Deadline. Tödliche Wahrheit

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  • Erschienen: Januar 2012
Deadline. Tödliche Wahrheit
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Carsten Kuhr
74°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Mär 2012

Ein etwas anderer Zombie-Roman

Wir schrieben das Jahr 2014, das Jahr, in dem die moderne Wissenschaft zwei der größten Plagen der Menschheit besiegte. Krebs und Schnupfen gibt es nicht mehr, den Virenforschern sei Lob und Dank. Endlich kann die Menschheit unbelastet ihr langes, gesundes Leben leben - so dachte man zumindest. Doch dann begegneten sich die beiden Virenstämme, die für die Heilung der bis dahin unheilbaren Krankheiten verantwortlich waren, und danach ist nichts mehr, wie es vorher war.

Leichen stehen aus ihren Gräbern wieder auf und machen sich auf die Suche nach Futter. Was man aus schlechten, billig produzierten Horror-Streifen kannte, die lebenden Toten, die Menschenfleisch fressenden Zombies, das sucht die Erde heim. Seitdem lebt die gesunde Restbevölkerung in Angst und Schrecken.

Eine Generation ist vergangen, seit dem Ausbruch des Kellis-Amberlee-Virus, der das Leben der Menschen verändert hat. Die einen haben sich in strikt abgeschotteten Anwesen, Dörfern ja ganzen Städten verbarrikadiert, einige wenige leben abseits ihrer Mitmenschen inmitten der Wildnis, haben aber ihre Waffen immer griffbereit.

Shaun Mason und dessen Adoptivschwester Georgia gehörten zu den gefeiertesten Bloggern der Erde. Selbst der angehenden Präsident lud sie ein, seinen Wahlkampf zu begleiten und von diesem zu berichten. Dass dies den Unbillen seines Präsidentschaftskonkurrenten auf den Plan rief, der Georgia mit dem Virus infizierte, führte dazu, dass Shaun seiner eigenen Schwester eine Kugel ins Rückgrat feuern durfte. Seitdem ist er, nun nennen wir es einmal, ein wenig sonderbar. Dass seine Schwester in seinem Kopf weiter mit ihm spricht, ist eine seiner kleinen Macken. Dass er Rache für den Tod seiner Schwester sucht, seine Obsession.

Als sich eine Mitarbeiterin der Seuchenschutzbehörde an ihn wendet und ihm Hinweise auf die Hintermänner liefert, die nicht nur für die gewollte Infektion seiner Schwester, sondern auch für den Tod unzähliger Menschen verantwortlich sind, bricht er die Zelte hinter sich ab und macht sich, begleitet von einigen Freunden, auf die Jagd nach den Schuldigen ...

Die Heimsuchung durch die Zombies wird zu etwas Alltäglichem

Mira Grant setzt nahtlos an die Geschehnisse aus dem ersten Teil ihrer Trilogie, die Lyx unter dem Titel "Feed - Viruszone" veröffentlichte, an. Erneut schockt sie mit ihrer nüchternen Art, wie sie die Heimsuchung der Menschen durch die virenbefallenen Toten beschreibt. Gerade in der alltäglichen Reaktion der Überlebenden, in ihrer Akzeptanz des eigentlich Undenkbaren zeigt sich, dass der Mensch unheimlich flexibel auf Bedrohungen reagieren kann, und er Schockierendes innerlich auszublenden fähig ist. Wenn die Menschen tagtäglich ihre Virentests über sich ergehen lassen, wenn sie eigentlich wissen, dass bei einem roten Licht, das für einen Befall steht, sofort und scharf geschossen wird, dann wirkt die Art und Weise, wie die Menschen mit ihrer Heimsuchung umzugehen gelernt haben, die Bedrohung verdrängen, um so erschreckender.

Daneben baut die Autorin ihre spannende Suche nach den Hintermännern der geheimnisvollen Vorgänge aus. Hier macht sich unser Ich-Erzähler auf gewohnt kauzige Art auf, den Bösen Mores zu lehren. Geschickt hat es die Autorin verstanden, durch die Gespräche Shauns mit seiner Schwester diese als faszinierende Person und gleichzeitig Gegenpol zu Shaun selbst in der Handlung zu halten.

Plakativ natürlich wiederum die Kampfszenen gegen die Zombies. Da wird wild geballert, was das umfangreiche Waffenarsenal hergibt, kommt Endzeitstimmung a la Mad Max auf.

Als Fazit bleibt, dass wer immer den ersten Band mochte, auch hier gut unterhalten wird. Insbesondere in der Art und Weise, wie die Autorin die Heimsuchung durch die Zombies der Welt zu etwas Alltäglichem macht, unterscheidet sich die Trilogie - Band 3 ist für den Januar 2013 in Vorbereitung - markant von den üblichen Zombie-Titeln, und schafft es auf diese Weise, einen gewissen Realismus aufzubauen, der vielen anderen Titeln abgeht.

(Carsten Kuhr, Juli 2012)

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Seanan McGuire, -

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