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Michael Drewniok
Besuch von Toten: Topper lebt auf

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jan 1970

Cosmo Topper sieht sich am Beginn seines vierten Lebensjahrzehnts in der Falle einer etablierten, aber sinnlosen Existenz. Er lebt in einer Kleinstadt in der US-Provinz, wo er mit seiner langweiligen Gattin Mary zum langweiligen Establishment gehört. Topper verdient gut in seinem ereignisfreien Job als Bankangestellter und ist gerade wegen seiner Berechenbarkeit der Liebling des Chefs, der sich von ihm nicht bedroht fühlt: Topper zeigt keinerlei beruflichen Ehrgeiz, sondern ordnet sich unter.

Doch es gibt einen anderen, geradezu abenteuerlustigen Topper, der sich irgendwann nicht mehr unterdrücken lässt. Cosmo bricht aus; er kauft den wieder aufgebauten Sportwagen, in dem das Ehepaar George und Marion Kerby vor einigen Monaten den Unfalltod fand. Aus der Ferne hatte Topper die lebenslustigen, stets gutgelaunten (und angetrunkenen) Kerbys bewundert und beneidet.

Der Wagen soll ihm aus der Lebenskrise helfen, doch Topper wird zunächst enttäuscht. Gattin Mary hasst die Neuerwerbung, und die Gesellschaft ist irritiert. Das trotzig geliebte Gefährt erweist sich als zu allem Überfluss als Magnet, der die zwar toten, aber nicht ins Jenseits aufgestiegenen Kerbys auf den Plan ruft: Als Geister erscheinen sie dem zunächst entsetzten Topper, dessen wohlgeordnetes Leben sie in der Folge gründlich auf den Kopf stellen.

George und Marion haben ein leichtes Opfer gefunden. Obwohl Toppers Ehe und sein Ruf Schaden nehmen, beginnt er die Abenteuer, die ihm die Kerbys bescheren, zu genießen. Dabei gibt es Schattenseiten: Weil sich weder George noch Marion wie ‚richtige‘ Geister verhalten, sondern sich (unsichtbar) auch anderen Zeitgenossen deutlich bemerkbar machen, gerät Topper immer wieder in akute Erklärungsnöte, denen er nicht so leicht entkommt wie seine flatterhaften Gefährten ...

Ein Leben, schlimmer als der Tod

Humor und Geisterspuk: Kann das zusammenpassen? Thorne Smith beweist einen Gleichklang, der bei näherer Betrachtung nicht überraschen sollte: Humor kann seltsame, sogar bizarre Formen annehmen, ohne seine grundsätzliche Wirkung einzubüßen. Mischt man ihn dort ein, wo er wesensfremd erscheint, kann er sogar helfen, die emotionale Wirkung zu verstärken.

Smith hat dies begriffen und die eigentlich traurige Geschichte eines Mannes in der Midlife-Crisis mit einer Geistergeschichte verquickt, die jeglichen Gruselaspekt vermissen lässt. Gespenster sind auch Menschen, so lautet die Botschaft des Verfassers, und in diesem Fall sind die Kerbys sogar die besseren Menschen, da sie ungeachtet bzw. aufgrund ihres Lotterlebens dem einsamen, traurigen Cosmo Topper einen Ausweg aus seiner limitierten Existenz weisen.

Nicht nur dieses Mal griff Smith auf die Figur des mittelalten, gesetzten, fest im lokalen Establishment verwurzelten und somit ‚ehrbaren‘, gleichzeitig jedoch unzufriedenen, unglücklichen Mannes zurück, der einerseits begreift, in welche Sackgasse er geraten ist, während andererseits das Übernatürliche für einen Ausweg sorgen muss: Ein festgefahrener Mensch benötigt manchmal einen kräftigen Startimpuls, um wieder Fahrt aufzunehmen. Smith führt Topper als Langeweiler ein, in dessen Hirn ein Rest jugendlichen Ungestüms wie die Fliege im Netz der Spinne zappelt. Wir lernen ihn kennen, als er sich planlos um Freiheit bemüht. Zunächst fällt ihm nichts Besseres als die Nachahmung ein: Das Auto der Kerbys wird für Topper zum Fliegenden Teppich, der ihn aus der Niederung seines öden Daseins tragen soll.

Alles hat Konsequenzen

Erwartungsgemäß erleidet Topper Schiffbruch. Der Gegenwind des Mainstreams ist stark, kann ihn allerdings auch nicht in sein altes Fahrwasser zurücktreiben. Topper dreht buchstäblich weitere Kreise und stößt dabei auf die Kerbys, denen es ironischerweise wie ihm geht. Aus Gründen, die nie geklärt werden (und im Rahmen dieser Geschichte belanglos sind), haben die Kerbys den ‚Aufstieg‘ ins ‚echte‘ Jenseits nicht geschafft. Man darf annehmen, dass sie allzu fest im Irdischen verwurzelt sind, denn ihr Benehmen belegt den ungebrochenen Hang zu hartem Alkohol und lockeren Sitten.

