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Carsten Kuhr
Die einsamen Stars der Leinwand

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Dez 2012

Wir kennen sie alle, die neuen Helden unserer Zeit. Überlebensgroß schauen sie uns von den Plakatwänden an, die Hochglanzmagazine sind voll von Berichten und Bildern der Heroen unserer Zeit. Die Darsteller aktueller Kino-Blockbuster werden von Millionen Menschen auf der ganzen Welt angehimmelt und auf Händen getragen. Tief drinnen aber sind die Kino- und TV-Stars und Sternchen nur zu oft allein, vereinsamt und verzweifelt. Drogen, der ungezügelte Einwurf von Psychopharmaka oder das Leben auf der Überholspur sind oft, zu oft die Folge.

Parker ist einer dieser Stars. Als Magier Phoenix aus den Glamour-Filmen begeistert er die Massen. Die Mädchenherzen und die ihrer Mütter fliegen ihm zu. Bei der Premiere des dritten Teils der Elfensaga in London bricht er vor laufenden Kameras mit seinem Vater, dem er seinen rasanten, kometengleichen Aufstieg in der Publikumsgunst erst verdankt.

Ins Hotel zurückgekommen überrascht er Ash, die nicht nur als Zimmermädchen im Luxushotel arbeitet, sondern so nebenbei auch die verlassenen Suiten der Stars ausräubert. Der Deal scheint einfach - sie bringt ihn unbemerkt an den wartenden Reportern und Fans vorbei, er zeigt sie nicht an. Doch dann heftet sich ein mysteriöser Mann an ihre Fersen - ein Mann, der über Kräfte und Helfer verfügt, die nicht von dieser Welt sind, ein Mann, der einst mit Phoenix´ Vater einen Pakt geschlossen hat und der nun auf Einhaltung der Vereinbarung dringt, ein Mann, der von Parkers Ruhm auf seltsame Weise zehrt.

Unsere Zwei machen sich auf nach Südfrankreich. Hier, an der Côte d´Azur kommt es im Anwesen von Parkers Vater zum Eklat zwischen Vater und Sohn - bis der Verfolger erscheint und es wirklich dramatisch wird ...

Ein wahrer All-Age Klassiker - eine gelungene Mischung aus Horroelementen, Love-Story und Anspruch

Kai Meyers Bücher sind immer etwas Besonderes. Wie kein anderer deutscher Autor im Bereich des Phantastischen sucht und findet er immer wieder neue Themen, greift Strömungen auf und wandelt diese in etwas Eigenes, etwas typisch Meyersches.

Vorliegend beschäftigt er sich mit den Kinohelden und ihrem Starruhm. Dabei zeichnet er nicht nur markante, vielschichtige Figuren, sondern verwöhnt uns mit einer Handlung, die all das umfasst, was hip ist, dabei aber wie gewohnt eigene Wege geht.

Geschickt nutzt er seine beiden Erzähler, um uns durch ihre unterschiedlichen Welten, aus denen sie kommen, aufzuzeigen, dass sie innerlich gar nicht so unterschiedlich sind, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte. Während Ash innerlich verletzt und vorsichtig, ja verschreckt agiert und reagiert, trumpft Parker zunächst als strahlender Star auf. Dass er innerlich mindestens genauso einsam, allein und verlassen ist, dass der Medienrummel und das viele Geld auf dem Konto ihn nicht glücklicher gemacht haben, wird nie aufgesetzt, aber immer präsent thematisiert. Erfolg, Reichtum und Ruhm sind eher Garanten dafür, innerlich zu vereinsamen, als dass sie den Menschen, den sie erreichen, wirklich glücklich machen. Meyer nutzt seine packende Handlung dazu, uns die Vereinsamung, das Verlangen nach echter Zuneigung und Nähe der Stars, ja aller Menschen aufzuzeigen. Ash gelingt es im Verlauf ihrer Reise immer mehr, die Hülle, die Parker seiner Umwelt und sich selbst zeigt, zu durchschauen und das verkümmerte Wesen im inneren der prächtigen Verpackung zu erblicken. So ist dieser Roman in weiten Teilen ein Buch über Einsamkeit, über Verlassenwerden und über die Suche nach Akzeptanz, nach Wärme und Geborgenheit.

Verpackt hat der Autor dies einmal mehr in eine Handlung, die uns, obwohl im Hier und Jetzt angesiedelt, wahrhaft phantastisch entgegenkommt. Altgriechische Göttinnen und ihre Sendboten, Sukkuben und Inkuben und Wesen, die sich vom Ruhm anderer ernähren, vereinen sich zu einem Roman, der geschickt Elemente des Horror-Romans aufgreift und sie in einen anderen, einen neuen Kontext setzt.

Wie von Meyer gewohnt sprachlich herausragend überrascht er uns so nicht nur mit bestechenden Charakterzeichnungen, einer anrührenden, sich langsam entwickelnden Love-Story, sondern auch mit schockierenden Szenen. Das ist weit von einem reinen Jugendbuch entfernt, ein All-Age Roman im positiven Sinne, ein Buch, das bereichert, das nachdenklich stimmt, das innovativ unterhält - ein echter Kai Meyer eben!

(Carsten Kuhr, November 2012)

Asche und Phönix

Asche und Phönix

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Letzte Kommentare:
20.11.2013 14:31:38
Sarah Schemske

Der neue Roman von Kai Meyer bleibt weit hinter den Erwartungen zurück und reicht literarisch nicht an seine Vorgänger heran.

Die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten Parker (“Phoenix”) und Ash wird von einer bedeutungsschwangeren Aussage überschattet, der sie im Verlauf des Buches nicht gerecht werden kann. Parkers Freund und Schauspielkollege Lucien meint in weinseliger Vertrautheit, Parker sei der Phönix, der in der Asche wiedergeboren wird. Das ist reichlich viel verlangt von einer Beziehung, die bei diesem literarischen Roadmovie höchstens per Anhalter mitreist.

Zwischen skurrilen Figuren, die zu schnell auftauchen und wieder verschwinden, als dass sie dauerhaft im Gedächtnis bleiben könnten, einem Repertoire, das jedem billigen Horrofilm zur Ehre gereichen würde und allerlei Effekthascherei bleibt wenig Zeit, um die Hauptfiguren zueinanderfinden zu lassen. Hier hilft der Vorstellungskraft des Lesers nur das Klischee, um wenigstens einige der Lücken in der inneren Ausgestaltung der Protagonisten füllen zu können.

Mehr auf www.sarah-m-schemske.com/

13.02.2013 10:02:40
KitKat

Die Droge Ruhm
Sobald ich die erste Ankündigung dieses Buches gehört hatte, war klar, dass ich es mir kaufen würde; ich habe es mal wieder nicht bereut.
Ein Buch um die Gier nach Ruhm, verbunden mit Elementen aus der Welt der Mythen, Sagen und Phantastik. Verwoben zu einer spannenden, rasanten und abwechslungsreichen Geschichte, wie nur Kai Meyer es kann.
Ich habe das Buch quasi mal wieder in einem durchgelesen und kann es jedem nur empfehlen. Einziger Nachteil: Dieser Autor macht süchtig!

Sci-Fi & Mystery
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