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Thomas Nussbaumer
Düstere Prophezeiungen vom Ende der Menschheit

Buch-Rezension von Thomas Nussbaumer Jun 2012

Haben Sie manchmal das vage Gefühl, dass das Weltende nicht bloß Stimmungsmache von Sektengurus und antiquierten Glaubenssystemen sein könnte? Dass der Mensch mit traumwandlerischer Sicherheit an der Planke sägt, auf der er steht? Dass Klimawandel, Wirtschaftskrisen und Kriege auf kürzere oder längere Zeit hinaus ein Ende mit Schrecken einleiten, selbst wenn dieses letztlich durch ein Ereignis von höherer Macht herbeigeführt wird: etwa durch einen Meteoriteneinschlag oder einen Supervulkan, der die Erde in Schutt und Asche legt?

Wenn ja, dann dürften Ihre Ahnungen bei der Lektüre von "Die letzten Tage der Ewigkeit" von Michael K. Iwoleit neue Nahrung bekommen. Falls nein wird der Apokalyptiker Iwoleit dennoch ein wenig an unserem Weltbild rütteln, welches sich in den vorliegenden Stories wiederum als wackliges Konstrukt aus dem guten Glauben an die Grundlagen der Physik erweist. Iwoleit beschreibt keine Untergangsszenarien und er will nicht mit groß angelegten Aufzügen beeindrucken, drei der sechs Geschichten sind im Grunde nicht mal Science Fiction, so vertraut und wenig verschieden von unserer Zeit wirkt seine Zukunft. Iwoleit führt lediglich schon heute ersichtliche Trends (beispielsweise aus der Computertechnologie) weiter ohne dabei allzu dick aufzutragen und entwirft somit ein realistisches Zukunftsbild. Diese Zukunft ist auch in "Die letzten Tage der Ewigkeit" die Welt, die auf den Axiomen der Mathematik und Physik ruht und somit auf den schmalen Schultern von ein paar genialen Wissenschaftlern (Einstein & Co.), die uns seit jeher die Welt erklären. Was aber, wenn diese hirnpotenten Männer (und Frauen) nur in einem Punkt ihrer Theorien falsch liegen? Was, wenn Zeit n i c h t linear und unumkehrbar ist? Ganz klar sind damit alte Fragen der Science Fiction verbunden. Insofern erfindet Iwoleit nichts Neues, er ´findet´ lediglich ein paar Ritzen am Weltgebäude der schönen Theorien, wo er den Hebel für seine Fiktionen ansetzt.

Eine Raumfahrtkapsel stürzt in "Die letzten Tage der Ewigkeit" mitten in ein kanadisches ,Öko-Reservat´, ein gefährliches Niemandsland, wo eine Kolonie von gigantischen Riesenmikroben allerlei ´Rohstoffe´ für die Weltbevölkerung produziert. Niemand scheint den Absturz bemerkt zu haben, außer Boyd Blaire, der ein Ereignis dieser Art längst erwartet hat. Sogleich macht er sich auf die Suche nach der Absturzstelle. Er ist wenig erstaunt darüber, dem Piloten, der den Crash unbeschadet überlebt hat, in einem Erntelager nahe der Absturzstelle zu begegnen. Noch weniger überrascht es Boyd, dass es sich dabei um seinen langjährigen Freund & Rivalen Christopher handelt. Und Boyd kann sich davon überzeugen, dass Christopher nicht verrückt geworden ist, selbst wenn der Astronaut behauptet, ein Gott zu sein. Im Gespräch mit Christopher kommt Boyd zur Erkenntnis, dass ihr gemeinsames Experiment möglicherweise doch erfolgreich verlaufen ist. Dabei hat alles danach ausgeschaut, als ob Christopher vor Monaten bei einer Testmission im Weltraum bei einem Hochgeschwindigkeitsflug scheiterte und darauf verschollen blieb. Ist während des Fluges etwas geschehen, das der Ingenieur Blaire nicht voraussehen konnte? Hat Christopher einen Zeitsprung geschafft und ist er darauf hin aus der Zukunft in eine neue Gegenwart zurückgekehrt? Hat er während der ´Sprungphase´, die seinen Angaben nach sechstausend Jahre dauerte, die Welt mittels Gedankenkraft erschaffen - wie ein gelangweilter Gott das vielleicht tun würde?

In "Planck-Zeit" verfolgt Iwoleit ein ähnliches Muster. Dabei geht es um die Frage des tatsächlichen Alters unseres Universums: Der Wissenschaftsjournalist Konrad hat sein Talent bis auf ein paar frühe Artikel, die in der Fachwelt kein Echo fanden, nie eingelöst. Er ist ein typisch Iwoleit'scher Charakter, ein zynisches, lebensuntaugliches Genie, das (noch) nicht zur Blüte gekommen ist und in der Eigenbrötlerei zu vergammeln droht. Konrads ehemaliger Uniprofessor beobachtet diese Stagnation mit Missbilligung und fordert seinen Schützling auf ´interessante Verbindungen herzustellen´. Konrad beginnt hier und da zu recherchieren, doch sein Widerwillen, sich richtig in ein Thema zu knien, bringt ihn wenig weiter. Bis er von einem gefeierten Mathematik-Genie auf ein paar Unregelmäßigkeiten in jüngst gemachten wissenschaftlichen Studien aufmerksam gemacht wird.

