Das Geheimnis des
steinernen Monsters

Film-Besprechung von Michael Drewniok

Aus den Tiefen des Weltalls kommt der seltsame Meteorit, der im Süden des US-Staates Kalifornien einschlägt. Diese Region ist eine Wüste, in der kaum Menschen leben, weshalb zunächst niemand den Krater bemerkt. Ben Gilbert, ein Geologe aus dem Städtchen San Antonio, kommt zufällig an der Absturzstelle vorbei und steckt einen schwarzen, glänzenden Splitter ein, den er in seinem Labor untersuchen möchte.

Als Kollege Dave Miller am nächsten Tag von einer Dienstreise zurückkehrt, findet er das Labor verwüstet und voller Gesteinsbrocken vor. Ben lehnt tot an einer Wand; sein Körper hat sich praktisch in Stein verwandelt. Daves Freundin, die Lehrerin Cathy Barrett, erkennt voller Schrecken die Steinsplitter wieder; Bei einem Ausflug mit Schulkindern hat auch die junge Ginny Simpson so einen schwarzen Stein aufgelesen! Als sie und Dave (und Polizeichef Corey) zur Simpson-Farm hinausfahren, finden sie das Haus unter einer Steinlawine begraben, die Eltern tot und versteinert und Ginny in Schockstarre vor.

Spezialist Dr. Hendricks wird alarmiert, während Dave sich ratsuchend an seinen alten Mentor Professor Flanders wendet. Während Hendricks entdeckt, dass den Opfern sämtliches Silikat förmlich aus dem Körper gesaugt wurde, finden Dave und Flanders heraus, dass Wasser den mysteriösen Stein zum ‚Leben‘ erweckt: Er beginnt zu wachsen, sich zu ‚vermehren‘ und dem Boden, der Luft oder allen Lebewesen, die ihm zu nahe kommen, besagtes Silikat zu entziehen.

Ausgerechnet jetzt geht ein Regensturm über San Antonio nieder. Die in der Wüste verstreuten Splitter wuchern ins Gigantische. Sie folgen der Topografie der Landschaft und bewegen sich auf die Stadt zu, die sie unter sich begraben werden. Panik bricht aus, während Dave, Flanders, Cathy und ihre Mitstreiter fieberhaft nach einem Mittel fahnden, mit dem sich die marodierenden Monolithen stoppen lassen ...

Der Meister und sein Stellvertreter

Einige der schönsten und noch heute unterhaltsamen Phantastik-Filme entstanden in den 1950er Jahren für das Hollywood-Studio „Universal“. Gedreht wurden sie oft von Jack Arnold (1916-1992), einem ungemein produktiven und gleichzeitig einfallsreichen Regisseur, der Budgetschwäche durch Einfallsstärke wettzumachen wusste. Was einst in möglichst kurzer Zeit heruntergekurbelt wurde, um in den Kinos Kasse zu machen, ist heute zum Klassiker gereift, weil Arnold es verstand, nicht nur zeitgenössischen Wünschen und Ängsten Film-Gestalt zu verschaffen, sondern zeitlos kollektives Gedankengut anzuzapfen.

„It Came from Outer Space“ (1953; „Gefahr aus dem Weltall“), „Creature from the Black Lagoon“ (1954; „Der Schrecken vom Amazonas“), „Tarantula“ (1955), „The Incredible Shrinking Man“ (1957; „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“): Arnold schuf kleine Meisterwerke, die handwerkliche Produktionssorgfalt mit interessanten und gut erzählten Geschichten verbanden und viele Klischees abmilderten, weshalb ihnen das Alter nur wenig anhaben konnte.

Auch „The Monolith Monsters“ hätte Arnold wohl selbst inszeniert, wäre der vielbeschäftigte Regisseur nicht mit dem Lana-Turner-Film „The Lady Takes a Flyer“ („Immer Ärger mit den Frauen“) beschäftigt gewesen. Er übergab die Regie deshalb erneut seinem Assistenten John Sherwood, der im Vorjahr die zweite Fortsetzung der „Creature“-Trilogie („The Creature Walks Among Us“/„Das Ungeheuer ist unter uns“) realisiert hatte. Das Ergebnis zeugt davon, dass Arnold die Dreharbeiten trotzdem im Auge behielt.

