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Michael Drewniok
Irdisches Chaos nach dem Abschied überforderter ‚Götter‘

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mär 2019

Vor knapp einem Jahrzehnt musste die Geschichte der Menschheit neu geschrieben werden. Der Fund eines gewaltigen Roboters - „Themis“ genannt - enthüllte, dass die Erde 6000 Jahre zuvor Besuch von einem Forscherteam der außerirdischen, jedoch sehr menschenähnlichen Ekt erhalten hatte. Diverse Mitglieder verstießen gegen den strikten Nichteinmischungs-Kodex ihres Volkes und ‚mischten‘ sich mit den Erdmenschen‘. Nachkommen dieser ‚Ekt-Menschen‘ haben seither den Zivilisationsprozess unauffällig begleitet und beschleunigt.

Die Menschen konnten Themis aktivieren und erregten damit die Aufmerksamkeit der Ekt, die ihren Fehler korrigieren = die genetisch ‚verseuchte‘ Menschheit ausrotten wollten. Sie schickten zahlreiche Gigant-Roboter zur Erde, die dort gewaltige Zerstörungen anrichteten und 100 Millionen Menschen töteten. Dann verschwanden sie, nahmen aber nicht nur Themis, sondern auch die menschliche Besatzung mit auf ihren Heimatplaneten Esat Ekt. Die Physikerin Dr. Rose Franklin, der Themis-‚Pilot‘ Vincent Couture, seine Tochter Eve und der (später verstorbene) General Eugene Govender wurden als Neubürger aufgenommen, aber nie wirklich integriert.

Neun Jahre hat es gedauert, um einen Rückweg zur Erde zu finden. Dort finden die Rückkehrer eine Welt am Rande des Abgrunds vor. Die USA konnten einen zerstörten, von den Ekt zurückgelassenen Roboter - „Lapetus“ - reparieren und zwingen dank seiner Zerstörungsmacht die meisten Länder der Erde unter ihre Knute. Russland leistet Widerstand und ist zum Atomkrieg bereit, den auch Lapetus nicht verhindern könnte. Als Franklin, Couture und Eve mit Themis zur Erde zurückkehren, sehen die Russen die Chance, der US-Diktatur ein Ende zu bereiten. Die Heimkehrer geraten zwischen die Fronten. Während Franklin und Eve in die USA zurückkehren, schlägt sich Couture vorgeblich auf die Seite der Russen. Verzweifelt versucht man zu verhindern, was quasi feststeht: Themis und Lapetus werden gegeneinander antreten, und dieser Kampf wird einen vernichtenden Weltkrieg auslösen …

Unverhoffter Richtungswechsel

Die Trilogie bietet die Möglichkeit, eine sehr lange Geschichte in Etappen zu erzählen, ohne ihre Leser unter der Wucht der Gesamtstory zu begraben. Allerdings gibt es wenige Stoffe, die über eine solche Distanz tragen. Vielen Autoren geht unterwegs der Atem aus. Statt einem roten Faden zu folgen, schlagen sie eine neue Richtung ein und folgen einem neuen Plot. Das geht selten gut, weil es die Erwartungshaltung des Publikums enttäuscht.

Sylvain Neuvel reiht sich mit dem Abschlussband seiner „Themis“-Trilogie in diese nicht unbedingt illustre Autorenschar ein. Mit einem furiosen Auftaktband hatte die Latte so hoch gelegt, dass er sie schon mit der Fortsetzung riss. Neuvel tappte in eine alte, aber zeitlos scharfe Falle: Er hatte eine ausgezeichnete Idee und brachte sie in Schwung. „Giants“-Band 1 ist ein Füllhorn fesselnder Rätsel und sich überstürzender Ereignisse. Die ungewöhnliche Form der Darstellung übertünchte, dass Neuvel in ein bekanntes Horn stieß: Außerirdische Artefakte werden seit Jahrzehnten von SF-Autoren über die Erde verstreut. Neuvel ‚erzählt‘ episodisch und legt in chronologischer Reihenfolge, aber gewollt lückenhaft fiktive Protokolle, Tagebucheinträge, Regierungs- oder Geheimdienstdokumente u. a. ‚Primärquellen‘ vor, die sich in ihrer Gesamtheit zur eigentlichen Story formen.

