr

Wer sich dafür interessiert, wie Blatty seine Geschichte später weiter entwickelt hat, was ihm nicht so schlecht gelungen ist, wie die Kritik es dargestellt hat, sollte versuchen, sich die Romanvorlage zum dritten Teil antiquarisch zu beschaffen: Sie ist in Deutschland anno 1991 im Goldmann-Verlag unter dem (nichtssagenden) Titel "Das Zeichen" (TB-Nr. 8088) erschienen.

Der Scherz liegt nahe und sei an dieser Stelle trotzdem nicht gemieden: Die Geister, die er rief, wurde Blatty nicht wieder los. Niemals war ihm ein auch nur annähernder Erfolg beschieden. Vom "Exorzisten" kam er aber auch nicht los. Zudem trauerte er um ´seinen´ Film, den Friedkin seiner Ansicht nach rüde verschnitten hatte, und piesackte den ohnehin von Erfolglosigkeit gebeutelten Regisseur dreißig Jahre lang mit Hinweisen darauf, was er (Friedkin) versaubeutelt und er (Blatty, auch Drehbuchautor) besser gemacht hätte.

Blatty bekam die seltene Chance, seine eigene Vision zu realisieren, nur ist das außer den hartgesottenen Freunden des Unheimlichen kaum jemand aufgefallen. Es gibt nicht nur die ´offizielle´ Fortsetzung des "Exorzisten" von 1977 - ein eindeutig fluchbeladenes Unternehmen ... -, sondern auch eine dritten Teil, deren weiter oben erwähnte Romanvorlage Blatty 1983 wieder selbst verfasste und die er sieben Jahre später höchstpersönlich inszenieren durfte.

1990 war definitiv kein besonders gutes Jahr für den Teufel (und Blatty kein talentierter Regisseur), so dass "Der Exorzist III" eher ein Schattendasein in Videotheken und später im Nachtprogramm des Fernsehens fristen musste. Allerdings erging es dem Film "Exorzist: The Beginning" (2004; dt. "Exorzist: Der Anfang"), dessen Handlung zeitlich Jahrzehnte vor dem originalen "Exorzist" spielt, auch nicht besser. Er wurde sogar zweimal von unterschiedlichen Regisseuren inszeniert und wurde trotzdem zum Flop.

(Dr. Michael Drewniok, April 2012)

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Letzte Kommentare:
05.10.2012 20:09:08
KingfanNo.Uno

Der Exorzist - ein Klassiker! Ein gutes Buch, welches an der ein oder anderen Stelle wirklich Nerven kostet. Etwas schwierig sind die Passagen, in denen kirchliches Fachwissen vermittelt wird. Je nach Interesse kann dies manchmal leicht ermüdend werden. Denkt man als geübter Leser zunächst "Diese gut 330 Seiten zieh ich doch locker ruckzuck weg", wird man schnell eines Besseren belehrt. Als Perfektionist will man nunmal alles auch hintergründig verstehen, und das kann bei diesem Roman etwas Zeit und abschweifende Gedanken kosten. Alles in allem hat mir das gute Stück meine Krankheitstage verkürzt und mich bei Laune gehalten. Ich habe nicht bereut, es gelesen zu haben!