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Michael Drewniok
Schatzsuche im Teufelsdreieck des Alls

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 2020

Als Meisterpilot ist er längst ein Legende: Sobald Grainger in seinem Sessel sitzt, verschmilzt er förmlich mit dem Raumschiff, das er steuert. Auf der in dieser fernen Zukunft zunehmend an Bedeutung verlierenden Erde geboren, schloss er sich den zahllosen Auswanderern an. Als Händler haben Grainger und sein Bordkamerad, der Ingenieur Lapthorn, ihr Geld verdient und dabei Orte besucht, die selbst den meisten Raumfahrern unbekannt bleiben.

Das Glück hat sie schließlich verlassen. Auf einem namenlosen Planeten mussten Grainger und Lapthorn notlanden. Das Schiff wurde zerstört, der Ingenieur kam um. Zwei Jahre harrte Grainger allein aus, bis er gerettet wurde: Ein Schiff des „Caradoc“-Unternehmens missdeutete sein Notsignal als Rufzeichen des legendären Raumschiffs „Lost Star“, das vor acht Jahrzehnten im berüchtigten Halcyon-Nebel verschwand. Angeblich war dieses Schiff mit sagenhaften Schätzen beladen. Viele Abenteurer haben schon nach ihm gesucht, aber nur den Tod gefunden, denn der Halcyon-Nebel ist berüchtigt für seine Raumverzerrungen, die aus Navigation ein Glücksspiel machen.

Die Gesellschaft brummt Grainger die Kosten für die Rettung auf. In seiner Not tritt er in den Dienst einer Gruppe, die ebenfalls die „Lost Star“ bergen oder wenigstens ihre Fracht an sich bringen will: Endlich hat man das Wrack orten können. Um es mit dem neuen, aber wenig erprobten Raumschiff „Dronte“ zu erreichen und den Halycon-Nebel mit hoffentlich fetter Beute zu verlassen, bedarf es des besten Piloten überhaupt. Kühn muss er sein - oder so verzweifelt, dass er jedes Risiko einzugehen bereit ist …

Epik ohne Wort-Inkontinenz

Es war einmal und ist noch gar nicht so lang her, dass Science-Fiction-Romane im Allgemeinen und „Space Operas“ im Speziellen weniger als 200 Seiten zählen konnten, ohne dadurch an Wirkung und Unterhaltungswert einzubüßen. Zwar stellt „Das Wrack im Halcyon“ den Start einer geplanten Reihe dar, doch auch das ist heutzutage kein Hindernis, um 1000- und mehrseitige Druck-Garne auf protestierenden Leserbäuchen landen zu lassen.

Brian M. Stableford, der den genannten Band 1972 verfasste, bis 1975 fünf Fortsetzungen folgen ließ und weiterhin aktiv ist, hat sich dem offensichtlichen Zwang zum breitgetretenen Quark längst angepasst. „Das Wrack im Halcyon“ zeigt ihn in seiner schriftstellerischen Jugend, als er noch willens war, eine Geschichte dort abzuschließen, wo er die ihr zugrundeliegende Idee ausgeschöpft hatte.

Dabei dreht Stableford ein durchaus durchmesserstarkes Rad. Es geht um die Reise durch einen Weltraumsektor, in dem die Naturgesetze auf den Kopf gestellt sind. Nicht nur heiße Nebel warten auf unvorsichtige Raumschiffer, sondern auch Raum- und Zeitverzerrungen, die Stableford - hierzulande unterstützt von einer kompetenten Übersetzerin - wortgewaltig und eindrucksvoll zu beschreiben weiß, ohne sich in endlosen Wiederholungen daraus resultierender Manövrierprobleme zu ergehen.

Zukunft ohne Glanz

„Das Wrack im Halcyon“ ist ein Produkt der 1970er Jahre. Diese Zeit war ungemein wichtig für die Science Fiction. Sie wurde nicht mehr durch die simplen, naiven Wunschträume der Vergangenheit geprägt. Die Gegenwart hatte die SF eingeholt. Den irdischen Problemen konnte man offensichtlich auch zukünftig nicht entkommen. Der rein technisch definierte Fortschritt geriet in Verruf. Zerstörte, verschmutzte Umwelten, Globalisierung als raffiniert-tückisch verfeinerte Diskriminierung und Ausbeutung, politische Unfähigkeit und die Allmacht gieriger Konzerne: Was heute real geworden ist, verdichtete sich in den 1970er Jahren zur düsteren Ahnung.

