Pfad ins Dunkel

  • Books on Demand
  • Erschienen: Oktober 2021
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Marcel Scharrenbroich
84°

Phantastik-Couch Rezension von Marcel Scharrenbroich Jan 2022

Terror auf dem Appalachian Trail

Caspar ist wieder da!

Nein, nicht das spukende Bettlaken mit dem freundlichen Gesicht. Gemeint ist der leicht größenwahnsinnige Naturbursche, der den Geschwistern Miriam und David in „Caspars Schatten“ das Leben zur Hölle machte. Wie aus dem Nichts hatte der Sonderling seine alten Schulkameraden kontaktiert und zu seiner pompösen Geburtstagsfeier eingeladen. Nach einer rauschenden Nacht fanden sich Miriam und David in Caspars Schloss wieder und bemerkten schnell, dass der vermeintliche Freund viel mehr im Sinn hatte, als ein launiges Wiedersehen nach vielen Jahren der Funkstille. Caspar hatte nicht nur ein Auge auf Miriam geworfen, er wollte die beiden auch für „seine Sache“ gewinnen. Im Kindesalter hatte er eine übernatürliche Begegnung mit den Naturgeistern. Seitdem besteht eine Verbindung, der er sich voll und ganz verschrieben hat.

Da Miriam und David jedoch ganz und gar nicht damit einverstanden waren, sich seiner fanatisch erscheinenden Bewegung anzuschließen und nach dem Tod seines Vaters auch die Mutter das Weite suchte, hütet Caspar nun allein das große Anwesen. Die Gemeinschaft ist zersplittert und Caspars Vertrauter Phil bittet ihn inständig, ihn zum Serene Mountain Inn zu begleiten. Einem Hostel in den Vereinigten Staaten. Dieser Ort hat nicht nur eine besondere Bedeutung für Caspar, sondern auch für die gesamte Bewegung. Dort, inmitten der Wildnis, ist die Macht groß. Nur wenige Wochen nach Phils Aufbruch bemerkt Caspar, dass seine Kraft schwindet. Seine Verbindung mit der anderen Seite schwächelt zunehmend und er verliert den Kontakt. Die Verluste der jüngsten Vergangenheit waren zu kräftezehrend. So beschließt er, den Weg zum Serene Mountain Inn zu gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn Caspar nimmt keine einfache Route. Er will den Appalachian Trail, einen rund 3.500 Kilometer langen Fernwanderweg, der durch vierzehn Bundestaaten führt, gehen, um wieder eins mit der Natur zu werden.

Weggefährten

Für einen kompletten „Thru Hike“, wie die Wanderung über die volle Distanz von Georgia nach Maine genannt wird, benötigen Trekking-erfahrene Abenteurer bis zu sechs Monate. Rund 3.000 Wanderer wagen sich jährlich an die Strecke. Unter ihnen auch die deutsche Lehrerin Elisabeth. Die 56-jährige nimmt sich die Auszeit, um den Verlust ihres lieben Freundes Harry zu verarbeiten. Die kalifornische Biologie-Studentin Mona versucht dort ebenfalls, ihr Leben neu zu sortieren. Zwischen Uni-Stress und Job, um sich über Wasser zu halten, könnte ein ausgedehnter Trip durch die Natur Wunder bewirken. Mona freundet sich schnell mit Ove an, einem Norweger auf der Suche nach neuen Zielen.

Unterwegs werden unterschiedliche Bekanntschaften gemacht, die typischen Trekking-Rufnamen vergeben und sogar Freundschaften geschlossen. Zwischen Menschen, die auf normalem Wege wohl nie zusammengekommen wären. Ansonsten hätten sie wohl auch kaum den mysteriösen Caspar getroffen. Und unter den Wanderern macht Caspar schnell potentielle Kandidaten aus, die er für seine Bewegung gewinnen möchte…

Eigenleben

Nach „Caspars Schatten“ und der Kurzgeschichten-Sammlung „Derrière La Porte“ hatte Autor Michael Leuchtenberger eigentlich nicht vor, eine Fortsetzung seines Erstlings als zweiten vollständigen Roman zu schreiben. Laut eigenen Aussagen drängelte sich Caspar aber Meter um Meter in die erste Reihe, sodass es kaum noch ein Vorbeikommen an dem charismatischen Fiesling mit ungesundem Hang zur Natur gab. Positives Leser-Echo bewirkte dann endgültig, dass Leuchtenberger zurück zu den Wurzeln ging. Keine schlechte Entscheidung.

„Pfad ins Dunkel“ ist eine Fortsetzung, die neue Wege einschlägt. Der Trekking-Trip durch die Appalachen ist dabei die perfekte Kulisse und sorgt für frischen Wind. Obwohl das gruselig-unwirtliche Anwesen des ersten Buches zurückgelassen wird, gibt es reichlich Momente, die für Unbehagen sorgen. Außerdem kommt es nicht alltäglich vor, dass die Protagonisten wechseln, während der Antagonist bleibt. Leuchtenbergers Schreibstil ist weiterhin sehr angenehm und seine Charaktere wirken authentisch. So findet man gleich mehrere Identifikationsfiguren, die allesamt gut getroffen sind. Außerdem ist es nach „Caspars Schatten“ spannend, mehr über die Figur und ihre sonderlichen Beweggründe herauszufinden.

Fazit:

Wer Michael Leuchtenbergers gelungenes Debüt gelesen hat, wird sicherlich gerne zu „Pfad ins Dunkel“ greifen. Mit gerade einmal 212 Seiten zwar nicht wahnsinnig umfangreich, jedoch komplett ohne ausufernde Längen. Vollkommen ausreichend, um sich während der Appalachen-Erkundung auf surrealen Irrwegen zu verlaufen.

Pfad ins Dunkel

Michael Leuchtenberger, Books on Demand

Pfad ins Dunkel

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