Das Institut für Angst und Schrecken

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2012
Das Institut für Angst und Schrecken
Das Institut für Angst und Schrecken
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Carsten Kuhr
86°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Aug 2012

Der Totenbeschwörer im Land der Träume

Johannes Cabal ist in dem kleinen Örtchen, in dessen Randgebiet sich sein wohlbewachtes Haus befindet, bekannt und gefürchtet. Selbst die wagemutigsten Lausbuben werfen keine Kieselsteinchen gegen seine Fenster, die Bewohner tuscheln höchstens hinter vorgehaltener Hand über den Sonderling, nur der örtliche Polizist unterhält eine etwas nähere Beziehung, die den diskreten Austausch von Banknoten beinhaltet, zu dem rätselhaften Mann. Das hat natürlich seinen Grund, einen guten Grund noch dazu; Johannes Cabal ist Totenbeschwörer! Und beileibe kein Scharlatan, sondern Jemand, der mit den Toten auf Du und Du steht.

Dies wissen auch die drei Honoratioren, die eines Abends an seine Tür klopfen; - na gut, eher rufen, um von seinem wild wachsenden und mit absonderlichen Wesen bewohnten Garten nicht in Stücke gerissen zu werden. Ein Rechtsanwalt, ein Händler und ein Leichenbestatter, allesamt gestandene Herren, wollen Cabal in ihre Dienste nehmen. Zusammen mit ihnen soll er sich auf eine Suche begeben, eine Queste, die in den Traumreichen nach dem Phobischen Animus, dem personifizierten Geist der Angst suchen und diesen besiegen soll.

Zu diesem Zweck hat die alt-angesehene Gesellschaft für Angst und Schrecken nicht nur beträchtliche finanzielle Mittel bereitgestellt, sondern auch den Silberschlüssel, der alleine das Tor zu den Traumreichen aufzuschließen vermag, an sich gebracht.

Ein Besuch in den Traumreichen - eine Chance, die sich Cabal, bei all der zu erwartenden Gefahr nicht entgehen lassen kann - und doch hat er die Risiken bei weitem unterschätzt, wie er nur allzu bald feststellen muss - denn seine Beschwörungen geraten ungewohnt erfolgreich und die Anrufung eines längst vergessen geglaubten Gottes führt zu interessanten Entwicklungen, die ihn nur zu oft dazu zwingen, das Hasenpanier zu ergreifen ....

Trockener Humor, stilistisch ansprechend und vorzüglich übersetzt

Natürlich ist der vorliegende Band, der eigentlich die Trilogie abschließen sollte, eine Hommage an H.P. Lovecraft. Anders als viele derer, die bei ihrer Anbiederung an die großen Alten und ihren Kosmos kläglich gescheitert sind, wandelt Howard auf ganz eigenen Wegen.

Wie wir dies aus den ersten beiden Romanen um den kauzigen Totenerwecker Cabal gewohnt sind, reihen sich Szenen, in denen der trockene Humor des Autors wunderbar in Szene gesetzt wird, an rasante Handlungsabläufe mit gar ungewöhnlichen Wesen und noch interessanteren Handlungsorten.

Howard lässt die ganze Macht seiner nicht gerade schwach ausgeprägten Phantasie auf den Leser niederprasseln. Voller Witz und Ideen, gespickt mit Anspielungen auf die Vorbilder eilt sein Anti-Held von einer Gefahr in die nächste, erkennt dabei mit fast übernatürlichem Instinkt die Fallen, die auf ihn warten und überrascht Verbündete wie Gegner mit seinem lakonischen Gleichmut allen Fährnissen gegenüber. Nichts kann ihn - scheinbar - aus seiner sprichwörtlichen Ruhe bringen.

Dazu gesellen sich mit seinen drei Auftraggebern Figuren, die ebenso interessant wie vielschichtig gezeichnet wurden und ein Traumreich, das seinem Namen Ehre macht.

Den Leser erwartet in der vorzüglichen Übertragung Jean-Paul Zillers ein wahres Feuerwerk an Ideen, skurrilen Orten und Wesen und viel gruseliger Atmosphäre, das diesen Band trotz des etwas merkwürdigen Finales zum Höhepunkt der kleinen Serie macht.

(Carsten Kuhr, August 2012)

Das Institut für Angst und Schrecken

Jonathan L. Howard, Goldmann

Das Institut für Angst und Schrecken

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