Wolkenkratzerhohe Wandersteine wachsen wie wild

Von Jack Arnold (und Robert Fresco) stammt auch die Drehbuchvorlage. Sie belegt, wie geschickt Arnold mit oft überstrapazierten Genre-Formeln experimentierte. Nicht nur in den 1950er Jahren ging in der Kino-Science-Fiction die Gefahr meist von intelligenten, aber böswilligen Mächten aus, die durch das Weltall reisten, um die Erde und ihre Bewohner heimzusuchen. Schon in „Gefahr aus dem Weltall“ hatte Arnold dies relativiert und Außerirdische vorgestellt, die nur zufällig auf der Erde gestrandet waren und es tunlichst vermieden, sich hilfesuchend den schießwütigen Einheimischen zu offenbaren.

Nun ging Arnold einen Schritt weiter: Die Gefahr ist ein seltsames aber natürliches Phänomen - eine chemische Reaktion, der keinerlei Bewusstsein zugrunde liegt. Die steinernen ‚Monster‘ sind ungeheuerlich groß, doch ansonsten sind und bleiben sie simple Steine. Leben bedrohen sie in erster Linie, weil sie unkontrolliert wachsen und ein Format erreichen, das jegliche Gegenwehr verhindert. Da keine Splitter verstreut werden dürfen, die ihrerseits zu Monolithen heranwuchern würden, verbietet sich das übliche Gegenmittel dieser Ära: der Wurf einer Atombombe.

Wenn niemand den Hauptfiguren wissentlich nach dem Leben trachtet, entfällt ein traditionelles Spannungselement: Wie heldenhaft ist es, hirnlosen Steinen die Stirn zu bieten? Dieser Vorwurf wurde und wird gegen diesen Film erhoben. Wer alte, aber bequeme Hüte schätzt, freut sich dagegen über eine Geschichte, die zielstrebig auf den Punkt kommt, statt sich in gefühlsduseligen Abschweifungen zu verlieren. Keine Filmminute wird vergeudet. Als beispielsweise im Finale ein Staudamm gesprengt werden soll, der die örtlichen Zitronenplantagen wässert, wäre im ‚normalen‘ Hollywood-Film ein Aufstand wütender Farmer fällig, um die Detonation dramatisch, aber künstlich hinauszuzögern. Hier wird der Entschluss gefasst, Dynamit besorgt und der Staudamm in die Luft gejagt.

Auch eine Liebesgeschichte, die zu Lasten der eigentlichen Handlung ginge, fällt aus. Geologe Dave und Lehrerin Cathy sind bereits zusammen, als das Geschehen einsetzt. Sie ist keines der zeittypischen Hollywood-Weibchen, die entweder gerettet werden müssen oder in der Gefahr klammern. Die Abwesenheit einschlägiger Gefühlsduseligkeiten nimmt der Zuschauer wohlwollend zur Kenntnis.

Routine auf hohem Niveau

„Das Geheimnis …“ ist ein Film ohne hohes Budget. Doch er entstand in einer Ära, als Hollywood einer gut geölten Fabrik glich, die Unterhaltung kostengünstig, aber funktionstüchtig produzierte. Auch im „Universal“-Studio konnte man sich vor und hinter der Kamera auf Darsteller und Fachleute stützen, die es zwar nie zu Starruhm brachten, aber trotzdem gute Arbeit leisteten.

Grant Williams, Lola Albright, Les Tremayne: Schon damals waren ihre Namen den meisten Zuschauern unbekannt oder gleichgültig. Schauspieler wie sie waren Fließbandarbeiter des Filmgewerbes: Sie wurden besetzt und spielten ihre Rollen. Einprägen konnten sie sich nur wenigen Film-Nerds. Wer weiß, dass Grant Williams gerade die Hauptrolle in Jack Arnolds „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ gespielt hatte und der Regisseur noch Jahrzehnte später sein Talent lobte? Für „Das Geheimnis ...“ waren schauspielerische Routinen wichtiger. Die Rollen boten wenig Profil, doch die Darsteller gaben ihr Bestes. (In seiner winzigen Rolle als akademisch fachsimpelnder Meteorologe, der unter Auskunftsdruck heimlich aus dem Fenster schaut, um das Wetter ‚vorauszusagen‘, zeigt William Schallert, was er konnte.)

