Die Festung der Titanen

Erschienen: Januar 2013

Couch-Wertung:

82°
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Carsten Kuhr
Das Finale ist in Sicht -packend, mitreissend, fulminant

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Jan 2013

Erinnern Sie sich an Mich – Havald der Name, an so manchem Lagerfeuer bin ich auch als der Wanderer bekannt, von den Göttern dazu ausersehen – ich selbst empfinde es eher als einen Fluch – die Welt vor dem Nekromantenkaiser zu retten und mich laut einer Prophezeiung dabei in mein eigenes magisches Schwert zu stürzen.

Über die Jahrhunderte habe ich unzählige Abenteuer erlebt, viel zu viele Schlachten geschlagen und Freunde verloren. Die Unsterblichkeit ist beileibe keine Gnade, eher ein Fluch und doch habe ich keine Wahl. Wer außer mir hat auch nur eine Chance den Seelenreiter, der sich zum Gott aufschwingen will aufzuhalten?
Doch um auch nur den Hauch einer Chance zu haben muss ich zunächst mit mit selbst ins Reine kommen. Leicht gesagt, dann mach´ doch sagen sie. Sie haben keine Ahnung, wie es ist, wenn man Jahrhunderte Lang das Wissen und die Gaben von Gegnern, die ich mit Seelenreisser umgebracht habe in sich gesammelt hat. Wer bin ich überhaupt, wer will ich sein und kann ich der Verlockung absoluter Macht widerstehen – in der vergessenen Stadt der Titanen kommt es am Grab eines Gottes zum ersten direkten Aufeinandertreffen zwischen dem Nekromantenkaiser und mir – und ich habe Angst, denn so unterschiedlich sind wir beide gar nicht …

Fantasy made in Germany – packend, mitreissend, fulminant

Über die Jahre hat sich die Saga um das Reich Askir, das der Autor unter dem Signet "die Götterkriege" fortsetzt, von einer an Rollenspielen angelehnten Fantasy-Reihe fortentwickelt. Immer breiter stellt der Autor seine Geschichte auf, hinter- und unterfüttert diese mit einem glaubwürdig ausgestalteten Götterkosmos, stellt uns immer neue Landschaften und deren kulturell unterschiedlichen Bewohner vor und unterhält dabei spannend und kurzweilig.

Vorliegend führt er die Saga auf eine neue Ebene. Damit meine ich nicht etwa, das direkte Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten, ja nicht einmal die Auflösung des Rätsels um den seit Jahrhunderten verschwundenen Kaiser von Askir, sondern, dass unser Protagonist, schon immer ein wenig zur Melancholie neigend, sich selbst, seine Rolle und nicht zuletzt seine Anfälligkeit der Versuchung der Macht zu erliegen, massiv hinterfragt. Hier nimmt der Plot fast schon philosophische Züge an, ohne dass darunter das Tempo oder die Handlung zu leiden hätten. Gemeinsam mit Havald stellt sich der Leser den Fragen – wer bin ich, warum bin ich, will ich so wie ich lebe leben, habe ich ein Selbstbestimmungsrecht über mein Schicksal, bin ich wirklich frei? Fragen, auf die auch Havald keine endgültige Antwort findet, die dem Roman aber weitere Tiefe verleihen.

Stilistisch weiterhin auffällig, dass der Autor es ganz bewusst vermeidet, moderne Begriffe in seinen Text aufzunehmen. Alle Figuren bedienen sich einer Sprache, die der archaischen Zeit angemessen und passend ist.

Der große Handlungsbogen bewegt sich deutlich auf das Finale zu. Zuvor aber gibt es noch eine kurze Zäsur, in der Wiesel, der Meisterdieb im Zentrum des Geschehens steht.

Nach wie vor präsentiert Richard Schwartz Fantasy Made in Germany wie sie packender und mitreissender kaum sein kann.

Carsten Kuhr im September 2013

Die Festung der Titanen

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