Traditionelle ‚Werte‘ wurden kritisch hinterfragt. Autoritäten und Vorbilder gerieten ins Wanken, wurden als Egoisten und Blender erkannt. Für wenige Jahre schien es, als werde korrigiert, was man politisch, wirtschaftlich und vor allem sozial versäumt und ignoriert hatte. Dann kamen Reagan, Thatcher, Kohl & Co., und die positiven Ansätze mündeten in jenem Chaos, das wir nunmehr „Alltag“ nennen.

Aus inzwischen beachtlichem zeitlichem Abstand rührt Stableford deprimierend kundig an dieser Zukunft. Der pessimistische Grundton scheint angemessen, wenn er von einem Mann erzählt, der sich nicht in ein Gefüge einordnen will, das inzwischen eine ganze Galaxis erfasst, bei näherer Betrachtung jedoch nur konserviert, was aus naiver „Star-Trek“-Sicht längst überwunden sein sollte. Profitfixierte Handelsgesellschaften diktieren Gesetze und Regeln, Politiker und Wissenschaftler sind Erfüllungsgehilfen oder irrsinnige Idealisten wie Titus Charlot, der von galaxisweiter Vernetzung träumt und dafür skrupellos Menschenleben opfert. Grainger ist ein Zyniker, d. h. ein durch Erfahrungen gebeutelter Idealist. Sein ganzes Leben sucht er nach einem Ausweg aus jenem Hamsterrad, das auch in der Zukunft ein Leben jenseits von Normen und angemaßter Privilegien kennzeichnet.

Momente der Freiheit

Immerhin hat er ein Ventil gefunden: Grainger ist ein Raumpilot! Dies bedeutet weit mehr als ein Schiff von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Lange vor der digitalen Revolution entstanden, thematisiert Stableford zwar vage, aber in der Rückschau dennoch deutlich die geistige Verschmelzung von Mensch und Maschine. Grainger wird zum ‚Gehirn‘ der „Dronte“. Was dem Raumschiff ‚zustößt‘, teilt sich ihm mit: als körperlicher und geistiger Schmerz, aber auch als Gefühl einer Freiheit, die ihn durch das All ‚fliegen‘ lässt. Zwar ist Grainger von der Verwandlung in einer KI (Künstliche Intelligenz) weit entfernt, doch Stableford denkt bereits in diese Richtung.

Dieser Roman bietet keine ‚normale‘ Abenteuergeschichte, obwohl es um eine als Wettlauf geschilderte, gefahrenreiche Suche nach einem Schatzschiff geht. Geschickt lockt Stableford auf diese Weise Leser an, die eine typische „Space Opera“ erwarten. Sie werden keineswegs getäuscht, denn der Autor kennt das Instrumentarium dieses Subgenres. Stablefords Fantasie ist eindrucksvoll; wo andere/moderne SF-Autoren ihre Leser in vermeintlich epischer Breite mit außerirdischer Exotik förmlich erstickt hätten, begnügt sich Stableford mit einer konzentrierten Darstellung bizarrer Ökosysteme, ohne darüber den roten Faden zu verlieren. Selbstverständlich führt der Fund des Schatzes zu einer Handlungswende, die ebenfalls einschlägige Klischees unterläuft.

Ausgerechnet der mürrische Grainger wird zu einer Identifikationsfigur. Er findet und sucht die menschliche Nähe nicht. Obwohl er als legendärer Pilot bewundert (und beneidet) wird, können ihn die erlebten Wunder nicht fesseln. Momente der Selbstreflexion gestaltet Grainger geschickt als ‚innere‘ Diskussionen mit dem „Wind“, einem körperlosen Symbionten, der sich in Graingers Gehirn angesiedelt hat und ihm seine scheinbar allesumfassende Gleichgültigkeit gern vorhält. Sie werden sich auch weiterhin ausgiebig streiten - und es lohnt sich, dies lesend zu verfolgen: Stableford entwickelte jeden der sechs Zyklus-Bände auf dem Fundament einer nicht immer neuen, aber einfallsreich variierten Idee. Obwohl die von ihm geschilderte Zukunft schon lange vergangen ist, ist sie weiterhin einen Lektüre-Besuch wert.

Fazit:

Erster Band einer sechsteiligen SF-Serie, die einen eigenbrötlerischen Raumschiff-Piloten dorthin führt, wo er in abenteuerliche Schwierigkeiten gerät. Obwohl der Autor die Stilmittel der klassischen Science Fiction kennt und einsetzt, geht er weit darüber hinaus und zeichnet auch das (erschreckend aktuell gebliebene) Bild einer Zukunft, in welcher der sozioökonomische Fortschritt der Technik weit hinterherhinkt: ein Klassiker.

Das Wrack im Halcyon

Das Wrack im Halcyon

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