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Marcel Scharrenbroich
Naturbursche

Buch-Rezension von Marcel Scharrenbroich Apr 2019

Auf gute Freunde… PROST!

Als David und seine Schwester eine Einladung von einem alten Schulfreund bekommen, sind beide ziemlich überrascht. Obwohl Miriam und Caspar damals ein Paar waren, hatte wohl selbst sie nicht damit gerechnet, noch einmal von dem Verflossenen zu hören. Zumal seit früher einige Zeit ins Land gestrichen ist und Miriam glücklich mit Ethan und dem gemeinsamen, vierjährigen Sohn Vincent zusammenlebt. Auch wenn Caspar bereits in der Jugend ein komischer Kauz war und die Beziehung mit Miriam nicht gerade für Begeisterungsstürme gesorgt hatte, willigen die Geschwister ein, den alten Freund zu seinem Geburtstag zu besuchen.

Caspars Feier findet in einem ländlich gelegenen Gasthof statt, was eine mehrstündige Autofahrt von Miriams Heim in Anspruch nimmt. Beide sind gespannt, wie sich Caspar im Laufe der Jahre verändert hat. Ist er immer noch der introvertierte Einzelgänger, dessen überschaubaren Freundeskreis er sich sorgsam auswählte? Immer noch der Typ, der gerne aneckt und sich herzlich wenig darum schert, was andere denken? Das erste Aufeinandertreffen seit einer gefühlten Ewigkeit deutet dieses an. Charmant, aber auch irgendwie der Gleiche, wie zu Schulzeiten, empfängt er die Geschwister und gibt den Startschuss für einen gesellige Feier, mit ein paar bekannten und vielen neuen Gesichtern.

Der letzte Drink des Abends – ein unbekanntes, schmackhaftes Gebräu nach einer speziellen Mischung des Gastgebers – ist für Miriam und David der wortwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. David erwacht am nächsten Morgen in einer ihm unvertrauten Umgebung und ein Blick aus dem Fenster verrät ihm, dass es sich nicht um die Pension handelt, in der er mit seiner Schwester ursprünglich übernachten wollte. Viel zu groß erscheint das Gebäude, welches eher einem Schloss ähnelt. Mit einem ordentlichen Brummschädel macht David sich auf, um herauszufinden WO er hier ist… und WIE er hierhergekommen ist. Miriam, die in einem anderen Zimmer erwacht, geht es ähnlich. Kompletter Filmriss und keine Ahnung, wer der Hauswirt ist, der ihnen sein übergroßes Quartier zur Verfügung gestellt hat… doch beide haben da so eine Vermutung.

„Ich hab da so ein verdammt mieses Gefühl…“

…dachte ich mir unentwegt, als ich David bei seiner Erkundungstour durch das riesige Anwesen mucksmäuschenstill folgte. Ein wohliges Gruseln, Unbehagen und das Gefühl permanenter Bedrohung stellten sich beim Lesen ein und als wäre ich dabei, wenn sich langsam durch die nächtlichen Gänge getastet und jede Tür nach einem Ausweg überprüft wird, versuchte ich, mich möglichst ruhig zu verhalten. Bloß keinen Lärm machen und schlafende Hunde wecken… was natürlich Quatsch ist, auf der anderen Seite aber zeigt, wie sehr mich Michael Leuchtenberger in seine Geschichte gezogen hat. Die Bedrohung ist stets vorhanden, verdeckt von einem dünnen Schleier Normalität, unter dem es brodelt. Wann diese dünne Schicht Risse bekommt, vermochte ich nicht zu sagen. Fest stand nur, dass ich ständig gefasst war, überrumpelt zu werden… vor allem, wenn es mir plötzlich ZU normal erschien und ich vergaß, dass ich gerade KEINE seichte Story über Freundschaft, Beziehung und ein launiges Wiedersehen nach vielen Jahren las. Und – ganz ehrlich – wäre es „NUR“ so eine Geschichte gewesen, wäre sie immer noch so gut geschrieben gewesen, dass ich sie trotzdem mit Freude zu Ende gelesen hätte.

Lebensnah

Mit dieser Zutat könnte man den Schreibstil von Debüt-Autor Michael Leuchtenberger kurz und knapp auf den Punkt bringen. Ergänzend würde ich noch „Nachvollziehbar“ und „Bildlich“ in den Topf werfen. Gut umgerührt und mit einer ordentlichen Prise „Spannung“ abgeschmeckt, kommt so ein schmackhafter und zugleich eindrucksvoller Erstling auf den Tisch des Mystery-Gourmets.

Leuchtenberger nimmt sich Zeit. Zeit, um seine Charaktere gebührend einzuführen, ihnen eine glaubhafte und – da haben wir es wieder – lebensnahe Vita zu verpassen. Schon nach kurzer Zeit kommen die Figuren dem Leser vertraut vor. So, als beschriebe er jemanden aus dem eigenen Freundeskreis, oder jemanden, den man wirklich zu Schulzeiten gekannt haben könnte.

„Caspars Schatten“ lässt sich tatsächlich schwer einer Kategorie zuordnen, was aber nicht heißen soll, dass der Roman nicht weiß, ob er Fisch oder Fleisch ist. DAS ganz gewiss nicht. Vielmehr kratzt er am Thriller-Genre, hat die Coming-of-Age-Phase schon überschritten, schwelgt jedoch noch wehmütig in dieser und bedient dann voll und ganz die Mystery-Freunde, ohne dem Leser jedoch mit dem Holzhammer die Fakten um die Ohren zu dreschen. Stattdessen werden diese Elemente fein eingestreut, was sich schon im Prolog bemerkbar macht. Dieser ist wahrscheinlich auch der Grund für die angenehm-angespannte Erwartungshaltung, die einen beim Lesen ständig begleitet und bei jedem Kapitel auf den plötzlichen Twist warten lässt.

Fazit:

Ich konnte „Caspars Schatten“ ungelogen schwer aus den Händen legen. Ich las Michael Leuchtenbergers Roman hauptsächlich nachts, am geöffneten Fenster, mit keinen Nebengeräuschen, außer dem Frühlingswind, der hin und wieder durch die Bäume zischte und einige Blätter aufwirbelte. Und an einigen Stellen im Buch, überkam mich eine plötzliche Gänsehaut… und ich lauschte dem Wind mit GANZ anderen Ohren.

Caspars Schatten

Caspars Schatten

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