Cibola brennt (The Expanse 4)

Erschienen: April 2018

Couch-Wertung:

78°
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Carsten Kuhr
Was soll man tun, wenn der Planet auf dem man steht, einen umbringen will? (S. 329)

Buch-Rezension von Carsten Kuhr Mai 2015

Alles nahm seinen Anfang damit, dass auf Eros ein außerirdisches Protomolekül damit begann, menschliche DNA umzuschreiben und sich so auszubreiten. Eine unbekannte, aber offensichtlich intelligente Rasse hatte die Menschheit gefunden und wollte Kontakt aufnehmen. Damals wurden Holden und seine Crew an Bord der Rosinante zu Helden. Allen Widrigkeiten zum Trotz schafften sie es, einen verheerenden Krieg zwischen dem Mars, den Gürtlern und der Erde zu verhindern. Danach fanden sie ein interstellares Portal, das zu den von den verschwundenen Aliens erschlossenen Welten führt.

Eine erste Welt, Newterra oder Ilus genannt, wurde illegal von Kolonisten besetzt, der Konzern, der von der UN den Zuschlag erhielt, Ilus zu erforschen und die dort vermuteten Bodenschätze zu heben entsendet ein eigenes Raumschiff. Schon beim Anflug des ersten Shuttles kommt es zur Katastrophe. Das anfliegende Schiff wird Opfer einer verheerenden Explosion, der bald darauf weitere Gewalttaten folgen. Erde und Mars entsenden die Rosinante um zu vermitteln.

Auf Ilus angekommen muss Holden erkennen, dass nicht etwa der unberechenbare Anführer der Konzernsicherheit sein gefährlichster Gegner ist, sondern die Überbleibsel der verschollenen Aliens, deren Technologie auch Jahrmillionen nach ihrer in Dienststellung noch funktioniert – und die in den Menschen eine Bedrohung sieht, die es auszumerzen gilt ...

Routiniert geschrieben, doch so wirklich geht es nicht voran

Wie bekannt stecken hinter dem Pseudonym James Corey die bekannten Autoren Daniel Abraham und Ty Franck. Seitdem sie ihren Erstling – Leviathan erwacht – veröffentlicht haben, überschlugen sich die Lobeshymnen von Lesern wie Rezensenten, die ihnen die Erneuerung der Space Opera zutrauen. Nun sind sicherlich auch andere Autoren versiert und bereit dem bekannten Science Fiction Kanon ihre eigene Schöpfung beizufügen, man muss Corey, um bei dem Pen-Name zu bleiben, aber attestieren, dass sich die Romane durchaus packend und interessant lesen.

Mittlerweile zum vierten Mal stehen dabei der kantige Protagonist Holden und seine Crew im Zentrum des Geschehens. Und mittlerweile kennen wir die Figuren, so dass sich die Autoren zunächst auf die Beschreibung der Zustände in der illegalen Kolonie konzentrieren. Hier prallen Welten aufeinander. Auf der einen Seite stehen die Flüchtlinge, die der Not gehorchend nach dem Strohhalm greifen und auf einem fremden Planeten eine Niederlassung gründen. Ob ihnen hier durch die fremde Flora und Fauna Gefahr droht ist ihnen zunächst gleich, hier geht es um irgendeine Zukunft für sie und ihre Kinder. Dass diese dann radikalisieren, als einer der verhassten Konzerne seine Vertreter entsendet, um die teuer erworbenen Rechte zu sichern ist nachvollziehbar, dass sie allerdings Menschen töten überschreitet eine Grenze. Die Vertreter des Konzerns werden dabei sehr ambivalent gezeichnet. Da gibt es durchaus Sympathieträger insbesondere unter den Wissenschaftlern, dominiert wird diese Gruppe aber durch den brutalen Anführer des Sicherheitsteams.

Die beschriebene Situation ist uns aus anderen Romanen bekannt, hier wartet trotz aller Dramatik wenig wirklich Überraschendes auf uns. Erst mit dem Eintreffen der Rosinante ändern sich die Verhältnisse markant. Plötzlich beginnen die Hinterlassenschaften der Aliens eine Rolle zu spielen, nimmt eine diffuse, dabei aber im deutlicher werdende bedrohlichere Gefahr Gestalt an. Im letzten Drittel des Ziegelsteins von einem Buch überschlagen sich dann die Ereignisse.
Es gibt Action non-stop, immer wieder finden sich die Crewmitglieder der Rosinante in aussichtslosen Situationen wieder, werden sie bedroht, angegriffen und verletzt. Das Tempo nimmt hier, nach dem doch eher beschaulichen Beginn rasant zu, so dass man die Seiten gar nicht schnell genug umblättern kann.

Fans der Reihe werden auch vorliegend wieder begeistert sein, Neuleser können den Roman auch ohne die Vorkenntnisse goutieren, werden aber mit vielen Verweisen und Anspielungen ihre Mühe haben. Insgesamt aber ist anzumerken, dass wir der verschollenen Alienrasse nach wie vor nicht wirklich näher kommen, wenngleich wir Hinweise auf den Gegenspieler, der für das Verschwinden verantwortlich zeichnet zum ersten Mal wirklich greifbar präsentiert bekommen.

So ist dies ein Roman, der gut, zum Teil packend unterhält, der aber gegenüber den ersten Teilen der Saga ein wenig abfällt, da er sich für meinen Geschmack ein wenig zu sehr auf das Fernduell Holden versus Konzersicherheitschef konzentriert.

Cibola brennt (The Expanse 4)

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