Steam & Magic

  • Heyne
  • Erschienen: Januar 2012
Steam & Magic
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Carsten Kuhr
55°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Mai 2012

Der Nachfahre der Tafelritter und die Feen-Gouvernante

London, Mitte des 19. Jahrhunderts. In einer Welt, in der die Begüterten alles haben, in der aber diejenigen, denen das Schicksal keine seidenen Laken mitgegeben hat, oftmals in bitterer Armut vor sich hin vegetieren, verbreitet das Übernatürliche Angst und Schrecken. Werwölfe suchen die dunklen Gassen des Hafenviertels heim, Vampire lauern dem Pöbel auf. Obwohl die Adeligen, durch ihre Dienerschaft geschützt, kaum einmal die Opferrolle einnehmen, ja in Soirees und Bällen mit dem Okkulten kokettieren, gibt es Honoratioren, die im Dienst der Krone das Böse bekämpfen.

Sir Merrick Hadrian gehört dieser Vereinigung, die sich aus dem Rittern der Tafelrunde entwickelt hat, an. Doch auch er kann trotz all seiner Erfahrung im Kampf gegen das Böse ab und an Hilfe gebrauchen. Als sich ein ganzer Trupp von Vampiren auf ihn stürzt, kommen ihm eine Gruppe verarmter, aber tapferer Kinder zu Hilfe. Nicht nur, dass diese wissen, wie man Vampire ausschaltet, ein jedes der fünf Kinder besitzt eine besondere Gabe. Nun wäre Sir Merrick nicht der untadelige Gentleman, wenn er Hilfe, noch dazu lebensrettende Hilfe nicht belohnen würde. Kurz entschlossen nimmt er die Gruppe bei sich auf. Nun aber hat er ein Problem - wem nur kann er die Erziehung seiner Mündel anvertrauen?

Wie das Schicksal so spielt, gibt es da eine verstoßene Tochter aus gutem Hause, die gerade eine Anstellung als Gouvernante sucht. Dass sie zu einem Teil Elfenblut in sich trägt und noch dazu bezaubernd aussieht, schmälert ihre Gabe mit Kindern umzugehen auch nicht. Als sie sich im Kampf gegen eine finstere Verschwörung, die nicht nur den Orden, sondern das Empire in Gefahr bringt als ebenso resolute wie effektive Kämpferin entpuppt, stachelt dies das Interesse Merricks an seiner Bediensteten nur noch mehr an ...

Ein bunter Misch-Masch aus Romantik und Urban-Steampunk

In den USA erschien vorliegender Roman, dem die Autorin bislang eine Fortsetzung folgen ließ, bei einem Kleinverlag, der ausschließlich eBooks veröffentlicht. Soweit ich dies recherchieren konnte, liegt mit der Heyne Ausgabe die erste Printveröffentlichung weltweit vor.

Inhaltlich erwartet den Leser gewohnte Kost. Wir haben unsere mittlerweile bekannte Elisabethanische Welt mit ihren begüterten Adeligen und die diesen versorgenden Dienern. Dazu kommt eine geheime Loge, die sich die Bekämpfung der bestialischen Vampire auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Wir kennen entsprechende Ausgangssituationen - allerdings in modernerer Zeit - aus den gängigen Urban Fantasies. Dieser hat die Autorin dann mit künstlichen Lebewesen eine Prise Steampunk und eine gehörige Portion Romantik hinzugefügt - fertig ist der Roman.

Dabei baut sie mit der ergreifenden Geschichte sowohl der Kinder als auch der Gouvernante auf das Mitgefühl ihrer Leser. Ihnen hat das Schicksal oder missgünstige Verwandte übel mitgespielt, so dass sie nun, da sich das Blatt vermeintlich zum Besseren wendet, endlich ein wenig Licht am Ende des Tunnels sehen. Hier wird ganz eindeutig mit der unverdienten Not der Protagonisten Sympathie mit diesen aufgebaut, wird der Mitleidfaktor klar bemüht.

Was zu Beginn temporeich mit einem packend geschilderten Kampf beginnt, das flacht allerdings im Mittelteil doch sehr ab. Statt die Suche nach den Vampiren, deren Hintermänner und Verräter in den Mittelpunkt des Romans zu stellen, wechselt die Autorin bildlich besprochen im vollen Galopp ihr Pferd und legt ihren neuen Schwerpunkt auf die gegenseitigen Anziehungskraft des Ordensagenten und der Gouvernante.

Das kommt etwas plötzlich, und hat mich als Leser verblüfft. Gerade noch waren wir im Kampf um Leben und Tod verwickelt, bissen künstliche Hunde in Vampirhälse, trennten große Messer untote Köpfe von ihren Schultern und verwandelten Ebenholzdegen Herzen und deren Leiber in ein Häufchen Asche, da übernehmen plötzlich Kleider, das sittsame Verhalten und prächtige Bälle das Zepter. Ein erotisches Hasch-Mich-Spiel beginnt, das für sich betrachtet gar nicht einmal uninteressant aufgezogen ist, das sich aber einfach nicht mit dem Auftakt verbinden will.

Erst im ebenfalls überraschend dann wieder actionreichen Finale kommt, nach emotionalen Verwicklungen und rührenden Offenbarungen, wieder unvermutet und unmotiviert Tempo auf. Packende Kampfbeschreibungen, dramatische Entwicklungen und Gefahren schließen hier fast nahtlos an den Beginn an.

Ein wenig hatte ich den Eindruck, dass die Autorin sich nicht recht entscheiden konnte, was sie ihrem Leser kredenzen wollte. Eher eine Romance Fantasy in victorianischem Setting oder vielleicht doch lieber einen packenden Urban Fantasy-Thriller. Das Resultat wirkt auf jeden Fall unausgegoren und inhaltlich wenig zusammenhängend, so dass die vorhandenen interessanten Ansätze leider fast gänzlich untergehen.

(Carsten Kuhr, Mai 2012)

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Cindy Spencer Pape, Heyne

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