Reise nach Kalino

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2012
Reise nach Kalino
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Carsten Kuhr
78°

Phantastik-Couch Rezension von Carsten Kuhr Okt 2012

Stringenter SF-Krimi weit abseits waffenstarrender Raumschiffe

Julius Werkatzy ist das, was man in alten Filmen als Privat Eye, als Privatdetektiv bezeichnet. Ein äußerlich etwas heruntergekommener, scheidungsgeschädigter Mann in den besten Jahren, der ein wenig zu tief ins Glas schaut. Um so erstaunlicher, dass ausgerechnet er von F. Osmos verpflichtet wird, einen Mord aufzuklären.

Dazu sollte man wissen, dass Osmos nicht nur unermesslich reich ist, sondern sich seinen eigenen, hermetisch abgeschotteten Staat, Kalino genannt, geschaffen hat. Wie es dort aussieht, was dort überhaupt geschieht, ahnt niemand.

Ein eigener Zug, der nur mit ihm besetzt ist, bringt Werkatzy nach Kalino. Osmos selbst eröffnet ihm, dass einer der ganz wenigen in Kalino lebenden normalen Menschen ermordet wurde. Die 2344 Kalinianer können nicht hinter dem Verbrechen stecken. Als potentiell Unsterbliche haben sie ganz anderes im Kopf, als sich um die Papiergesichter, wie die normalen Menschen angesichts ihrer Falten abschätzig genannt werden, zu kümmern.

So macht sich Werkatzy auf die Suche nach Motiv und Täter. Dass er dabei geschickt das enge Korsett, mit dem Osmos seinen Aufenthalt eingeengt hat, abstreift und seine Spürnase einsetzt, bringt ihn nur zu bald auf die Fährte - aber nicht etwa die des Täters! Nein, etwas viel Wichtigeres, Bedrohlicheres zeichnet sich ab, etwas, das die ganze Welt verändern kann ...

Liebevolles Spiel mit bekannten Charakteren in einer interessanten Umgebung

Der verlagsseitige Waschzettel verspricht dem Leser einen "einnehmend altmodischen Detektivroman". Und wirklich hat der Autor erfolgreich im Repertoire des klassischen Detektivromans gewildert. Mit Werkatzy stellt er uns einen sehr sympathisch gezeichneten Schnüffler der alten Schule vor, der sämtliche gängigen Klischees erfüllt. Dass er zudem nicht eben auf den Kopf gefallen ist, dass er neben pointiert-sarkastischen Anmerkungen auch jede Menge Intuition sein Eigen nennt, hilft ihm nicht nur bei seinen Aufträgen sondern macht ihn auch für den Leser interessant. Durch seine neugierigen Augen erforschen wir den scheinbar so perfekten Staat mit seinen unsterblichen Bewohnern.

Wie meist, wenn man hinter die Fassade schaut, hat auch dieses Utopia seine Makel, gibt es Abgründe und Befindlichkeiten, die gerade die Lenker im Hintergrund umtreiben. Dass einer aus ihrer erleuchteten Garde ermordet wurde, scheint undenkbar.

Auf der Suche nach dem Motiv nimmt die futuristische Welt der Kalinianer immer deutlicher Kontur an. Gespickt mit faszinierenden Einfällen gelingt es dem Autor trotz - oder vielleicht gerade wegen - der Kürze des Romans, dem Leser ein eindringliches Bild einer Kultur zu vermitteln, die gefangen ist in ihrer Gleichförmigkeit und ihrer steril wirkenden Umgebung. Kreativität, Gefühle, Spontanität bleiben auf der Strecke, statt dessen herrscht Einförmigkeit. - Bitte mehr davon!

(Carsten Kuhr, Oktober 2012)

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Radek Knapp, Piper

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