Dunkelmond

  • Bastei-Lübbe
  • Erschienen: Januar 2013
Dunkelmond
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Sanja Döttling
49°

Phantastik-Couch Rezension von Sanja Döttling Jul 2012

Dunkel wars, der Mond schien helle

Der Roman "Dunkelmond" ist ein Versuch, deutsche Fantasy zu schreiben. Man merkt dem Roman das Anliegen an, eine neuartige phantastische Welt mit Mythen, Göttern und Magie zu schaffen. Nur leider ist das Ergebnis nicht jedermanns Sache.

Sinan und Sanara sind die letzten Nachkommen des ersten Menschen. Das macht sie zur Zielscheibe der Elben, die die Welt der Menschen mit Krieg überziehen und diese unterjochen. Im Fokus ihrer Inquisition stehen vor allem Menschen, die Zauberkräfte der Erde oder des Feuers in sich tragen. Den Elben ist nur die Magie des Wassers und des Windes gegeben. Deshalb machen sie Feuer- und Erdmagier zu ihren Sklaven, um die Kräfte für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen.

In dieser finsteren Zeit versuchen sich Sinan und Sanara zu verstecken - doch beide kommen in die Gefangenschaft der Elben. Dort lernen sie zwar die Elben aus nächster Nähe kennen, doch ihr Hass gegenüber dem Volk lässt nicht nach. Immerhin war es der jetzige König der Elben, Tarind, der Sanaras und Sinans Stamm dahinmetzelte. Und so kann Sanara ihre göttlich bestimmten Liebe Telarion gegenüber, dem Zwillingsbruder des Elbenkönigs, nicht schätzen.

Eine fast undurchschaubare Mythologie

Es ist schwer, sich mit den Hauptcharakteren Sinan und Sanara anzufreunden. Während Sanara die meiste Zeit passiv im Gefängnis sitzt und von den männlichen Vertretern der Schöpfung gerettet werden muss, ist ihr Bruder Sinan schnell dabei, sie zu verurteilen. Schon am Anfang beschimpft er seine Schwester als Verräterin, weil sie sich von den Elben hat gefangen nehmen lassen. Dabei ist er selbst ihr Sklave. Kein Standpunkt also, die eigene Schwester zu verurteilen. Sanara bietet dem Leser ebenfalls wenig Identifikationsfläche. Sie ist launisch, oft unwissend und naiv.

Die Formulierung einer Fantasy-Welt ist natürlich immer schwierig, weil sie zwischen altbekannten Klischees und neuen Ideen verhandelt werden muss. In "Dunkelmond" werden Klischees zwar umschifft, allerdings sind die neuen Ideen gewöhnungsbedürftig. Neben einer fast undurchschaubaren Mythologie und Schöpfungsgeschichte ist auch die Erklärung von Magie und Magiern eher verwirrend. Welche Idee zum Beispiel hinter den "Seelenherren" steckt, deren Aufgabe es ist, Tote ins nächste Reich zu geleiten, und warum diese Fähigkeit von großer Bedeutung ist, bleibt bis zum Schluss ungeklärt.

Die Liebesgeschichte zwischen Sanara und dem elbischen Heersfürsten Telarion ist sicher ein interessanter Plot-Twist. Doch bis zum Ende des ersten Buches hindert das beide Figuren nicht daran, die Rasse und den jeweils anderen abgrundtief zu hassen. Man kann gespannt sein, wie sich diese Beziehung im zweiten Band weiterentwickelt.

"Dunkelmond" ist ein ambitioniertes Projekt, aber leider nicht ohne Macken. Die Figuren weisen charakterliche Mängel und Inkonsistenzen auf, die es dem Leser schwer machen, ihren Handlungen zu folgen und sich in sie hineinzuversetzen. Die Welt an sich ist zwar weitgehend klischeefrei, aber ihre Ausgestaltung eher fragwürdig, da sich viele Ungereimtheiten und Lücken ergeben. Schwer im Magen liegt einem der Hass zwischen Elben und Menschen, der ungeklärt existiert und kaum von den einzelnen Charakteren angezweifelt oder hinterfragt wird. Nicht einmal von Sanara oder Telarion, obwohl sie sich lieben.

Auch dem Leser fällt es schwer, unparteiisch zu bleiben, weil sich ausnahmslos alle Elben (außer Telarion) daneben benehmen. Das kann man zwar auch von den Menschen behaupten, aber die haben als Erklärung dafür immerhin den Status der Unterdrückten inne.

(Sanja Döttling, März 2013)

Dunkelmond

Susanne Picard, Bastei-Lübbe

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