Sanctum

Erschienen: Januar 2006

Couch-Wertung:

62°
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Peter Kümmel
Doppelroman mit guter und spannender Unterhaltung

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jun 2006

";Sanctum"; knüpft nahtlos da an, wo ";Ritus"; aufgehört hat. Keine Einführung der ";Prolog"; ist keine solche in diesem Sinne , keine Zusammenfassung des Vorgängers, so daß ";Sanctum"; ebenso wie ";Ritus"; als Stand-alone absolut unsinnig ist. Deshalb halte ich den Einzelverkauf der beiden Bücher vom Verlag in dieser Form für unstatthaft. Einzig ein kleiner Hinweis ";Die Fortsetzung des Bestsellers RITUS"; auf der Rückseite bildet ein gewisses Indiz für die Zusammengehörigkeit der beiden Romane. Der Abstand von fünf Monaten für die Erstausgabe der beiden Teile ist zwar nicht überaus groß, aber dennoch fünf Monate zu viel. Auf dem Cover prangt schon bei der ersten Ausgabe der Aufkleber ";Der Bestseller";. Klar, wer ";Ritus"; gelesen hat, wird auch ";Sanctum"; kaufen (müssen). Zweimal 12,95 ¬ sind zwar angesichts der wirklich gelungenen Aufmachung durchaus angemessen, aber wahrlich kein Pappenstiel angesichts des doch recht seitenschindenden Drucks.

In Südfrankreich treibt eine Bestie im 18. Jahrhundert ihr Unwesen. Nur wenige, wie der Wildhüter Jean Chatel, wissen, daß es sich um einen Loup-Garou einen Werwolf handelt. Und es ist nicht mal sicher, ob es nur ein einziger ist, denn jeder, der von einem Werwolf gebissen wird, verwandelt sich selbst in einen solchen. Offiziell gilt die Suche nach dem Untier als beendet, nachdem ein besonders großer Wolf erlegt wurde. Chatel weiß, daß der Comte die Wahrheit verbergen will. Doch warum?

Parallel dazu wird kapitelweise abwechselnd erzählt, wie Eric von Kastell im Jahr 2004 Jagd auf Werwölfe macht. Wandelwesen gibt es überall auf der Welt. Nur wenige wissen von ihrer Existenz, so wie Eric, dessen Familie sie seit Jahren jagt. Nun ist Eric der letzte der Kastells, nachdem sein Vater ums Leben kam. Doch so richtig warm wird der Leser mit der überzeichneten Figur bis zum Schluß nicht.

";Er trug seinen Einsatzdress: weiße Lederhose, schwarzen Pullover, weißen Lackledermantel, gleichfarbige Stiefel und Handschuhe.";

Bis zum Schluß behält der Autor den Wechsel der beiden Handlungsstränge bei. Wäre das nicht auch anders machbar gewesen?

Doch, absolut. Mag der eine oder andere voll des Lobes ob der großartigen Idee sein, diese Geschichten in zwei abwechselnden Handlungssträngen zu erzählen, für mich ist kein Grund offensichtlich, warum diese Technik angewendet wurde. Jede der beiden Stories in einem getrennten Band hätte mehr Sinn gemacht und jedes Buch für sich wäre ein abgeschlossener Roman gewesen. Keine Neuaufnahme des verloren gegangenen Fadens bei jedem Zeitwechsel. Kein Umdenken in eine völlig neue Situation. Die ein oder andere Pointe hätte sich zwar in dieser Konstellation nicht ziehen lassen, doch wären diese kleinen Nachteile zu verschmerzen oder gar zu verhindern gewesen.

Die weitgehend gradlinige Handlung aus ";Ritus"; wird nun zunehmend verworrener. Sowohl im 18. als auch im 21. Jahrhundert laufen die Fäden in ";Sanctum"; in Rom zusammen. In wieweit ist die katholische Kirche in die Ereignisse verwickelt? Welche Intention verfolgen die verschiedenen Gruppierungen, die immer wieder auftauchen? Wer steht mit wem in Verbindung? Wer ist Freund und wer ist Feind? Für welche Zwecke soll die Äbtissin Gregoria eingebunden werden, die Jean Chatel liebt, dies aber aufgrund ihres Standes nicht darf?

Wer gehört zu den Wandelwesen? Immer mehr der handelnden Personen sind infiziert. Nicht nur auf der Seite der ";Bösen";, sondern auch bei den ";Guten"; gibt es einige, die den Keim in sich tragen. Doch merkwürdigerweise ändert sich die Gesinnung der Charaktere dadurch nicht. Die ";Guten"; können das Tier in sich weitgehend im Zaum halten. Heilbar ist die ";Krankheit"; nur manchmal. Warum das ";Sanctum"; nicht immer wirkt, das bleibt eines von mehreren ungelösten Phänomenen. Zumindest der Titel des Romans wird im Verlauf der Handlung verständlich, anders als beim Vorgänger ";Ritus";.

Ein Werwolf kann immer, oft und lange

";Ritus"; und ";Sanctum"; sind im Prinzip reine Unterhaltungs-Thriller. Die Kritik an der katholischen Kirche bleibt weitgehend oberflächlich und bezieht sich im wesentlichen auf den äußerlichen Prunk und den Amtsmißbrauch ihrer Würdenträger.

Sprachlich kann man dem Autor leider nur Mittelmäßigkeit zugestehen. Der Satzbau wirkt zuweilen etwas holprig und grammatikalisch fehlerhaft. Hängengeblieben bin ich unter anderem bei dem Satz: ";Er lächelte asig";. Ich habe das mir unbekannte Wort ";asig"; im Duden nachgeschlagen, jedoch nicht finden können.

Besonders nervend waren für mich die nicht gerade mitreißenden Sexszenen. Ein Werwolf kann immer, oft und lange sogar die ganze Nacht hindurch. Damit wäre alles gesagt gewesen und man hätte gerne auf detailliertere Bescheibungen verzichten können.

Insgesamt bietet der Doppelroman gute und teilweise spannende Unterhaltung. Die in ";Ritus"; geknüpften Handlungsfäden werden weitgehend wieder aufgedröselt, die offenen Fragen somit zufriedenstellend beantwortet. Doch einige logische Ungereimtheiten und sprachliche Schwächen verhindern eine bessere Bewertung.

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