 

"Vielleicht ist die Mathematik kein Reich idealer Gegenstände, sondern fest an die materielle Wirklichkeit angeschirrt, und wenn sich diese verändert, verändert sich die Mathematik auch" (S. 70)

 

Wachowski händigt ihm eine CD aus, auf der er seine Beobachtungen festgehalten hat. Konrad findet schließlich heraus, dass es in weiteren Bereichen der Realität (und nicht nur der Wissenschaft) Abweichungen vom üblichen Lauf der Dinge gibt. Allerdings kann Konrad seinem Doktorvater keine Formel, die diese Abweichungen der Messungen rechtfertigt, präsentieren. Die Frage ist auch nicht, welche Ursache die Wirklichkeit aus dem Lot gebracht hat, sondern w a n n das geschehen war. Diese Antwort kennt Konrad: und damit gelingt es ihm zum ersten Mal, seinen alten Professor zu verblüffen. Allerdings ein schwacher Trost, denn die Welt wird fortan eine andere sein.

In "Ich fürchte kein Unglück" muss Simon ein Trauma aus seiner Kindheit verarbeiten. Mehr aus kindlicher Neugier als aus bewusstem Zerstörungswillen hat er damals die Festplatte von Vaters Rechner gelöscht - und damit dessen Lebenswerk vernichtet! Natürlich war die frühe Computer-Ära noch nicht die Zeit der umfassenden Sicherungskopien und der Schaden demnach irreparabel. Später ist Simon ein weniger ehrgeiziger als talentierter Informatiker, der sich mit einer neuen Generation innovativer organischer Computer beschäftigt. Die LightCubes, besitzen eine Komplexität, die mit dem menschlichen Hirn vergleichbar ist. Es gibt nur ein Problem: Der Mensch ist dieser Technologie unterlegen; die Hardware ist der Software um Lichtjahre voraus. Simon entwickelt eine Anwendung, die unter Berücksichtigung der Evolutionstheorie Software produziert, die sich eigenständig verbessert. Im Team einer finanziell erfolgreichen Softwarefirma kommt er zu einigem Ruhm, aber sein Leben hat Simon wenig im Griff. Eine Neuorientierung bringt ihn in den Dienst der astronomischen Forschung, die mithilfe der LightCubes den Kosmos nach außerirdischen Botschaften scannt. Tatsächlich registrieren die Teleskope dann ein Signal in der kosmischen Hintergrundstrahlung. Eine Botschaft außerirdischer Intelligenz? Wie verrückt arbeitet Simon daran, den Code zu knacken. Schließlich finden die LightCubes heraus, was er selber nicht für möglich hielt: Nicht etwa Außerirdische, sondern zukünftige Menschen scheinen die Urheber der Botschaft zu sein. Und die Nachricht, - wie wäre es anders zu erwarten -, bringt keine frohe Kunde aus dieser Zukunft.

"Zur Feier meines Todes" ist eine originelle Story, die formal aus dem Rahmen des Bandes fällt, die aber dennoch überzeugt. Sie erinnert sehr an "Wir waren außer uns vor Glück" von David Marusek, wo ähnliche Themen auf ähnliche Weise behandelt werden. Allerdings hätte sich Iwoleit das eine oder andere Motiv auch für eine weitere Geschichte aufsparen können: Unsterblichkeit, Biomorphismus, Erinnerungs-Chirurgie, Fortpflanzung in der Zukunft, Genveredelung - all das sind Gegenstände, die darin doch etwas beliebig aneinander gereiht werden. Allerdings ohne dass die Spannung darunter litte.

Den positiven Ausklang macht die letzte Story "Wachablösung", bei der in surrealen und verstörenden Bildern mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet werden. Es geht um eine Art futurologischen Schöpfungsakt, der somit einen schönen Bogen zur ersten Story des Buches ("Der Schattenmann") spannt: Darin findet der Leibwächter Herb Uscher in einem Labor zu sich und erinnert sich daran, dass er offenbar einen Anschlag auf das Leben seines Klienten überlebt hat, den er technisch gesehen, nicht hätte überleben dürfen. Traute man der Zuverlässigkeit eines ´Dissolvers´, müsste Herbs Körper durch den Schuss aus dieser Waffe regelrecht atomisiert worden sein. Dennoch schwebt er jetzt in der trüben Flüssigkeit eines Regenerationstankes und rekapituliert seine Geschichte.

"Sagen Sie mir, wer Sie sind, [...], oder vielleicht eher, w a s Sie sind." (S. 19), lautet die Frage eines Angestellten der Sicherheitsfirma, dem die Aufklärung dieses Wunders überlassen worden ist. Eine konkrete Antwort - oder irgendeine Sicherheit - erwartet man bei Iwoleit natürlich vergeblich.

(Thomas Nussbaumer, Juli 2012)

Die letzten Tage der Ewigkeit

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