Ausgerechnet Topper wird den Kerbys zum Anker im Diesseits. Damit ist eine Zufallsgemeinschaft entstanden, deren Lebenshunger sich nicht linear, sondern exponentiell erhöht. Vor allem Topper hat endlich jemand gefunden, der ihm einen alternativen Lebensstil aufzeigt, wobei dies komödiendramaturgisch mit ständigen Zwischenfällen und Problemen verbunden ist: Selbstverständlich sperrt sich das System gegen Quertreiber.

Aber Topper lernt dazu. Das einst so gefürchtete Risiko scheut er nicht mehr, sondern wird geradezu süchtig danach. Topper lebt seine unterdrückten Freuden immer ungehemmter aus. Dazu gehört auch, dass er mehr als ein Auge auf die hübsche Marion wirft, zumal diese sich ansehnlich materialisieren kann, wenn sie möchte. George scheidet zwischenzeitlich aus der Handlung aus, und Marion zeigt sich einem Techtelmechtel nicht abgeneigt. Doch die Moral ereilt dezent, aber deutlich auch diese lockere Geschichte: Nicht nur Topper, sondern auch die Kirbys lernen, dass es weder im Leben noch im Tod Hintertürchen gibt, durch die man seinen Problemen entkommen kann. Man muss sich ihnen stellen und sie lösen, auch wenn dies bedeutet, dass die erhoffte Belohnung ausbleibt.

Lektion gelernt

Nicht nur die zeitgenössischen Moralvorstellungen hätten einen echten Ausbruch nicht gestattet. Topper bleibt also treu, die Kirbys versöhnen sich und steigen letztlich doch ins Nirwana auf. Immerhin hat sich Topper seinen Freiraum geschaffen, den er nicht mehr hergeben wird. Er geht aktiv sein Leben an, reißt sogar die trübtassige Gattin mit, zeigt den öden Ortshonoratioren die kalte Schulter, bleibt also nicht wie der sprichwörtliche Schuster bei seinen Leisten, sondern sorgt für Veränderungen dort, wo ihm keine Geister (mehr) zur Seite stehen.

Das mag aus heutiger Sicht ein fauler Kompromiss sein, wird aber abgefedert durch die plausible Figurenzeichnung: Topper findet glaubhaft seine Freiheit, ohne dabei jeden Bodenhalt zu verlieren. Er benötigt die Kirbys nicht mehr und ist erwachsen auf eine Weise geworden, die dem Selbstbewusstsein mehr Raum als der Anpassung gibt.

Bis es soweit ist, sorgt Smith für eine Lernkurve, die für Topper hart und holprig, für uns Leser jedoch unterhaltsam ist. Seit jeher amüsiert es, wenn allzu bzw. ausschließlich standesbewussten = dünkelhaften Zeitgenossen die Luft abgelassen wird. Obwohl die Kirbys nie bösartig, sondern übermütig sind, reagieren ‚normale‘ Menschen auf ihren ‚Anblick‘ voller Angst oder mit Unglauben. Topper verschärft die daraus resultierenden Schwierigkeiten, indem er das Geistertreiben überspielen oder verbergen will, was nie gelingt, sondern eine Kettenreaktion sich aufschaukelnder Ereignisse nach sich zieht. Smith beherrscht diesen Slapstick, obwohl ‚sein‘ Humor aus heutiger Sicht womöglich zu ‚sanft‘ ist: Zynismus und Schwarzhumor gibt es hier nicht, aber beide vermisst man nicht, wenn man sich auf dieses Garn einlässt.

„Topper“ in Film und Fernsehen

Obwohl „Topper“ ein erfolgreicher Roman war (und 1932 die Fortsetzung „Topper Takes a Trip“, dt. „Topper geht auf Reisen“ folgte), dauerte es zehn Jahre, bis Hollywood den Stoff aufgriff. Komödien-Spezialist Norman Z. McLeod drehte „Topper“ (dt. „Topper - Das blonde Gespenst“ bzw. „Zwei Engel ohne Flügel“) 1937. Der heute vergessene, damals ungemein populäre Roland Young mimte Topper, Constance Bennett und der gerade zum Star aufsteigende Cary Grant spielten Marion und George Kirby.

„Topper“ gilt inhaltlich, formal und schauspielerisch als Klassiker der Hollywood-Komödie (und war 1985 der erste Schwarzweiß-Film, der koloriert wurde), glänzte an den Kinokassen und wurde folgerichtig fortgesetzt. „Topper Takes a Trip“ („Topper geht auf Reisen“) folgte 1938. Drei Jahre später vollendete „Topper Returns“ („Das Gespensterschloss“/„Die merkwürdigen Abenteuer des Mr. Topper“) - nicht mehr auf einer Romanvorlage, sondern auf einem eigens für diesen Film verfassten Drehbuch basierend (aber noch einmal mit Roland Young in der Titelrolle) - die Trilogie. 1953 entstand eine 78-teilige TV-Serie mit Leo C. Carroll als Topper, 1979 ein TV-Spielfilm, der qualitativ jedoch mit den Vorkriegsfilmen nicht mithalten konnte.

Fazit:

Klassiker der humorvollen Phantastik, dessen Autor den ‚Helden‘ aus den Gleisen einer allzu geregelten Existenz springen und seinen Träumen folgen lässt: noch immer witzig, nostalgisch altmodisch und gut übersetzt.

Topper

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