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Carsten Jaehner
Kings Opus Magnum in Comicform

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Jan 2013

Stephen King, Großmeister des Horrors, überrascht immer wieder mit neuen Ideen. Neben seinen Kurzgeschichten und Fantasyromanen hat er in letzter Zeit vor allem auch durch seinen siebenteiligen Romanzyklus "Der Dunkle Turm" auf sich aufmerksam gemacht. Er selbst bezeichnet die Reihe als sein Opus Magnum und hat im Jahr 2012 mit "Wind" noch einen achten Roman nachgeschoben, der zeitlich zwischen dem vierten und fünften Teil angesiedelt ist.

Seit 2008 erscheinen auch Graphic Novels mit dem Titel "Der Dunkle Turm", die die Geschichte des Revolvermanns Roland Deschain erzählen und somit einem neuen Publikum öffnen. Jeden Monat erscheint in den USA ein neues Heft, in Deutschland werden sie zu dickeren Graphic Novels zusammengefasst, wodurch sie eigentlich diese Bezeichnung nicht verdienen, aber damit immerhin nah an der Wahrheit sind, solange es keinen treffenderen Begriff gibt.

Die Geschichte des vierten Romans "Glas"

Die erste Graphic Novel "Der Dunkle Turm" besteht aus sieben Teilen und erzählt die Geschichte des jungen, vierzehnjährigen Roland, wie er seinen Lehrer und Meister Cort besiegt und anschließend mit seinem Ka-tet, seiner Schicksalsgemeinschaft, auszieht, um einen Auftrag seines Vaters zu erledigen, der ebenfalls ein Revolvermann ist. Dabei trifft Roland auch auf seine erste grosse Liebe Susan Delgado und trifft auf Feinde und Widersacher, die es zu besiegen gilt.

Eigentlich soll Roland mit seinen beiden Freunden Cuthbert und Alain in Hambry Pferde für den Bund kaufen, was auch stimmt, aber eigentlich sollen sie den Pferdezüchterverband beobachten, in dessen Reihen sie Männer von Farson vermuten, der der grosse Feind des Bundes ist. In Hambry soll auch Öl für Farson verarbeitet werden, obwohl eigentlich niemand mehr genau weiß, wie das geht. Seit die Welt sich weitergedreht hat, ist nicht mehr alles so, wie es einmal war.

Die Graphic Novel erzählt hauptsächlich die Geschichte des vierten Romans der Reihe "Glas" (engl. "The Dark Tower IV: Wizard and Glass") aus dem Jahr 1997. Leser der Roman werden in der Graphic Novel von der Geschichte her nicht viel neues entdecken. Aber dennoch lohnt sich ein intensiver Blick, denn die Künstler, die diese Reihe gestalten, haben ganze Arbeit geleistet.

Der Meister hat die Oberaufsicht

Es ist natürlich immer ein Wagnis, einen Fantasy-Roman, bei dem jeder seine Fantasie spielen lassen kann, in einen "Comic" umzuwandeln, gibt man doch damit der Fantasie einen Rahmen vor, den sich der Autor vielleicht so nicht gedacht hat oder den man sich als Leser anders vorgestellt hat. Stephen King jedoch ist immer für Experimente zu haben und hat selbst schon länger mit der Idee gespielt, einen seiner Romane als Comic zu verfassen, und durch Kontakte bot sich die "Dunkler Turm"- Geschichte dafür an. Da er die Oberaufsicht über das Projekt hat, dürfte damit gewährleistet sein, dass die Novels nicht zu sehr von seiner Vorgabe abweichen.

