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Peter Kümmel
Ein wenig Teenie-Romanze, etwas Matrix und ganz viel MacGyver

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2012

Sie war ein ganz normaler Teenager - früher einmal - Maddy Grant, 15 Jahre alt, ein wenig Mauerblümchen und verknallt in den Frauenschwarm, ihren Fast-Stiefbruder Ben. Nach der Scheidung ihrer Eltern lebte ihre Mutter jetzt mit Bens Vater zusammen. Ben begleitete Maddy an dem Abend, der Maddys Leben grundlegend verändern sollte. Ein Auftritt eines Pop-Sternchens auf dem örtlichen Jahrmarkt, den Maddy gerne besuchen wollte und Ben musste sozusagen ihr Kindermädchen spielen. Das letzte, woran sich Maddy erinnern kann, war Bens zärtlicher Kuss in der Geisterbahn.

Über ein Jahr lag Maddy nach diesem Tag im Koma. Die giftigen Dämpfe eines defekten Generators hatten die Geisterbahn in eine Todesfalle verwandelt. Für Ben kam jede Hilfe zu spät. In diesem für Maddy nicht existierendem Jahr war sie eine Testperson in einer neurochirurgischen Klinik. Maddys Gehirn war schwer geschädigt und so wie es aussah, würde sie für immer ein Pflegefall bleiben. Doch dann sollte ihr eine neuartige Behandlungsmethode möglicherweise helfen. Dazu wurden dünne Drähte in ihrem Gehirn implantiert, um neue Verbindungen herzustellen und bestimmte Bereiche zu stimulieren.

Das Ergebnis war unglaublich. Der Mensch, der nach über einem Jahr aus dem Koma erwacht, hat mit der früheren Maddy kaum noch etwas zu tun. Ihr Intelligenzquotient ist jenseits des messbaren Bereichs. Bücher nimmt sie schneller in sich auf als sie blättern kann. Auch die Bildrate eines Computermonitors ist zu langsam für ihr Leseverständnis. Das einzige, was Maddy nicht wahrnehmen und verstehen kann, sind diese Veränderungen an ihr selbst. Sie selber hält sich für einen durchschnittlich begabten Menschen, der sich bei den Tests unterfordert fühlt. Doch sie spürt, dass mit ihr etwas nicht stimmt...

Zu viel Stoff für einen einzigen Roman

Bislang hat sich der amerikanische Autor Walter Greatshell mit Zombie-Romanen im Horror-Genre bewegt. Mit seinem ersten auf deutsch erschienenen Buch "Gefangen in Harmony" zeigt er, dass er auch Science Fiction schreiben kann.

Zunächst rechnet er mal gnadenlos mit der amerikanischen Kultur und Gesellschaft ab. Sei es das Fast-Food, das Fernsehprogramm oder das Leben in den Vorstädten. Dabei trägt er teilweise so dick auf, dass man sich das gerne etwas subtiler gewünscht hätte.

Leider verrät der Klappentext wieder einmal viel zu viel. Obwohl man sich nach dem Lesen des Prologs durchaus schon einiges zusammen reimen kann, wird "Harmony" selbst auf den ersten 150 Seiten noch nicht erwähnt.

"Gefangen in Harmony" bietet von allem etwas: ein wenig Teeanager-Romanze, ein wenig Matrix und ganz ganz viel MacGyver. Wieviel Logik allerdings in Maddys Konstruktionen steckt, das kann ich nicht beurteilen. Zumindest bietet die actionreiche Handlung in diesem Bereich durchaus unterhaltsame Szenen. Und zwischendurch fühlte ich mich immer wieder an Daniel Keyes geniale Story "Flowers for Algernon" erinnert.

Für einen einzigen Roman hat Greatshell fast schon ein wenig zu viel reingepackt. Es passiert einfach so viel, dass das durchaus für zwei spannende Romane gereicht hätte. Da steckt unheimlich viel Tempo drin. Einiges hätte ich mir gerne etwas intensiver, ausführlicher gewünscht.

Auch das Ende wird relativ schnell abgearbeitet. Doch angesichts des relativ offenen Schlusses dürfte wohl eine Fortsetzung zu erwarten sein. Trotz vieler Schwächen fällt meine Bewertung angesichts der unterhaltsamen Handlung mit viel Tempo und Action durchaus wohlwollend aus.

(Peter Kümmel, Mai 2012)

Gefangen in Harmony

Gefangen in Harmony

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