Areon

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  • Erschienen: Januar 2012
Areon
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Sanja Döttling
69°

Phantastik-Couch Rezension von Sanja Döttling Sep 2012

Mit Schwert und Stolz

"Areon - Der Weg des Schwertes" ist der Debütroman des deutschen Schriftstellers Lars Neger - Auftakt der Biografie des Schwertkämpfers Ayrik Areon im fantastischen Anarien.

Am Ende beginnt Lars Neger seinen Roman "Areon". Der titelgebende Held Ayrik Areon ist auf der Flucht: Gesucht in ganz Anarien als Verräter und Eidbrecher. Der noble Schwertkämpfer Saer Mikael Winbow nimmt ihn gefangen; doch gibt er dem vermeintlichen Bösewicht Areon die Chance, seine Geschichte zu erzählen und somit - eventuell - seiner Hinrichtung zu entgehen.

Ayrik Areon kommt aus dem kleinen Dorf Dynfaert im Norden des Landes. Er ist Sohn des Dorfvorstehers und genießt somit ein gutes Leben. Doch sein Schicksal nimmt eine entscheidende Wende, als der Druide des Dorfes beginnt, ihn im Schwertkampf auszubilden - eine verbotene Waffe für gemeine Männer, die nur dem Adelstand, den Saers, vorbehalten ist.

Sein Lebensweg führt ihn an die entlegensten Stellen des Königreichs - schwere Niederlagen und ungeahnte Höhenflüge bestimmen sein Leben. Ayrik muss auf die verschneiten und lebensfeindlichen Gipfel des nördlichen Gebirges fliehen, wird verurteilt und in den Adelstand erhoben und schließlich zur Leibwache der Prinzessin ernannt. Doch damit fangen seine Probleme erst richtig an: Intrigen und Liebe, aber auch sein eigener Stolz und seine Naivität machen sein Leben als Schwertkämpfer zu einem aufwühlenden Abenteuer.

Ayrik in der Entwicklungsphase

Ayrik Areon beginnt in diesem Buch, sein Leben mit dem Schwert zu erzählen. Er holt dabei weit aus; die Handlung braucht einige Seiten, bis sie Fahrt aufnimmt. Das Buch umfasst nur seine ersten, tapsigen Schritte auf dem Weg zum großen Schwertkämpfer. Doch so hat der Leser mehr Zeit, Motivationen der Hauptcharaktere, ebenso wie landeskundliche Hintergründe besser kennenzulernen.

Die Handlung spielt im fiktiven Land Anarien. Bräuche und soziale Ordnung sind zwar an das mittelalterliche Feudalsystem angelehnt, aber dennoch so unbekannt, dass sie ohne Erklärungen verwirren könnten. Die großen Standesunterschiede zwischen Sklaven, Freimännern und Saers sowie Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden thematisiert, aber nicht problematisiert. Als weiblicher Leser fragt man sich, ob es wirklich nötig ist, dem Wort "Weib" so viel Gewicht zuzumessen - auch wenn es wohl das passende Wort in dieser mittelalterlichen Gesellschaft ist. Beruhigend ist jedoch die Tatsache, dass die Herrscherfamilie immer Königinnen an die Spitze des Staates stellt. Obwohl ein Fantasy-Roman, bleibt Neger auf dem Boden der Tatsachen: Drachen und Magier werden wohl auch in den nächsten Bänden nicht allzu zahlreich auftreten.

Während andere Helden schon nach einigen Seiten nach der Lösung aller Weltprobleme suchen und nach den größten und gefährlichsten Aufgaben greifen, ist Ayrik erst einmal mit sich selbst beschäftigt. Er kämpft darum, zu überleben und seinen eigenen Platz in der Gesellschaft zu finden. In diesem Band gelingt ihm das ganz gut, wenn auch mit viel Hilfe von außen. Der junge Held wirkt durchgehend überheblich und stolz; mal sehen, wie lange er diese Charakterzüge noch behalten kann.

Zentral in der Geschichte des Landes ist auch der Glaubensunterschied zwischen den Anhängern des einen Gottes Junus, eine Metapher auf den christlichen Glauben, und Anhängern der Vergessenen Götter, einer Art Naturglauben. Im Laufe dieses Buches gestaltet sich deren Zusammenleben aber eher ignorant-pragmatisch; so ist Ayrik Anhänger der Vergessenen Götter, wird aber ohne Probleme zur Leibwache der Prinzessin ernannt - die Junus direkte Nachfolgerin auf Erden ist. Ob es zwischen den beiden Religionen später noch zum Krieg kommt, müssen die nächsten Bücher beantworten.

Ein Wermutstropfen ist die eckige Sprache des Romans; vor allem der übermäßige Gebrauch von Relativsätzen beeinträchtigt bisweilen den Lesefluss. Stellenweise hätte man sich fesselndere Dialoge gewünscht, manchmal lassen die Charaktere eine Motivation vermissen und ändern ihre Meinung inmitten eines Gespräches, ohne Erklärung.

So bleibt der Hauptcharakter Ayrik auf lange Strecken fast undurchschaubar - viele seiner Handlungen sind sehr impulsiv. Es ist außerdem schwierig, sein wahres Ziel zu erkennen: Strebt er nach Ruhm? Ehre? Geld? Ayrik selbst lässt einen dabei lange Zeit im Dunkeln und nutzt auch die Chance als rückblickender Erzähler nicht, um daran etwas zu ändern.

Fazit

"Areon - Der Weg des Schwertes" entführt in eine faszinierende Welt, deren soziale Ordnung und Bräuche interessant und innovativ sind. Vor allem die Konzentration auf die zwei Glaubensrichtungen und der aufziehende Krieg mit dem Norden versprechen interessant zu werden. Leider wächst einem der Hauptcharakter selbst (noch) nicht so richtig ans Herz und bleibt ein unbeschriebenes Blatt; auch die Sprache könnte noch einen letzten Schliff vertragen. Man kann also mit Spannung auf den zweiten Teil warten.

(Sanja Döttling, September 2012)

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Lars Neger, -

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