Dadurch, dass die Jugendzeit Rolands erzählt wird, gibt King auch neuen Lesern die Gelegenheit, in die Romanwelt des "Dunklen Turms" einzusteigen, ohne die Romane zu kennen. Wobei Leser des Romanzyklus doch Vorteile haben werden, der Geschichte im Comic zu folgen, weil sie ein anderes Hintergrundwissen haben. Bemerkenswert ist aber auf jeden Fall die grafische Gestaltung der Geschichte. Die Zeichnungen selbst sind düster gehalten und haben nur selten helles Licht. Sobald einfaches Tageslicht herrscht, sind die Gesichter der Figuren nicht mehr oder nur unvollständig zu erkennen. Die gesamte Grundstimmung ist eher dunkel und unfreundlich, nebulös und geheimnisvoll und trifft im Ganzen die Stimmung der Romanreihe wieder. Die Figuren sind zwar von den Konturen her klar zu erkennen, es gibt eigentlich keine verwaschenen Bilder. Aber sie sind nie vollständig, und die Landschaften deuten oftmals mehr an, als sie wirklich zeigen. Damit wird der Fantasie des Lesers nicht allzu viel vorgegeben und man kann sich genügend dazu denken, wenn man es denn möchte und zulässt.

Düstere Grundstimmung

Ungewöhnlich ist auch die Aufteilung der Bilder. Es kommt in der Graphic Novel-Literatur nicht häufig vor, das einzelne Bilder nur über eine Lesezeile gehen und auf der nächsten Seite dann ein Bild über eine komplette Doppelseite geht. Die Aufteilung der Bilder ist auf jeder Seite anders, und es gibt niemals eine Bildzeile, in der mehrere Bilder vorkommen. Dadurch gibt es keine senkrechten, sondern nur waagerechte Bilder, eine Referenz an die Romane, wo man den normalen Text ja auch waagerecht liest. Die Sprechblasen sind recht klein und nehmen in den einzelnen Bildern nicht viel Raum ein, sodaß der Hauptaspekt tatsächlich auf den Bildern und nicht auf der Sprache liegt. Dabei wird die Sprache des Romans durchaus eingefangen, Kenner der Romane werden sich schnell mit dieser doch eigenen Sprache zurechtfinden, Neulinge werden sie wohl teilweise als gewöhnungsbedürftig empfinden.

Auffällig bei den Zeichnungen ist neben der düsteren Farbgebung vor allem auch, dass nie eine Figur mit offenem Mund gezeichnet wird, selbst wenn sie spricht. Offene Münder gibt es nur, wenn geschrieen oder gestorben wird, und beides passiert des öfteren in der Novel. Überhaupt wird an einem gewissen Realismus nicht gespart, Blutstropfen spritzen sehr häufig über die Bilder, und entstellte Menschen und Mutanten sind tatsächlich sehr hässlich geraten. Aber nun, der Autor heisst eben Stephen King, und wer ein Buch von ihm liest, weiß ungefähr, was ihn erwarten kann.

Ergänzt wird die Graphic Novel durch zwei Karten, einem Nachwort von Stephen King sowie einigen Variant-Covern zu den Comics und einem Malprozess als Beispiel, wie die Bilder entstanden sind, vom Illustrator Richard Isanove. Er und seine Kollegen Jae Lee (auch Illustraionen), Robin Furth und Peter David (Autoren) haben ganze Arbeit geleistet und eine gelungene Adaption der "Dunklen Turm"-Geschichte vorgelegt. Allerdings hätte man die Graphic Novel durchaus mit Seitenzahlen versehen können, die fehlen nämlich komplett.

Fans von Stephen King sollten der Graphic Novel eine Chance geben und sich auf sie einlassen. Auch wenn die Geschichte manchmal etwas wirr ist, so kann die Umsetzung durchaus als gelungen bezeichnet werden und die Neugier auf die weiteren Bänder ist geweckt. Gottseidank hat der Verlag auch ein stabiles Format gewählt, sodass sich die Graphic Novel auch in der Ausstattung gut im Bücherregal macht. Weiter so!

(Carsten Jaehner, Dezember 2012)

Der dunkle Turm (Graphic Novel)

Der dunkle Turm (Graphic Novel)

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