Die Spezialeffekte können mit dem CGI-Zauber des 21. Jahrhunderts einerseits natürlich nicht mithalten, während sie andererseits ihren Zweck weiterhin erfüllen. Auch hier waren Profis am Werk, die mit klassischen Matte- und Spiegeleffekten, Miniaturen oder Modellen überzeugende Illusionen schaffen konnten. Die ‚wachsenden‘ und umstürzenden Monolithen wurden mit einfachen Mitteln realisiert. Wie effektiv sie dennoch sind, belegt u. a. eine Panorama-Aufnahme, die über San Antonio dorthin in die Ferne geht, wo sich die Riesen-Felsen lawinenartig auf die Stadt zuwälzen. Die beinahe dokumentarische Schwarzweiß-Kamera unterstützt solche Eindringlichkeit; im Zeitalter allgegenwärtiger Farbe vergisst man, wie klar auf Licht und Schatten nicht reduzierte, sondern konzentrierte Bilder sein können.

Sehenswürdige Wiederkehr eines Klassikers

John Sherwood war seit 1936 als „Second Unit Director“ oder „Assistant Director“ beschäftigt: Er drehte jene Szenen, in denen die Hauptdarsteller nicht auftauchten. „Das Geheimnis ...“ war erst sein dritter Film als Hauptregisseur, und es blieb sein letzter, denn Sherwood starb bereits 1959 im Alter von nur 56 Jahren. Gerade die nüchterne Fokussierung auf die Story ist ein Pfund, mit dem „Das Geheimnis ...“ trotz nicht zu leugnender Schwächen wuchern kann. Es ist auch in der Filmgeschichte keineswegs alles Gold, was glänzt. Umgekehrt verbirgt sich hinter manchem scheinbar matten Kiesel wie dem „Geheimnis des steinernen Monsters“ eine angenehme Überraschung.

In die deutschen Kinos hat es dieser Film seltsamerweise nie geschafft. Erst 1970 erfuhr „Das Geheimnis ...“ seine deutsche Erstaufführung im Fernsehen. In dieser Vergangenheit wurde noch Wert auf handwerkliche Qualität gelegt, weshalb der Film ausgezeichnet synchronisiert wurde.

2011 wurde „Das Geheimnis ...“ in der dem unterhaltsamen Kino-Trash gewidmeten Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“ von Anolis-Entertainment als DVD und später als Blu-ray herausgebracht. Während der Ton schwachbrüstig blieb, wurde das Bild in vorzüglicher Qualität sowie im originalen Breitformat präsentiert. Hinzu kommen zahlreiche Extras, darunter zwei Audiokommentare mit interessanten Hintergrundinformationen, das erwähnte Lob für Grant Williams oder ein zwanzigseitiges Booklet.

Mit korrigiertem HD-Bildformat, ergänzendem Bonusmaterial und Booklettext von Ingo Strecker, wurde „Das Geheimnis des steinernen Monsters“ von Anolis erst im Juni 2025 in drei verschiedenen Mediabook-Ausführungen erneut veröffentlicht.

Fazit

Die ungewöhnliche Idee wird zügig und spannend umgesetzt, die Darsteller leisten solide Arbeit, die Spezialeffekte sind sorgfältig, der Film ein Beispiel für gutes, routiniertes B-Kino der 1950er Jahre und noch heute sehenswert.

Lieblingsfilm
und Lieblingsserie

Nicht zuletzt durch den Erfolg der Streamingdienste ist die Anzahl von Filmen und Serien rund um die Phantastik im TV - als Serie oder Film - enorm gestiegen. Und ebenso ist Bandbreite vielfältiger denn je. Habt ihr derzeit einen Lieblingsfilm oder eine Lieblingsserie? Oder gibt es sogar einen "All-Time-Favorit" - einen Film oder eine Serie, die ihr immer wieder schauen könnt?

zum Forum