Was zu Beginn neu war und fesseln konnte, hat seine Wirksamkeit keineswegs eingebüßt. Der Überraschungs- bzw. Aha!-Effekt ist jedoch verflogen. Das könnte Neuvel ausgleichen, würde er seine Geschichte so zügig wie zu Beginn vorantreiben. Doch schon im zweiten „Giants“-Band stotterte der Story-Motor gewaltig. Die Ekt kamen, sahen und siegten. Im dritten Band erwarteten die Leser jene Entscheidungsschlacht, die zumindest der deutsche Untertitel ankündigt.

Zurück auf Anfang = Weltkrieg 3?

Stattdessen verschwinden die Ekt von der Bild- bzw. Erdoberfläche. Die Menschheit ist wieder unter sich. Zwei Ekt-Roboter stehen sich stellvertretend für jene Machtblöcke gegenüber, die um den Weltfrieden ringen, aber die Weltherrschaft meinen. Das ist durchaus eine fesselnde Konstellation. Neuvel fällt jedoch nicht genug ein, um einen dritten Band substanziell zu füllen. Vor allem im Mittelteil wird der Konflikt nicht zügig und spannend vorausgetrieben, sondern verschleppt.

Nicht wirklich relevant bzw. zu ausufernd sind die Rückblenden auf jene neun Jahre, die Franklin, Couture und Eve auf Esat Ekt verbrachten. Neuvel bemüht sich, mit allzu ausgelaugten Alien-Klischees zu brechen, ohne sie durch originelle Einfälle ersetzen zu können. Dass er einen ‚tragischen‘ Konflikt zwischen Vater Vincent und (pubertierender) Tochter Eve inszeniert, wirkt wie die Vorbereitung auf eine spätere Verfilmung. Früh wird deutlich, worin das Missverständnis zwischen Vater und Tochter besteht. Der Rest ist Gezeter, das sich im Kreis dreht. Dies mag der Realität entsprechen, ist aber dort fehl am Platz, wo es mit der eigentlichen Geschichte vorangehen sollte.

Die nimmt erst im letzten Drittel Fahrt auf. Im Mittelpunkt steht eine Menschheit, die durch das Wissen um die Ekt und ihre Supertechnik an den Rand der Selbstvernichtung gebracht wird. Punkten kann Neuvel abermals mit seinem prägnanten, spöttischen Blick auf eine nahe Zukunft, die logisch weiterzuspinnen scheint, was Putin, Trump & Kim vorbereiten: Nationalistische Kurzsichtigkeit und persönliche Eitelkeiten schwächen ein Fundament, auf dem ein ohnehin labiler Weltfriede nicht ruhen kann. Wie Neuvel entsprechende Vorgaben aufgreift und entwickelt, macht einen Großteil des Lektürevergnügens aus, das der „Letzten Schlacht“ keineswegs abzusprechen ist.

Dies liegt auch an dem Twist, den die Handlung im Finale schlägt. Neuvel erweist sich als Zyniker (bzw. Realist): Dass die Menschheit sich nicht zerstört, ist das Ergebnis eines Tricks, während Verhandlungen u. a. ‚rationale‘ und ‚ehrliche‘ Methoden der Konfliktbeilegung scheiterten. Neuvel weiß, aus welcher Richtung der aktuell übelriechende Wind der Globalpolitik weht. Auch die ‚Guten‘ müssen sich dem anpassen, weshalb Couture, Franklin und Eve als Retter der Welt immer wieder zu schmutzigen Mitteln greifen: Niemand trägt mehr weiße Westen, der ergaukelte Frieden ist brüchig, weshalb Autor Neuvel im Nachwort bereits darüber nachdenkt, die „Giants“-Trilogie zu einer Serie auszubauen …

Fazit:

Teil 3 der „Giants“-Trilogie führt die Ereignisse nicht bruchlos fort, sondern setzt neu an. Es dauert, bis das Konzept greift und letztlich aufgeht. Der Mittelteil lahmt, und ein klischeehafter Vater-Tochter-Konflikt nimmt zu viel Raum ein. Im Finale überschlagen sich spannend die Ereignisse, weil Autor Neuvel die Fäden fest in die Hand nimmt und die Trilogie in ihr zufriedenstellendes Ende führt.

Giants - Die letzte Schlacht (Giants 3)

Giants - Die letzte Schlacht (Giants 3)

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